Niko Pelinka: Der jugendliche ''ORF-Dompteur''

Die Redakteure empören sich, doch Generaldirektor Alexander Wrabetz hält an ihm fest: Niko Pelinka soll Büroleiter des ORF-Chefs werden. Seit die Besetzung am 23. Dezember bekannt gegeben wurde, ist die Aufregung groß. Dabei war es eigentlich schon seit der Wiederwahl von Wrabetz klar, dass der 25-Jährige bald einen Job auf dem Küniglberg bekommen werde.(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Pelinka wurde von der SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas auf den Küniglberg als ORF-Stiftungsrat und SPÖ-"Freundeskreis"-Leiter entsandt. Dort gilt er dort als Bundeskanzler Werner Faymanns smarter "ORF-Dompteur" und "Linksverbinder" Wrabetz - und ist gekommen, um zu bleiben.(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Der 25-Jährige wirkt äußerlich zwar jünger als sein biologisches Alter, doch er pflegt den Auftritt eines innenpolitischen Veterans. "Ich hab den Niko gekannt, als er elf war. Ein paar Jahre habe ich ihn wieder getroffen, da war er 45", beschrieb dieses Phänomen ein Bekannter der Familie im Nachrichtenmagazin "profil".(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Hämischer formulierte es die Wiener Stadtzeitung "Falter" 2010 in ihrem jährlichen "Best of Böse", in dem es Pelinka gleich im Jahr eins als ORF-Stiftungsrat unter die Top Ten schaffte: "Der 24-Jährige leitet die SPÖ-Fraktion im Stiftungsrat und ist der Doogie Howser der Sozialdemokratie. Einziger Unterschied: Doogie Howser war ein Genie."

Der nach Eigendefinition "eher links" beheimatete Pelinka entstammt bürgerlichem Josefstädter "SPÖ-Adel" und ist seit Geburt an standesgemäß vernetzt.(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Vater Peter ist seit der Jugend SPÖ-Mitglied, war lange Jahre Redakteur und zuletzt Chefredakteur der "'Arbeiter-Zeitung". Aktuell arbeitet er als Chefredakteur des Wochenmagazins "News", moderiert abwechselnd den ORF-Talk "Im Zentrum" und schreibt Kolumnen für die Gratiszeitung "Heute".(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Nikos Onkel - beide haben übrigens am 14. Oktober Geburtstag - ist der bekannte Politologe Anton Pelinka. Und so waren Medien und Politik von Kindesbeinen an ständige Themen im Leben des Niko Pelinka.

Vater Peter ist dem heutigen ORF-General schon seit Jahrzehnten freundschaftlich verbunden. Wrabetz seinerseits kannte Klein-Niko, als dieser noch in den sprichwörtlichen Windeln lag. Später spielten die Söhne - auch Wrabetz hat einen Niko unter seinen Kindern - am Computer, während die Eltern über Politik und die Welt parlierten.(c) Die Presse (FABRY Clemens)

Pelinka gehört neben Raphael Sternfeld, dem außenpolitischen Berater des Kanzlers, Kanzler-Sprecher Nedeljko Bilalic und dem Wiener Gemeinderat Peko Baxant zum Netzwerk von SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas, alles selbstbewusste Aufsteiger in der aktuellen SPÖ-Hierarchie.

Die Nähe zur Macht hat sich Pelinka konsequent schon in sehr jungen Jahren erarbeitet: Im Nationalratswahlkampf 2006 organisierte Pelinka mit Sternfeld die von der Josefstadt ausgehende Aktion "Change 06", die das Ende von Schwarz-Blau und den Wiedereinzug der SPÖ ins Kanzleramt zum Ziel hatte.(c) APA/ANDREAS PESSENLEHNER (ANDREAS PESSENLEHNER)

Als Pelinka 2010, damals 23, die Funktion des ORF-Stiftungsrats und SPÖ-"Freundeskreis"-Leiters vom langjährigen SPÖ-Vertreter Karl Krammer übernahm, blieb politischen Beobachtern der Mund offen: Ein erfahrener und gestandener Polit- und ORF-Kenner wurde mit Rückendeckung des Kanzleramts völlig überraschend abserviert.

Zeitgleich wurde bei der ÖBB ein neuer Brotjob als "Public Affairs-Beauftragter" für Pelinka gefunden, der im Gegensatz zur Mitarbeit in einem politischen Kabinett mit seiner ORF-Stiftungsratsfunktion rechtlich kompatibel war.

Im Bild: Mit der Stiftungsratsvorsitzenden Brigitte Kulovits-Rupp(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

Pelinka absolvierte das Gymnasium in der Wiener Albertgasse, arbeitete beim Online-Jugendmagazin "chilli.cc" und war Volontär beim "Standard". An der Donau-Universität Krems machte er den berufsbegleitenden Uni-Lehrgang "Politische Kommunikation", war parlamentarischer Mitarbeiter beim heutigen Finanz-Staatssekretär Andreas Schieder und dann Pressesprecher bei Unterrichts- und Kulturministerin Claudia Schmied.

Im Bild: Mit ORF-Finanzchef Richard Grasl(c) APA/ROLAND SCHLAGER (ROLAND SCHLAGER)

Rund um den ORF machte der Jung-Rote bald durch besonderen Arbeitseifer von sich reden. Entschlossen arbeitete er in den vergangenen rund zwei Jahren daran, den SPÖ-"Freundeskreis" zu orchestrieren und hinterließ dabei auch Spuren im Unternehmen: Sowohl die Bestellung von TV-Chefredakteur Karl Amon zum Hörfunkdirektor als auch die Bestellung von Fritz Dittlbacher zu dessen Nachfolger und die darauffolgende Abwahl von Infodirektor Elmar Oberhauser trugen angeblich Pelinkas Handschrift.(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)

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