ORF-Journalisten fühlen sich „verhöhnt“

09.01.2012 | 22:19 |  Von Anna-Maria Wallner und Isabella Wallnöfer (Die Presse)

TV-Chefin Kathi Zechner nutzte die Redakteursversammlung zu einem gelungenen Einstand. Zentralbetriebsrat und „ZiB“-Redaktion fordern ihren Chef Alexander Wrabetz auf, seine Entscheidungen zu überdenken.

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Seit Montag sind auch für Alexander Wrabetz die Feiertage vorbei: Kaum aus dem Urlaub zurückgekehrt, bekam der ORF-General am ersten Arbeitstag seiner zweiten Amtszeit den internen Widerstand gegen sein am 23. Dezember verkündetes Personalpaket (allen voran: SP-Adlatus Nikolaus Pelinka als sein Büroleiter) zu spüren. Der ORF-Zentralbetriebsrat trat in einer eigens einberufenen Sitzung zusammen – die Stimmung sei „ernst“ gewesen, berichtete ein Teilnehmer nachher der „Presse“.

Kurz darauf, um 13.30 Uhr, tagten die Redakteure der Fernsehinformation (dazu gehören: „ZiB“, Diskussionssendungen, Wetter, „Heute in Österreich“) in einer zweieinhalbstündigen Redakteursversammlung, bei der die neue TV-Direktorin Kathi Zechner einen gelungenen Einstand im ORF hinlegte. Zechner sei mit ihrer Brandrede für die Unabhängigkeit im ORF „sehr gut angekommen“. Was sie über die Bestellung von Niko Pelinka denke, sage sie Wrabetz aber nur persönlich, richtete sie aus. Die Redakteure haben danach mit breiter Zustimmung eine Resolution veröffentlicht, in der sie noch einmal auf die fatale Optik der Postenbesetzungen hinweisen: „Die öffentliche Diskussion darüber in den vergangenen zwei Wochen hat klargemacht, wie sehr die geplanten Postenbesetzungen als politische Wunscherfüllung gesehen werden. Das halten wir in hohem Maße für unternehmensschädigend.“

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Besetzungen „juristisch nicht haltbar“

Wrabetz solle die Postenbesetzungen zurücknehmen – sie seien „weder formal noch juristisch haltbar“, heißt es in der Resolution. Redakteurs- und Personalvertetung werden aufgefordert, „alle juristischen Mittel zur Verhinderung auszuschöpfen“. Bis Dienstag können ORF-Redakteure eine Protestnote unterschreiben – die Liste wird voraussichtlich am Mittwoch veröffentlicht. Ebenfalls bis Dienstag läuft die Bewerbungsfrist für den Büroleiterposten von ORF-Chef Wrabetz.

Auch die Betriebsräte haben ihre Kritik zu Papier gebracht: In einem offenen Brief ersuchen sie Wrabetz „dringend“, er möge seine jüngsten Entscheidungen überdenken: „Seit Ihrer Wiederwahl (und der Wahl der von Ihnen vorgeschlagenen Direktoren) haben Sie es geschafft, das Ansehen des Unternehmens und seiner Mitarbeiter, insbesondere die gesetzlich vorgeschriebene Unabhängigkeit, die sowohl die Berichterstattung als auch Personen und Organe des ORF betrifft, aufs Spiel zu setzen.“ Die von Wrabetz verkündeten Personalentscheidungen „entbehren in einigen Fällen jeglicher arbeitsrechtlichen Grundlage“: Besetzungen seien vor der Ausschreibung verkündet worden, einige der Posten seien weder in den Organisationsanweisungen noch in Geschäftsverteilung oder Stellenplänen vorgesehen.

„Nahezu alle Parteien befriedigen wollen“

Dass nicht journalistische Jobs wie z. B. ein Büroleiter als Redakteursstellen ausgeschrieben werden, sei „eine Verhöhnung der ORF-Journalisten“. Wrabetz habe „aus welchen Gründen auch immer“ eine „Glaubwürdigkeitskrise“ des ORF herbeigeführt, kritisieren die Zentralbetriebsräte: „Das von Ihnen verkündete Personalpaket scheint – laut (von Ihnen nicht dementierten) Presseberichten und Stellungnahmen des ORF-Redakteursrats – nahezu alle politischen Parteien des Landes befriedigen zu wollen.“

Die Politik hält sich auffallend bedeckt. SPÖ-Mediensprecher Josef Cap will die Vorgänge im ORF nicht kommentieren: „Wie der Generaldirektor sein Büro besetzt, ist seine Sache“, meinte er zur „Presse“. Auch Bundeskanzler Werner Faymann erklärte in der ZiB 2, es sei allein die Sache von Wrabetz, wen er für sein Büro aussuche.

Posten und Personen
Personalpaket. Die am 23. 12. angekündigten politisch paktierten Postenbesetzungen: Der bisherige SPÖ-Stiftungsrat Nikolaus Pelinka wird Büroleiter des ORF-Chefs, Thomas Prantner (BZÖ/FPÖ) wird stv. Technik-Direktor, der bisherige Stiftungsrat Robert Ziegler (ÖVP) wird „Koordinator Landesstudios“, der bisherige ÖVP-Stiftungsrat Helmut Krieghofer ist Tiroler Landesdirektor.

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88 Kommentare
 
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Die ORF-Journalisten

sind zumindest, die meisten, von ihnen der ÖVP verpflichtet. Man sollte einmal der Postenvergabe bei diesen Damen und Herren nachgehen. Verheiratet, verschwägert...........der ÖVP verpflichtet......fehlt den meisten von ihnen die Qualifikation. Im ZIP sitzen doch fast nur geschobene Damen, bei denen es nicht nur an journalistischer Reife mangelt, sondern auch an der "Sprechtechnik"!
Wenn ich mir auch schon lange meine Informationen von anderen Sendern hole, bezahlen muß ich die Damen und Herrn von ORF aber trotzdem!

Gast: mech
11.01.2012 09:56
0

verwunderlich

das sich jene die in der vergangenheit im profit-dunst, dank spö haben ausbreiten können, nun in die hand beißen die sie nährt.

diesen zu offensichtlichen widerstand deute ich als trotzreaktion eines zu nachvollziehbaren postenschacherzugs. das ist sogar den alt eingesessenen zu viel.

und wie bei allen postenschacheraktionen, steigt der neid mit der nähe zum besten platz an der sonne. wenn sich also ein "knabe" von null auf hundert steigert, kann das schon den neid anderer erzeugen.

der orf war, ist und wird immer eine spö-hochburg mit einer spö-schlagseitigen berichterstattung bleiben. ich habe den orf übrigens seit langer zeit schon abgemeldet.

Gast: Johan C.
10.01.2012 18:04
3

Ich würd eher sagen:

WIE LANGE SOLLEN SICH DIE ORF-SEHER UND -ZAHLER NOCH ERPRESSEN LASSEN DURCH STAATLICH ERZWUNGENE GEBÜHREN?

Gast: Free
10.01.2012 17:00
5

Der Bürger fühlt sich vom ORF verhöhnt!

Deshalb ORF und GIS abschaffen bzw. privatisieren oder zu freiwilligem Pay TV machen.
Kein Zwang zu ORF mehr!

Auch die Mehrheit der

Bevölkerung fühlt sich vom ORF

und besonders vom Mister Wrabetz

"VERHÖHNT".

Ab mit diesem Mister WRABETZ

in die Löwelstraße

als Pressesprecher des Mister Fayman und der Frau Rudas

mit wöchentlicher Halb-Seite in der Krone!!!!!!

Den Niko P. kann er gleich mitnehmen oder doch?

Gast: africano
10.01.2012 16:10
4

Wrabetz fehlt nur noch die Narrenkappe,

zu Fasching.

Den Büroleitern von Warabetz ging es ja immer schon gut

wir dürfen also davon ausgehen, dass Herr Wrabetz als Hauptsponsoren des Volkstheaters sicher keinen Druck auf den Vorstand des Volkstheaters ausgeübt haben wird damit Herr Cay-Stefan Urbanek seinen Job bekommt...

http://derstandard.at/1293370578704/Cay-Stefan-Urbanek-wechselt-vom-ORF-ans-Volkstheater

Gast: Plach2
10.01.2012 15:33
5

In der DDR wurden Politbüromitglieder im Staatsfunkt eingeschleust

Bei uns nennt man es Büroleiter.
Danach bezeichnet sich der ORF auch noch als "unabhängig"!

ÖBB und ORF gehören rasch privatisiert. Dann können die vielen Parteigünstlinge beweisen wie tüchtigt sie sind.

Rücktritt von GD Wrabetz

Der erste der gehen sollte ist GD Wrabetz. Er hat den Stiftungsräten des ORF alles versprochen nur um wieder GD zu werden. Das Ansehen des ORF und auch seine engsten Mitarbeiter waren ihm egal. Jetzt löst er seine Versprechen und Schulden ein. Niko Pelinka bekommt den Büroleiter für die SPÖ mit fürstlichen Gehalt und auch die anderen Parteien werden bedient. Sein bisheriger Büroleiter wird weiterbefördert, obwohl dieser den Posten eigentlich behalten wollte, wie man hört. Schamlos, ohne Rückgrat und Moral GD zu werden, ist echt zum Kotzen.

Gast: Opfer100
10.01.2012 14:25
6

Eldfriede Jelinek hat recht. Es gibt keine SPÖ.

Es gibt nur mehr Familien, Clans, die sich auf das abscheulichste bekämpfen.

Antworten Gast: Frau Holle
10.01.2012 15:09
6

Re: Eldfriede Jelinek hat recht. Es gibt keine SPÖ.

ja, ich gehöre zum Clan der Wutbürger und hoffe dass dieser Clan noch grösser wird, damit wir die anderen endlich in ihre Schranken weisen

Journalisten fühlen sich verhöhnt

Ich fühle mich bei Falschmeldungen, Unwahrheiten und Halbwahrheiten auch verhöhnt. Beim Missbrauch der Medienmacht, fühle ich mich verhöhnt.

Ich fühle mich verhöhnt, wenn die ZIB aus einem Tonbandmitschnitt ein Telefonat macht oder wenn bei einer Parteiveranstaltung Sympathisanten inszeniert werden. Wenn ÖBB Berichte klein und kurz gehalten werden.

Ps: Wenn man von Unabhängigkeit redet, heißt das noch lange nicht, dass man unabhängig handelt.

Gast: freund?
10.01.2012 13:49
8

ORF abschaffen !!



wrabetz, pelinka, und wie sie alle heißen, in die wüste schicken !

Gast: nikopico
10.01.2012 13:42
1

NikoP. war bisher der SPÖ Leiter für den roten Freundeskreis

im Stiftungs- und Publikumsrat. Nun soll er nach Aussage seines zukünftigen ORF Chefs (wer der wahre Chef von den beiden, ist dabei nicht klar erkennbar) für den Stiftungs- und Publikumsrat zuständig sein. Das Aufgabengebiet hat sich also demnach scheints nicht geändert, außer dass der Gebührenzahler nun für Nikos Tätigkeit aufkommen muss. Letztlich gehts aber vermutlich weiter darum, SP-Direktiven an die rote Mehrheit in den Räten und zum Generaldirektor weiterzuleiten. Gebühren, Werbeeinnahmen und sogar Steuergelder (!) für den ORF, und jetzt auch noch ein SPÖ Freundeskreisleiter als bezahlter ORF-Mitarbeiter?

Gast: Opfer100
10.01.2012 13:06
1

Das ist ungerecht zu allen, die alleine kämpfen müssen,

und nicht so einen Mafia-Clan im Rücken haben.

es ist höchst an der ZEIT,

diesen Postenstadl in ALLEN (teil)staatlichen Bereichen (ÖBB, Telekom, Post, Orf, Asfinag ....) abzustellen, und JEDE freie Stelle auszuschreiben was garantieren könnte, dass Experten statt Protektionsverwandte auf Versorgungsposten gehievt werden können !!!

Das gleiche wäre auch in der Politik, und im speziellen im Nationalsrat erforderlich, statt dort nur Lobbyisten zusätzlich mit Steurgeldern durchfüttern zu müssen !

Direkte Demokratie JETZT !

Re: was garantieren könnte, dass Experten statt Protektionsverwandte auf Versorgungsposten ..?

Leider Nein.

So lange Parteifreunde bereits vor Ort in "Amt und Würden" sind, ist das nicht mehr als eine, manchmal sogar vergessene Showeinlage, für das zangsweise zahlende Publikum.

Es ist jetzt langsam an der Zeit

N. Pelinka mit einem Golden Handshake in die Frühpension zu entlassen.

Antworten Gast: Hermann vom Gipfel
10.01.2012 13:10
2

Zu schön, zu jung, zu intelligent

er sollte sich im Ausland profilieren. Österreich ist zu klein für Pelinkas.

Re: er sollte sich im Ausland profilieren.

Wow, wollen Sie etwa Klein-Pelikan dem Untergang weihen?

In's Ausland, wo es für ihn keine geschützten Bereiche gibt, noch dazu ausgesetzt "gnadenlosen" Mitbewerbern?

Sie sind wirklich gnadenlos.

Sehe mich schon sehr lange

vom ORF verhöhnt.

Macht ja nichts, bin ja nur ein normaler Zwangsgebührenzahler.

Re: Macht ja nichts, bin ja nur ein normaler Zwangsgebührenzahler.

sskm weil DU eben brav bezahlst, um Dich nun aufregen zu wollen ;-)

Ist wie bei den meisten Wählern welche diese wohl wahrlich unfähigste Regierung aller Zeiten mitgewählt haben das gleiche.

Antworten Antworten Gast: Nurmalso
10.01.2012 13:05
0

"unfähigste Regierung aller Zeiten"

Hätten wir denn eine "fähigere" Alternative gehabt?

Bei der Auswahl an politischem Spitzenpersonal kann man ja fast noch froh sein, dass wenigstens nichts entschieden wird.

Wenn ich mir die Opponenten so anhöre ist man mit der "Politik der gelähmten Hand" nochmal gut weggekommen.

Österreich darf nicht Kärnten werden!

Re: Österreich darf nicht Kärnten werden!

und WAS genau ist denn in Kärnten so schlimm ???

Etwa das ein Haider das Kindergeld als Erster nur dort einführte ?
Oder das Besagter vor 20 Jahren schon vor vielem warnte, dass nun als Faktum anerkannt wurde oder werden musste ?

Ich weiss schon das alles was nicht der eigenen (schwachen Parteilinie) entspringt, immer falsch und besonders rechts betitelt werden muss, da man selbst keinerlei Ahnung von irgendwas hat.

Dies aber allen anderen unterstellen zu wollen, zeugt doch von noch mehr Unfähigkeit als längst sichtbar ist !

Re: Hätten wir denn eine "fähigere" Alternative gehabt?

Wohl eher Nein.

Nur, eine andere unfähige Regierung an die Macht zu bringen hätte, eventuell(?), die Minichance ergeben, dass sich die derzeitigen Mini-Volksparteien in der Opposition ein klein wenig regenerieren hätten können!?

Ich weiß, die Hoffnung ist nicht groß, aber in der Verzweiflung greifen Ertrinkende auch schon mal nach einem Strohhalm.

ORF Gebühren

So wie der GD agi(ti)ert geht`s mit mächtig auf den Keks!

Für die kommenden Monate sind Gebührenerhöhung von an die SIEBEN % in Aussicht gestellt! Ernstgemeinte Frage: Warum verschlüsselt der orf sein Programm nicht - die die schauen wollen sollen zahlen und die, die des Programmangebots überdrüssig sind sollen nicht schauen und nicht zahlen! Wie komm ich aus der Gebührenfalle?

 
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