Protestvideo im Wortlaut: "Geschäftsführung in hohem Maße unternehmensschädigend"

16.01.2012 | 14:53 |   (DiePresse.com)

Am Montag veröffentlichten ORF-Moderatoren und -Redakteure ein Video auf Youtube, in dem sich gegen geplante Postenvergaben protestieren.

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Die geplante Bestellung des bisherigen SPÖ-Stiftungsrates Niko Pelinka zum Büroleiter von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat in der ORF-Belegschaft zu beispiellosen Protesten geführt. Mehr als drei Wochen nach der Ankündigung, Pelinka solle den Job übernehmen, haben die Redakteure am Montag via Youtube ein Protestvideo veröffentlicht. Auch andere Postenbesetzungen werden kritisiert. Im Folgenden der Redetext, gelesen von 55 Redakteuren und Nachrichtenmoderatoren des ORF, im Wortlaut:

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"Wir, die Journalistinnen und Journalisten des ORF, stehen für einen unabhängigen ORF. Wir sind ausschließlich journalistischer Ethik und dem ORF-Publikum verpflichtet. Die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die in der Verfassung garantiert ist, lassen wir uns nicht nehmen, weder durch parteipolitische Wünsche noch durch die offenkundige Bereitschaft der ORF-Geschäftsführung solche Wünsche zu erfüllen. Am 23. Dezember hat der Generaldirektor des ORF eine ganze Reihe von Postenbesetzungen bekanntgegeben, die offensichtlich parteipolitisch motiviert waren.

Diese Bestellungen empören uns doppelt. In den Redaktion werden aus finanziellen Gründen Dienstposten eingespart und zwar in einem Ausmaß, das längst unerträglich ist. Gleichzeitig ist offenbar genug Geld vorhanden, wenn es darum geht, neue Stellen zu schaffen, um politische Absprachen zu erfüllen. Wie sehr die geplanten Postenbesetzungen als politisch ausgehandelt angesehen werden, hat auch die öffentliche Diskussion in den vergangenen Wochen klar gemacht.

Weil der Eindruck entsteht, die Unabhängigkeit des ORF sei nicht mehr gegeben, halten wir das Vorgehen der ORF-Geschäftsführung in hohem Maße für unternehmensschädigend. Deshalb fordern wir den Generaldirektor auf, alle Vorhaben zurückzunehmen, die das Ansehen des ORF als unabhängiges Medienunternehmen beschädigen. Vom Gesetzgeber fordern wir Rahmenbedingungen, die die Unabhängigkeit des ORF stärken. Dazu gehören unter anderem ein völlig neues Aufsichtsgremium und ein verbessertes Redakteursstatut. Der ORF gehört den Österreicherinnen und Österreichern - nicht den Parteien. Um das zu unterstreichen werden wir unseren Protest fortsetzen."

Das Protestvideo der ORF-Redakteure

(APA)

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11 Kommentare
Gast: nestor 446
19.01.2012 17:33
1

Krokodilstränen. Dass dieses Theater sogar den linxlinken ORF-Leuten zu viel ist, allerhand!

Wenn sogar den linientreuen linxsozialdemokratischen oder linxgrünen Journalisten das G'impfte aufgeht bei der "Bestellung" der Stelle eines Büroleiters des Herrn Wrabetz - dann muss das Ganze schon eine bodenlose Sauerei sein.

Na, schaun wir einmal, wer es jetzt wird, nachdem der kleine Pelinka seine Bewerbung (die er zuerst nicht, dann doch eingebracht hat, damit's a Rua gebt's) zurückgezogen hat. Der Text, mit dem er das getan hat, ist wirklich lesenswert: eine Art von Protektions-Realsatire der österreichischen Art.

Wetten, dass es natürlich ein Linxlinker wird? Ich mein, wo kammert ma denn sonst hin?

Interessant,

so ein Protest der linken ORFler.

Sorry, aber ich kann über diese Aktion nur lachen, denn der ORF ist ein durch und durch Linksfunk und 2/3 der "protestierenden" ORFler sind dessen Proponenten.

Gast: Woodman
17.01.2012 10:03
0

Falsche Sichtweise?

Kann es vielleicht sein, dass die ORF-Redakteure jetzt protestieren, weil sie mit einem Pelinka im Haus nicht mehr länger _unterschwellig_ ihre Parteipropaganda - pardon, Berichterstattung - transportieren könnten, sonder alles viel genauer beobachtet würde?

Für einen Großinquisitor von F-Manns Gnaden ist der Bursche denn doch um Eckhäuser zu klein, finde ich...

Gast: chefredaktion
17.01.2012 07:58
1

Eine Idee auch

für mutige Presse-Redakteure angesichts diverser Interna?

hm ...


Ich schätze den Mut der Redakteure und freue mich über die klaren Worte, die ich sonst vermisse. Aber:

Der ORF könnte ja zeigen, dass er es mit seriöser, nicht-tendenzieller, ausgewogener, sachlicher, kompetenter Berichterstattung ernst meint, indem er eine solche auch tatsächlich bringt, und zwar auch dann, wenn es nicht um ihn selbst geht, sondern um andere Themen.

Gast: AnKi
16.01.2012 19:25
0

Rudas und Co

Die SPÖ-ler rund um Rudas und Co gebären sich machtgeil und kritikresistent. Das zeigt sich nicht nur beim momentanen ORF-Hickhack, ich erinnere an die Inseratenkampagne in der österreichischen Yellowpress, die noch lebhaft in Erinnerung ist. Leider nur, dass zu wenige Wähler/innen dieses Spiel der Macht durchschauen bzw. bereit sind, diese Machtgeilheit zu tolerieren. Deshalb meinen Dank an die ORF-Redakteure für ihr mutiges Eintreten für einen parteifreien ORF, auch wenn ich befürchte, dass Betzwra nicht mehr zurück kann und auch nicht will.

Gast: Zeit im Welt bild zertrümmerer
16.01.2012 18:46
0

Assinger: mit den hät' I hiaz nit g'rechnad


Suuuuper! Bravo!


Re: Suuuuper! Bravo!

Allerdings war die Frau Turnherr nicht dabei, oder habe ich sie nur übersehen?

Re: Re: Suuuuper! Bravo!

Turnherr ist nicht in der ZiB-Redaktion.

Re: Re: Suuuuper! Bravo!

Die war grad Mittagessen mitm Häupl Michi.

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