Der offene Brief der "ZiB"-Redakteure im Wortlaut

13.01.2012 | 15:52 |   (DiePresse.com)

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Die Redakteurinnen und Redakteure der Fi1 (ZiB, Diskussionssendungen, Wetter, Heute in Österreich) haben heute in ihrer Redakteursversammlung beschlossen, im Interesse der Glaubwürdigkeit des ORF an Nikolaus Pelinka einen Offenen Brief zu schreiben:

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Sehr geehrter Herr Pelinka,

wir entnehmen verschiedenen Medienberichten, dass Sie sich für die ausgeschriebene Funktion eines „Leitenden Redakteurs" als Büroleiter des ORF-Generaldirektors beworben haben.

Sie wissen, dass wir und viele andere ORF-JournalistInnen gegen Ihre Bestellung in diese Funktion protestieren, seit sie am Tag vor Weihnachten ohne Ausschreibung öffentlich bekanntgegeben wurde. Mehr als tausend ORF-Journalistinnen und -Journalisten, das sind mehr als drei Viertel aller Programm-MitarbeiterInnen des Unternehmens, haben mit ihrer Unterschrift den Generaldirektor aufgefordert, Ihre und andere - offensichtlich politisch motivierte - Postenbesetzungen nicht vorzunehmen.

Sie selbst haben mehrfach öffentlich erklärt, Sie würden die Sorgen der ORF-MitarbeiterInnen verstehen, aber sie würden uns in ihren „täglichen Handlungen überzeugen, dass die Ängste unbegründet sind". Diese Reaktion zeigt leider, dass Sie unsere Sorgen keineswegs verstehen. Unsere Hauptsorge gilt nämlich der Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des ORF, die für ein öffentlich-rechtliches Unternehmen essentiell sind. Diese werden durch Ihre nahtlose Übersiedlung von der Spitze der SPÖ-Fraktion im ORF-Stiftungsrat in die Generaldirektion schwerst beschädigt - und zwar völlig unabhängig von Ihren allfälligen Handlungen als Büroleiter. Das beweist die öffentliche Debatte der letzten Wochen leider eindrucksvoll.

Auch Ihr Vorgehen der letzten Tage lässt uns zweifeln, dass Sie die Problematik verstehen. Obwohl sie ihr Stiftungsratsmandat zurückgelegt haben, luden Sie noch dieser Tage den SPÖ-„Freundeskreis" (cc den SP-Klubobmann und die SP-Geschäftsführerin) zu einer „fraktionellen Besprechung" in ein SPÖ-Klubzimmer ein, um die „weitere Zusammenarbeit" zu diskutieren. Und dies am Höhepunkt der öffentlichen Debatte über parteipolitische Verstrickungen. Aber auch Ihre bisherige Funktion als Leiter eines Partei-„Freundeskreises" stört uns, da Sie als Stiftungsrat bekanntlich vom ORF-Gesetz zur Unabhängigkeit verpflichtet waren.

Trotz des Fraktionsvorsitzes im Stiftungsrat, Ihrer Arbeit für einen Abgeordneten und eine Ministerin sowie der mehrfachen Kandidatur auf Wahllisten der SPÖ haben Sie in einem Interview erklärt, sie seien „nie für eine Partei tätig" gewesen. Das zeigt uns, dass Sie und wir offenkundig ein grundsätzlich anderes Verständnis von politischer Unabhängigkeit haben. Und schließlich haben Sie im Lauf der letzten Monate einen geplanten Wechsel in den ORF wiederholt öffentlich dementiert. Auch das lässt uns an der Verlässlichkeit Ihrer Ankündigungen sehr stark zweifeln. So haben Sie vor der letzten Generaldirektor-Wahl u.a. wörtlich erklärt: „Ich schließe aus, dass ich in der nächsten Geschäftsführung in den ORF wechsle".

Wenn es Ihnen tatsächlich um den ORF und um seine Glaubwürdigkeit geht - dann stehen Sie zu ihrem Wort. Wir fordern Sie auf - im Interesse des ORF - Ihre Bewerbung zurückzuziehen.

Für die Redaktionen der Fi1, die Redakteurssprecher:
Dieter Bornemann, Lisbeth Bischoff, Eugen Freund, Barbara Seebauer, Oliver Ortner, Harald Jungreuthmayer, Sabine Schuster, Christian Stöger

 

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8 Kommentare

Erst kommt das Fressen dann die Moral (hier Anstand).

Langsam ist der rote Selbstbedienungsladen zum Kotzen. Die reinste Aufbewahrungsanstalt für Protektionskinder!

Gast: minuli
14.01.2012 09:43
0 0

wozu aufregen

ORF privatisieren und fertig.....

Die Gebühren können wir dann auch gleich abschaffen.
Der "Bildungsauftrag" ist sowieso nur eine faule Ausrede um den Staatsfunk zu erhalten. Wettbewerbsfähig ist er ja eh kaum.

Gast: ma-fma-x
13.01.2012 18:33
5 0

rudas wirds schon richten

Es soll halt bitte keiner glauben, dass was besseres nachkommt, wenn Pelinka tatsächlich verzichtet. So ist davon auszugehen, dass unter den zahlreichen Bewerbungen auch einige rote Kuckuckskinder zu finden sind, denn sollte Pelinka seinen Büroleiterjob aus irgendwelchen Gründen tatsächlich nicht antreten, kann so verhindert werden, dass irgendjemand von der Straße an den Posten kommt, sondern der Zugriff der SPÖ gewahrt bleibt.

Für den Posten "vorsorglich" beworben hat sich unter anderem auch Gudrun Bolech, Lebensgefährtin von Niko Pelinka und Busenfreundin von Laura Rudas, ungeachtet dessen, dass Bolech, wie auch in den Medien berichtet, erst mit Jahreswechsel von der einfachen Praktikantin zur Vorstandsassistentin des roten Vorstandes in der FMA befördert wurde.

Für Pelinka darf angenommen werden, dass die Partei etwas anderes für ihn finden wird... und Wrabetz darf sich in diesem Fall sogar freuen, eine qualifizierte Frau gefunden und dem Gesetz entsprochen zu haben.

Und das Volk wird unter dem Jubelgeheul aufgrund des Pelinkaverzichtes möglicherweise nicht wahrnehmen, dass es statt der Pest nun die Cholera aufoktroyiert bekommen hat...

Antworten Gast: EBK
14.01.2012 10:29
0 0

Re: rudas wirds schon richten

Völlig richtig! Das sind höchstens Intrigen im Kreml! Wenn man sich die ORF Entwicklung von Freund, Bacher über Oberhammer zu Wrabetz und die Rolle Blechas vergegenwärtigt , st das das perfekte Abbild der korrupten Eliten der zweiten Republik! Aber man soll nicht über den Spiegel schimpfen, wenn die Nase schief ist (N. Gogol) denn schon eine massenhafte Gebührenverweigerung könnte diese verwanzte Bude zum Einsturz bringen!

Gast: vrh
13.01.2012 17:11
5 0

Löblich,

aber völlig wirkungslos.
An Typen wie Pelinka perlt Kritik ab wie Wasser an einem Lotusblatt.
Und bis zur nächsten Wahl haben 's die Leute schon wieder vergessen. Wirken würde ein Redaktionsstreik , aber dafür wird den (parteipolitisch auch nicht grad unbefleckten) Damen und Herren Redakteuren das notwendige Mark in den Knochen fehlen.

Wie man sagt.....Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.

nur weiter so

ich hoffe, dass die orf-redakteure diese bestellung noch verhindern können!

allerdings: 6mal Sie/Ihr in höflicher anrede kleinschreiben sollte nicht sein...

Gast: Opfer 100
13.01.2012 16:38
4 1

Die SPÖ wird bei der nächsten Wahl die Rechnung präsentiert bekommen.

Pelinka ist zur Symbolfigur der Vetternwirtschaft in Österreich geworden. WEnn er wirklich gut wäre, könnte man darüber hinwegsehen. Ich halte ihn für ziemlich unbegabt, er soll gehen.

Herr Pelinkas Problem

Was hilft es ihm wenn er lesen kann, verstehen tut er es doch nicht!

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