Im Wortlaut: Die Erklärung von Alexander Wrabetz

19.01.2012 | 13:23 |   (DiePresse.com)

Nachdem Niko Pelinka bekannt machte, dass er seine Bewerbung als Büroleiter des Generaldirektors zurückzieht, meldete sich auch der ORF-Chef zu Wort.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

In den vergangenen Tagen haben von mir angekündigte Strukturveränderungen und Personalentscheidungen zu heftigen internen und externen Diskussionen geführt. Insbesondere wurde die in Aussicht genommene Bestellung von Niko Pelinka zu meinem neuen Büroleiter als Problem für die Glaubwürdigkeit der Berichterstattung gesehen. Der Protest von mehr als 1.300 Journalistinnen und Journalisten ist ernst zu nehmen. Diese Diskussion innerhalb des Unternehmens legt nämlich auch Zeugnis ab von Stärke, Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit der journalistischen MitarbeiterInnen. Es geht ausschließlich, wie auch von den ORF-Redakteurinnen und -Redakteuren formuliert, darum, Schaden für das Ansehen des Hauses abzuwenden, was selbstverständlich auch zu meiner Verantwortung gehört.

Mehr zum Thema:

Ebenso ist zu berücksichtigen, dass notorische ORF-Gegner versuchen, die Debatte in eine für den ORF negative Richtung zu lenken.

Dass die Diskussion und die Anfeindungen in Kommentaren und Postings von externer Seite teilweise auf einem menschenverachtenden und entwürdigendem Niveau stattgefunden haben, ist erschreckend und fällt auf so manchen Wortmelder zurück.

Niko Pelinka hat nun seine Bewerbung für den Posten meines Büroleiters zurückgezogen. Ich respektiere seine Entscheidung, dafür nicht mehr zur Verfügung zu stehen und sich beruflich neu zu orientieren, in höchstem Maße. Die geplante Bestellung von Niko Pelinka war ebenso wenig Gegenstand einer parteipolitischen Absprache wie sein nun bekanntgegebener Rückzug. Ich bin auch überzeugt, dass sich Niko Pelinka mit großem Einsatz bedingungslos für den ORF und die im öffentlich-rechtlichen Auftrag enthaltenen Werte eingesetzt hätte.

Ich nehme für mich in Anspruch, in den vergangenen Jahren einen Kulturwandel im Unternehmen eingeleitet zu haben, der sich neben der uns allgemein attestierten journalistischen Freiheit und Unabhängigkeit auch darin äußert, dass angstfrei und offen Sorgen und Kritik artikuliert werden können. Eine anhaltende negative Diskussion ist dem Unternehmen jedoch nicht zuzumuten.

In den vergangenen Wochen wurden neben inhaltlichen auch die formalen Fragen der Bestellung intensiv diskutiert. Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Ausschreibung wurde die Sinnhaftigkeit von angewandten Arbeitsbildern etc. thematisiert. Dieser Diskussion werde ich wie folgt Rechnung tragen: Die Ausschreibung für den Büroleiter Generaldirektion wird aufgehoben, die geplanten neuen Agenden Bundesländerkoordination und Strategische Planung, die auch von Prüfungskommission und Rechnungshof gefordert sind, werden derzeit nicht als Abteilungsstrukturen eingerichtet, sondern auf Projektebene weiter verfolgt.

Eine allfällige spätere Neustrukturierung der Generaldirektion wird intern ausführlich diskutiert und allfällige Positionen werden nach entsprechender Ausschreibung besetzt. Dabei wird es zu keiner Ausweitung des Personalstandes der Generaldirektion kommen und auf bisherigen Vorarbeiten aufgebaut.

Mein Ziel ist es nun, die Dynamik der Diskussion und die positive selbstbewusste Energie der ORF-Belegschaft nachhaltig aufzugreifen. Insbesondere hat sich gezeigt, dass die Corporate-Governance-Regeln weiterentwickelt werden sollten. Während es in den vergangenen Jahrzehnten im ORF ebenso wie in anderen Unternehmen durchaus möglich und üblich war, vom Aufsichtsrat in Unternehmensfunktionen zu wechseln, hat sich hier die öffentliche Diskussion und Sensibilität deutlich weiterentwickelt. Dem ist z. B. durch entsprechende „Cooling off"-Phasen Rechnung zu tragen. Ich werde daher die Redakteursvertreter, Belegschaftsvertreter und Führungskräfte des Hauses zu Gesprächen darüber einladen, durch welche Maßnahmen der ORF seine Position verbessern kann. Dazu gehören aber nicht nur interne Regulative, sondern auch Maßnahmen der langfristigen Absicherung der Rahmenbedingungen, wie z. B. die Möglichkeit der Interaktion des ORF mit sozialen Netzwerken. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk darf nicht durch rechtliche Einschränkungen von neuen medialen Entwicklungen abgeschnitten werden. Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass ein starker unabhängiger öffentlich-rechtlicher Rundfunk breiten Bevölkerungskreisen ein Anliegen ist.


(Red.)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

7 Kommentare

zu spät, du rettest deinen Freund nicht mehr!


Klug formuliert ..., aber:


Warum nicht gleich?
Wie kommt der ORF überhaupt dazu, als Außenstelle des Rudas-Propaganda-Büros betrachtet zu werden?

Jetzt wäre es an der Zeit, einmal zu beweisen, wie ernst es diesem Unternehmen um seriöse, sachliche, wertvolle, ausgewogene, gut recherchierte, niveauvolle Berichterstattung in Erfüllung des öffentlichen Auftrags, für den ja auch horrende Gebühren verrechnet werden, geht.

Gast: tiberius2012
19.01.2012 14:50
2

Büroleiter

also die kolportierten 3000 bewerbungen sind jetzt alle für den papierkorb?

schade eigentlich.

ich bin übrigens dafür, dass man das eingesparte büroleitergünstlingsgehalt aliquot den vielen unterbezahlten freien ORF-Mitarbeitern zukommen lässt.

Re: Büroleiter

eingespart wird nicht wirklich was ... es gibt ja einen büroleiter, der hätte bloss einen anderen job übernommen.

Gast: gast45
19.01.2012 14:16
0

klartext ..

Dass die Diskussion und die Anfeindungen in Kommentaren und Postings von externer Seite teilweise auf einem menschenverachtenden und entwürdigendem Niveau stattgefunden haben, ist erschreckend und fällt auf so manchen Wortmelder zurück.

das einzige entwürdigende ist, dass er noch immer auf seinem sessel sitzt, und den hausjuristen beauftragt hat, seitenlang zu erklären, dass er nichts damit zu tun hat ...natürlich mit gebührender verbeugungen gegenüber dem niko, weil wer weisz, ob man nicht mal später woanders auch büroleiter werden will :-)

das Schreiben ist okay

auch wenn viele Poster über mich herfallen werden... :-)

Re: das Schreiben ist okay

Nein ist es nicht, er hat nicht verstanden was er falsch gemacht hat und versucht nun nach der Methode ,Haltet den Dieb' sich wieder ins Spiel zu bringen. Faktisch wurde nicht Pelinka sondern Wrabetz als abhängiger Politgünsling enttarnt. Glaubwürdigkeit und Wrabetz sind für den ORF nicht mehr kompatibel.

Meinung

Jetzt Kultur-Newsletter abonnieren

Die Meldungen des Tages aus den Bereichen Kunst und Kultur. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden