Aktionismus: ORF-Freie schenken Wrabetz "Torte"

Die freien Mitarbeiter von Radio und Fernsehen begrüßten die Stiftungsräte mit einer Protestaktion. Eine Anstellungswelle sei "nicht möglich", sagte der ORF-Generaldirektor nach der Sitzung.

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(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)

Die wochenlange Diskussion um politisch motivierte Postenbesetzungen im ORF ist auch an ihnen nicht spurlos vorüber gegangen: an den freien Redakteurinnen und Redakteuren, die zwar Vollzeit für den ORF arbeiten, aber oft nicht mehr als 1000 Euro netto pro Monat verdienen. Sie haben heute, Freitag, kurz vor der Sondersitzung des Stiftungsrates im ORF-Zentrum am Küniglberg um 10 Uhr mit einer Performance-Aktion auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Dies auch weil sie befürchten, dass nach der Aufregung um die Causa Pelinka ihre Anliegen unter den Tisch fallen könnten.

Nach dem Stiftungsrat dämpfte Wrabetz die Hoffnungen der Freien auf eine Verbesserung ihrer Situation: "Wir werden sicher keine Anstellungswelle durchführen können, auch wenn ich weiß, dass darunter sehr kreative und gute Mitarbeiter sind", sagte der Generaldirektor. Das sei, so Wrabetz, "keine Frage des Wollens, sondern der finanziellen Möglichkeiten." Es gebe derzeit "keinen Spielraum" für eine große Anstellungswelle von Freien Mitarbeitern, eventuell aber ab 2014, sollte der ORF die dauerhafte Refundierung bekommen. Er wolle aber prüfen lassen, ob in Einzelfällen Handlungsbedarf bestehe.

"Pelinka ist gegessen - Wir schlucken nicht alles" 

Kurz vor dem Sitzungsbeginn hatten circa 20 freie Redakteurinnen und Redakteure des ORF symbolisch einen "Kuchen" an die Stiftungsräte übergeben, auf dem sie ihre Forderung nach sozialer Absicherung und gerechter Entlohnung geschrieben haben. Konkret handelte es sich bei dem "Kuchen" mehr um ein Krümelchen: "Was bleibt für die freien MitarbeiterInnen?" steht darauf geschrieben, sowie "An wen verteilen Sie den Kuchen?" und "Pelinka ist gegessen. Wir schlucken nicht alles." 

Gleichzeitig haben sie einen einen offenen Brief an die Stiftungsräte und Generaldirektor Alexander Wrabetz überreicht, der ohne Kommentar entgegen genommen wurde. Darin machen sie unmissverständlich klar, dass auch ihre Arbeit zur Qualität des ORF-Programms beiträgt: "Wir, hunderte freie Mitarbeiterinnen, machen Programm. In vielen Redaktionen liefern wir bis zu hundert Prozent der Sendeinhalte. Ohne uns würde der ORF nicht funktionieren".

Redakteure fordern: Erhöhung der Honorare um 100 Prozent

Viele der freien Autoren und Gestalter würden seit Jahren oder sogar Jahrzehnten für den ORF Vollzeit arbeiten, aber ohne ein 13. und 14. Gehalt zu kassieren und ohne Krankenstands- oder Urlaubsanspruch. "Diese Arbeitsbedingungen sind existenzgefährdend, krankmachend und einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt unwürdig. Unsere Pensionsansprüche sind so gering, dass uns im Alter ein Dasein als SozialhilfeempfängerInnen erwartet", heißt es in dem offenen Brief. Das Problem ist besonders massiv im Radiobereich, betrifft aber auch die Fernsehmitarbeiter. Seit drei Jahren würden sie ihre Arbeitsbedingungen mit der Geschäftsführung verhandeln - "bisher ohne Ergebnis". Sie fordern eine "rasche Anpassung der Honorare an die Standards im deutschsprachigen Raum. Konkret: Eine Erhöhung um mindestens hundert Prozent". Der offene Brief wird auch auf der Online-Plattform der freien Mitarbeiterinnen (http://orffm.wordpress.com) veröffentlicht.

Radiodirektor: "Problem gehört gelöst"

Radiodirektor Karl Amon wehrt sich in einem Statement an seine freien Mitarbeiter, das der "Presse" vorliegt, gegen die Vorwürfe: Er sei sich bewusst, welche zentrale Bedeutung freie Mitarbeiter für Ö1 hätten, schreibt er. "Ich weiß, dass die prekären Beschäftigungsverhältnisse ein gravierendes Problem sind. Dieses Problem gehört gelöst. Ich bin auch zuversichtlich, dass uns gemeinsam eine tragbare Lösung gelingt." Kommende Woche werde sein Büro zu einer Gesprächsrunde einladen.

Neue teure Posten statt Anstellungen

Die Idee zu der Aktion der Freien Mitarbeiter entstand am vergangenen Mittwoch. Am Vorabend des erwarteten Rückzugs von Niko Pelinka aus der ORF-Büroleitersache seien rund 60 freie Mitarbeiter des ORF in einem Lokal zusammengekommen und hätten darüber diskutiert, wie man die Missstände ihrer Arbeitsverhältnisse, die in der Debatte ohnehin nur am Rande diskutiert wurden, thematisieren könne. Die freien Redakteure hatte an Wrabetz' vorweihnachtlichem Personalpaket vor allem gestört, dass darin u.a. neue, teure Posten geschaffen wurden, während so viele von ihnen seit Jahren auf fixe Anstellungen warten würden.  

Geplant ist, dass auf den Kuchen noch weitere Aktionen folgen, die auf die prekären Arbeitsverhältnisse der Freien aufmerksam machen sollen.

>>> Der offene Brief im Wortlaut

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