Aktionismus: ORF-Freie schenken Wrabetz "Torte"

20.01.2012 | 16:03 |  Von Anna-Maria Wallner (DiePresse.com)

Die freien Mitarbeiter von Radio und Fernsehen begrüßten die Stiftungsräte mit einer Protestaktion. Eine Anstellungswelle sei "nicht möglich", sagte der ORF-Generaldirektor nach der Sitzung.

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Die wochenlange Diskussion um politisch motivierte Postenbesetzungen im ORF ist auch an ihnen nicht spurlos vorüber gegangen: an den freien Redakteurinnen und Redakteuren, die zwar Vollzeit für den ORF arbeiten, aber oft nicht mehr als 1000 Euro netto pro Monat verdienen. Sie haben heute, Freitag, kurz vor der Sondersitzung des Stiftungsrates im ORF-Zentrum am Küniglberg um 10 Uhr mit einer Performance-Aktion auf ihre Situation aufmerksam gemacht. Dies auch weil sie befürchten, dass nach der Aufregung um die Causa Pelinka ihre Anliegen unter den Tisch fallen könnten.

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Nach dem Stiftungsrat dämpfte Wrabetz die Hoffnungen der Freien auf eine Verbesserung ihrer Situation: "Wir werden sicher keine Anstellungswelle durchführen können, auch wenn ich weiß, dass darunter sehr kreative und gute Mitarbeiter sind", sagte der Generaldirektor. Das sei, so Wrabetz, "keine Frage des Wollens, sondern der finanziellen Möglichkeiten." Es gebe derzeit "keinen Spielraum" für eine große Anstellungswelle von Freien Mitarbeitern, eventuell aber ab 2014, sollte der ORF die dauerhafte Refundierung bekommen. Er wolle aber prüfen lassen, ob in Einzelfällen Handlungsbedarf bestehe.

"Pelinka ist gegessen - Wir schlucken nicht alles" 

Kurz vor dem Sitzungsbeginn hatten circa 20 freie Redakteurinnen und Redakteure des ORF symbolisch einen "Kuchen" an die Stiftungsräte übergeben, auf dem sie ihre Forderung nach sozialer Absicherung und gerechter Entlohnung geschrieben haben. Konkret handelte es sich bei dem "Kuchen" mehr um ein Krümelchen: "Was bleibt für die freien MitarbeiterInnen?" steht darauf geschrieben, sowie "An wen verteilen Sie den Kuchen?" und "Pelinka ist gegessen. Wir schlucken nicht alles." 

Gleichzeitig haben sie einen einen offenen Brief an die Stiftungsräte und Generaldirektor Alexander Wrabetz überreicht, der ohne Kommentar entgegen genommen wurde. Darin machen sie unmissverständlich klar, dass auch ihre Arbeit zur Qualität des ORF-Programms beiträgt: "Wir, hunderte freie Mitarbeiterinnen, machen Programm. In vielen Redaktionen liefern wir bis zu hundert Prozent der Sendeinhalte. Ohne uns würde der ORF nicht funktionieren".

Redakteure fordern: Erhöhung der Honorare um 100 Prozent

Viele der freien Autoren und Gestalter würden seit Jahren oder sogar Jahrzehnten für den ORF Vollzeit arbeiten, aber ohne ein 13. und 14. Gehalt zu kassieren und ohne Krankenstands- oder Urlaubsanspruch. "Diese Arbeitsbedingungen sind existenzgefährdend, krankmachend und einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt unwürdig. Unsere Pensionsansprüche sind so gering, dass uns im Alter ein Dasein als SozialhilfeempfängerInnen erwartet", heißt es in dem offenen Brief. Das Problem ist besonders massiv im Radiobereich, betrifft aber auch die Fernsehmitarbeiter. Seit drei Jahren würden sie ihre Arbeitsbedingungen mit der Geschäftsführung verhandeln - "bisher ohne Ergebnis". Sie fordern eine "rasche Anpassung der Honorare an die Standards im deutschsprachigen Raum. Konkret: Eine Erhöhung um mindestens hundert Prozent". Der offene Brief wird auch auf der Online-Plattform der freien Mitarbeiterinnen (http://orffm.wordpress.com) veröffentlicht.

Radiodirektor: "Problem gehört gelöst"

Radiodirektor Karl Amon wehrt sich in einem Statement an seine freien Mitarbeiter, das der "Presse" vorliegt, gegen die Vorwürfe: Er sei sich bewusst, welche zentrale Bedeutung freie Mitarbeiter für Ö1 hätten, schreibt er. "Ich weiß, dass die prekären Beschäftigungsverhältnisse ein gravierendes Problem sind. Dieses Problem gehört gelöst. Ich bin auch zuversichtlich, dass uns gemeinsam eine tragbare Lösung gelingt." Kommende Woche werde sein Büro zu einer Gesprächsrunde einladen.

Neue teure Posten statt Anstellungen

Die Idee zu der Aktion der Freien Mitarbeiter entstand am vergangenen Mittwoch. Am Vorabend des erwarteten Rückzugs von Niko Pelinka aus der ORF-Büroleitersache seien rund 60 freie Mitarbeiter des ORF in einem Lokal zusammengekommen und hätten darüber diskutiert, wie man die Missstände ihrer Arbeitsverhältnisse, die in der Debatte ohnehin nur am Rande diskutiert wurden, thematisieren könne. Die freien Redakteure hatte an Wrabetz' vorweihnachtlichem Personalpaket vor allem gestört, dass darin u.a. neue, teure Posten geschaffen wurden, während so viele von ihnen seit Jahren auf fixe Anstellungen warten würden.  

Geplant ist, dass auf den Kuchen noch weitere Aktionen folgen, die auf die prekären Arbeitsverhältnisse der Freien aufmerksam machen sollen.

>>> Der offene Brief im Wortlaut

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27 Kommentare
 
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Gast: Oktober
20.11.2012 09:27
8

Ausbeuterei damit Parteibonzen mit Posten versorgt werden können!

Genau so ist es!

Gast: RFIK
20.01.2012 17:14
2

Armin Wolf: Eur 16.000,00 pro Monat

Prekarist: Eur 1.000,00 pro Monat

Die Revolution frisst ihre Kinder.

Antworten Gast: Van Forlan
20.01.2012 18:08
0

Re: Armin Wolf: Eur 16.000,00 pro Monat

Wissen Sie wie viele es geben würde, die GELD DAFÜR ZAHLEN WÜRDEN, um drei Mal die Woche die eigene Meinung über den Äther schicken zu können?

Re: Re: Armin Wolf: Eur 16.000,00 pro Monat

Genau diese Sichtweise hat man mittlerweile bei den Leuten implantiert. Deswegen ist es ja überhaupt möglich, dass jemand eine solche Arbeit für 1000 Euro pro Monat macht.

Die hälfte jener, die da jetzt protestiert haben, dürften in den nächsten Monaten rausfliegen und man nimmt andere auf, die fast dafür zahlen würden dort zu arbeiten.

Gast: Paulchen Panthers Rohdiamant
20.01.2012 16:26
10

Natürlich hätte sich Wrabetz schon lange auch dieser Problematik annehmen können. Leider ist er mit anderem beschäftigt gewesen

Zwei Zitate von Wrabetz:
Eine anhaltende negative Diskussion ist dem Unternehmen jedoch nicht zuzumuten.
Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass ein starker unabhängiger öffentlich-rechtlicher Rundfunk breiten Bevölkerungskreisen ein Anliegen ist.

Ja kann man da nur ausrufen. Völlig richtig. Und deshalb ist es unabdingbar: WRABETZ MUSS ZURÜCKTRETEN.

Der Neue wird vielleicht die Kraft haben,
den Freien zu helfen
dem ORF wieder ein besseres Programm zu geben
mit weniger Personal die Kosten zu senken
nicht so politisch abhängig von einer Partei zu agieren
nicht so mimosenhaft auf Kritik von aussen zu reagieren
nicht so abgeschottet von außen in einer eigenen Welt zu leben. Eine Welt wo nur die Meinung der Partei und die subjektive Meinung der Mitarbeiter zählt.

Deshalb, um ihm zu helfen zu verstehen, was die Österreicher wollen:
WRABETZ GEHE. DU BIST NICHT DER PROBLEMLÖSER, SONDERN DER GRÖSSTE TEIL DES PROBLEMS.

Antworten Gast: filzer
20.01.2012 17:40
0

Re: Natürlich hätte sich Wrabetz schon lange auch dieser Problematik annehmen können. Leider ist er mit anderem beschäftigt gewesen

das wäre auch nur ein teil der lösung. den filz wird es nicht abschaffen können.

Unabhängier ORF?

An einen unabhängigen ORF glaube ich erst, wenn es einen Beitrag wie diesen des NDR gibt:

http://www.youtube.com/watch?v=jdz8pKcQnC8

Re: Unabhängier ORF?

Es ist jetzt auch nur wenige Jahre her, dass ein SPD-Mitglied von Gnaden der SPD NDR-Intendant war... ;)

Re: Re: Unabhängier ORF?

@schnabelfresser: In gewissem Maß mögen Sie Recht haben, doch gibt es auch im NDR Sendungen, die mit den Politikern hart ins Gericht gehen. In Österreich jedoch sind die Medien "gekauft" und hüten sich, Politiker allzu sehr zu kritisieren. Die sonderbare "Medienfördeung" mag dafür ein Grund sein. Fest steht auch, dass wir hierzulande keine freien Medien haben, die das zur Sprache bringen, was in unserem Land wirklich vor sich geht. Daher sehe ich die Protestaktionen einiger (nicht aller) ORF-Leute als durchaus begründet.

Re: Re: Re: Unabhängier ORF?

Wenn man als Deutscher den ORF sieht würde man auch erkennen, dass dieser mit Politikern hart ins Gericht geht. Nur wir wissen halt, dass es sich dabei eintweder um Leute von FPÖ und BZÖ handelt und von anderen Parteien genau nur jene, die von ihrer eigenen Partei abgeschossen werden sollen.

Antworten Antworten Gast: oesi
20.01.2012 17:39
0

Re: Re: Unabhängier ORF?

egal, hauptsache über die 'dummen ösis' lästern

Gast: Consuela
20.01.2012 14:46
0

der Link funktioniert nicht

der Link zum offenen Brief führt auf den Artikel zurück, also im Kreis geführt.

Kein Problem

Den ORF privatisieren und dann wird jeder angestellt, der gebraucht wird.

Das wird doch dann das Paradies für unsere linksgrüne Gutmenschen Elite......

Alles andere ist dem Steuerzahler nicht mehr zumutbar.

Re: Kein Problem

Wie gesagt, endlich gäb's je einen Krone- und einen Raiffeisenkanal. Wie schön.

Gast: Mercator
20.01.2012 13:25
7

In Wirklichkeit wollen die Freien Mitarbeiter angestellt werden. Darum geht es ihnen.

Mal überlegen: das ORF Programm wird immer mieser. Dafür beschäftigt unser parteiisches Staatsfernsehen mehr als 3500 Angestellte. Dafür wiederum haben wir gerade eine Gebührenerhöhung aufgebrummt bekommen, die sich gewaschen hat.
Brauchen wir jetzt noch eine weitere Gebührenerhöhung, weil noch mehr Menschen an den politischen Futtertrog wollen?
VORSCHLAG: ENTLASST ALLE freien Mitarbeiter und kündigt 50 % der Angestellten. Dann senkt die Zwangsgebühren um 20%.
Wetten dass Programm wird nicht schlechter?

Antworten Gast: ja stimmt
20.01.2012 14:10
2

Re: In Wirklichkeit wollen die Freien Mitarbeiter angestellt werden. Darum geht es ihnen.

die wollen angestellt werden. Sie verdiene Sch.. dafür liefern sie Sch...
Denn : "If you pay peanuts, you get monkeys!"
Anstellen, ordentlich zahlen und dann kann auch der ORF ordentliche Leistungen verlangen.
Dass da ein paar durchlawierer auf der Strecke bleiben wird der Qualität des Senders auch gut tun.

Re: Re: In Wirklichkeit wollen die Freien Mitarbeiter angestellt werden. Darum geht es ihnen.

Ich bin jetztkein ORF-Indsider, aber wenn die Freien dort im Vergleich mit den Angestellten nicht mit Abstand am meisten hackeln, wäre das bestimmt die einzige Firma, wo es so ist.

Re: In Wirklichkeit wollen die Freien Mitarbeiter angestellt werden. Darum geht es ihnen.

Sie sollten mehr bezahlt bekommen, das ist ja wirklich eine Schweinerei. Aber sobald sie angestellt sind arbeiten sie dann vielleicht auch nichts mehr und suchen neue Freie, die ihre Arbeit machen. So scheint das dort ja zu funktionieren.

Gast: Sternsinger
20.01.2012 12:09
16

mhhhh...

...Ausbeuterei in Staatsbetrieben damit Parteibonzen mit Posten versorgt werden können!

Wer schimpft denn da noch über Monarchie und Adel? Den Parteiadel haben wir doch längst!

ohne Kontrolle

Was ist eigentlich mit der Regulierungsbehörde (rtr), ich glaube der Verein kassiert auch nur schöne Gehälter. Hat die Regierung wieder mal Freunderln einige Posten versorgt, sie müssen halt nur still halten.

Re: ohne Kontrolle

Ich verstehe überhaupt nicht, was das soll. Für solche Aufgaben gäbe es ja Ministerien. Der Apparat wird schon aufgeblasen wie in der Sowjetunion.

Na vielleicht

könnten die tollen unabhängigen angestellten Protestjournalisten, die offenbahr mehr bis zu 140.000 im Jahr verdienen (http://tinyurl.com/6gjw82j) was von ihrem Kuchen abgeben? Da wäre schon noch etwas Spielraum?

Oder sind die freien dem Betriebsrat gar wurscht?

Gast: free111
20.01.2012 11:32
14

top!

WIR SIND VIELE!!!

Gast: Klett W
20.01.2012 11:19
10

Gute Arbeit muss gut entlohnt werden

Die Forderung ist gerecht!


Antworten Gast: Febobo
20.01.2012 15:39
1

Re: Gute Arbeit muss gut entlohnt werden

Und schlechte Arbeit muss schlecht entlohnt werden:

deshalb bei Topbeamten und Politikern sparen, dafür "freien Dienstnehmern" also Arbeitnehmern zweiter Klasse normale Gehälter zahlen.

Gast: Helmut Frodl
20.01.2012 11:11
5

ORF vernichtet Existenzen

Der ORF ist die Prekariatsmaschine schlechthin. Duzende freie und Zulieferer wurden bereits durch den ORF und seine unberechenbaren anöver in den Ruin getrieben - oder noch weiter.

 
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