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Kuchenbrösel und die gelbe Karte für den ORF-Chef

20.01.2012 | 18:23 |  ANNA-MARIA WALLNER (Die Presse)

Weniger Kritik als erwartet erntete Alexander Wrabetz von den Stiftungsräten - dafür erhielt er von den freien Redakteuren eine Protesttorte. Bis Juni müssen 540 Mitarbeiter umsiedeln.

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Alexander Wrabetz hatte ziemlich lange Zeit, gute Argumente zu sammeln, mit denen er die Geschehnisse der vergangenen Wochen schönreden kann. Die intensive und lange Diskussion um sein Personalpaket habe gezeigt, welch offene Konfliktkultur es im ORF gebe, was ihn von kommerziellen Medienunternehmen unterscheide. Der ORF stehe „natürlich sehr gut da“, erst am Donnerstag hätten wieder 2,5 Millionen Menschen die Informationssendungen des ORF verfolgt. Schöne Worte, die Wrabetz am Freitag sprach und zumindest bei den ORF-Kontrolleuren, den Stiftungsräten, fielen sie teilweise auf fruchtbaren Boden.

In weniger als fünf Stunden war die eigentlich nur wegen des dringenden Sanierungsbedarfs am ORF-Gebäude einberufene Sondersitzung des Stiftungsrates beendet. Aber auch die Sache Niko Pelinka wurde thematisiert und sei „lange, offen und sehr sachlich“ diskutiert worden, so Franz Medwenitsch, Leiter des bürgerlichen Freundeskreises. Man habe Wrabetz keine rote, „aber wohl eine gelbe Karte“ für die Performance der letzten Wochen erteilt. Ein wenig anders sieht das Wrabetz: „Wir sind ja nicht im Fußball“, vielmehr hätte die Mehrheit der Räte seine Erklärung zum Pelinka-Rückzug und „die Art, wie ich das gelöst habe, sehr anerkannt“. Aus dem Stiftungsrat hört man allerdings, dass es durchaus Kritik an Wrabetz gegeben haben soll. So soll der interimistische SPÖ-Freundeskreisleiter Josef Kirchberger (Art for Art) Wrabetz und Pelinka "schwere Fehler" vorgeworfen haben; und der Salzburger SPÖ-Stiftungsrat Wolfgang Wörter die Aussendung vor der Ausschreibung als "extrem unanständig" bezeichnet haben. Kritik von allen Seiten soll es am Verhalten der Redakteurssprecher und von Moderator Armin Wolf gegeben haben, die die interne Debatte massiv nach außen getragen hatten.

In einer Resolution (zwei Gegenstimmen, zwei Enthaltungen) verlangt der Rat vom ORF-Chef, er möge „alle erforderlichen Maßnahmen“ ergreifen, „um das Vertrauen in die Unabhängigkeit des ORF wiederherzustellen“ und "das Image des Unternehmens wieder zu verbessern". Auch mit den eigenen Verhaltensregeln lassen sich die Stiftungsräte ein wenig Zeit. Der Corporate Governance Kodex soll aufgrund der aktuellen Vorgänge noch einmal überprüft und erst in der nächsten Sitzung im März fixiert werden. Darin soll eine „Cooling off“-Phase festgelegt werden, während Stiftungsräte nicht in den ORF wechseln dürfen. Wrabetz (der selbst einst vom Stiftungsrat in die kaufmännische Direktion wechselte) unterstützt das.

Mit der Absage der Büroleitersuche wurden auch die restlichen Posten in der vorweihnachtlichen Ausschreibung zurückgezogen. Die Büroleitung für die kaufmännische Direktion soll in Kürze erneut und nicht mehr als Redakteursposten ausgeschrieben werden. Ebenso ausgeschrieben wird der Hauptabteilungsleiter-Posten für Online-Agenden in der Technischen Direktion, für die sich Thomas Prantner interessiert. Er werde nur in Abwesenheit des Technikdirektors dessen Stellvertreter sein. Robert Ziegler wird die Bundesländerkoordination als Projekt betreuen.

Die „Rückkehr zur Sacharbeit“ forderte Finanzchef Richard Grasl. Wichtigstes Projekt ist die dringende Sanierung des Hauptgebäudes. Bis Juni müssen 540 Mitarbeiter in ein Ausweichquartier übersiedeln, das gesucht wird. Fix ist, dass die administrativen Abteilungen absiedeln müssen, die Produktionsabteilungen werden in anderen Gebäudeteilen am Küniglberg untergebracht. Grasl stärkte Wrabetz den Rücken, indem er meinte, der Generaldirektor hätte sein Direktorium in den vergangenen Wochen in die Debatte um die Postenbesetzungen eingebunden und alle hätten ihm den Rücken gestärkt. Für Grasl ist dieser Zusammenhalt der Direktoren ein positives Zeichen für die neu begonnene Geschäftsführungsperiode.

SP uneins über Freundeskreis-Leiter

Für Gerüchte am Rande der Sitzung sorgte die kleine Panne im roten Freundeskreis des Stiftungsrats Mitte der Woche. Niko Pelinkas Nachfolge im Stiftungsrat, mit SPÖ-Ticket, übernimmt Casinos-Vorstand Dietmar Hoscher. Der hatte zunächst erklärt, er werde wie Pelinka auch Freundeskreis-Leiter, ruderte kurz darauf aber zurück: Dies müsse erst im Freundeskreis abgestimmt werden. Es heißt, Hoscher sei Laura Rudas' Wunschkandidat für den Leitungsposten, die alte Garde der SPÖ-nahen Stiftungsräte hätte sich nun aber gegen die SPÖ-Bundesgeschäftsführerin durchgesetzt und will ihren Favoriten Josef Kirchberger (Art for Art) bald offiziell zum neuen Leiter ernennen.

 

„Wir schlucken nicht alles“

Kurz vor Sitzungsbeginn hatten freie ORF-Mitarbeiter mit Flugzetteln und Fähnchen auf ihre prekäre Arbeitssituation hingewiesen: „Pelinka ist gegessen – Wir schlucken nicht alles.“ Dem ORF-Chef Wrabetz übergaben sie einen Kuchenbrösel als Symbol für die geringe Wertschätzung ihrer Arbeit – der lächelte dazu nur milde. Radiodirektor Karl Amon zeigte Gesprächsbereitschaft, Wrabetz machte die Hoffnungen der Freien aber zunichte: „Das ist keine Frage des Wollens, sondern der finanziellen Möglichkeiten. Wir können jetzt nicht Dutzende Mitarbeiter anstellen.“ Möglich sei dies eventuell erst 2014 mit einer permanten Refundierung der Gebührenbefreiungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2012)

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12 Kommentare

Der Fehler aus Sicht der Linken

ist ja, sogar mit den dürftigen Wortmeldungen gem. Bericht, leicht zu definieren:

Es ist öffentlich bekannt geworden.

Der Haupt-Merksatz "Postenschacher betreibt man unauffälig im Hintergrund" wurde nicht berücksichtigt. Aber das passiert halt manchmal, zumal dann, wenn man sich bereits als "über den Dingen stehend" betrachtet.

Gast: Der Rabe wacht
21.01.2012 13:04
11 0

Vorschlag: setzen wir einen ersten Schritt zur Bekämpfung der Küngelei, des Postenschachers und der politischen Deals im ORF.

Übertragen wir ab sofort jede Sitzung des Stiftungsrates auf ORF 3 live. Damit jeder sehen kann, wer die Damen und Herren sind, die glauben sich den ORF aufteilen zu können.
Natürlich kann dann der Generaldirektor noch immer vor den Sitzungen Geheimabsprachen treffen. Aber um einen Sumpf trocken zu legen, braucht es eben mehrerer Schritte. Beginnen wir mit dem ersten Schritt.
SOFORTIGE LIVEÜBETRAGUNG DES STIFTUNGSRATES.

Gast: UKW
21.01.2012 08:14
1 0

"permante Refundierung der Gebührenbefreiungen"

Was für ein kranker Begriff! Der Staat zahlt dem ORF zusätzlich Millionen dafür, dass er Geringverdiener nicht via Zwangsgebühren aussackeln lässt. In welcher absurden Welt leben wir eigentlich?

Re: "permante Refundierung der Gebührenbefreiungen"

warum soll der orf nicht kriegen, was die telefonanbieter wie selbstverstaendlich einstreifen? die privaten kriegen, was man oeffentlich rechtlichen nicht gibt, das ist fairer wettbewerb ala mehr privat weniger staat (schwarz blau)

Antworten Antworten Gast: UKW
21.01.2012 19:14
2 0

Re: Re: "permante Refundierung der Gebührenbefreiungen"

Ich besitze einen Fernseher, schaue kein Programm des ORF, muss aber trotzdem Monat für Monat Zwangsgebühren an den Rotfunk zahlen.

Ich besitze ein Handy, telefoniere mit Orange, muss aber dem staatlichen Telekom-Konzern Telekom Austria keine Grundgebühr zahlen.

Unterschied erkannt?

Außerdem legitimiert kein Unrecht ein anderes. Außerdem sollte der staatliche Telefonzuschuss für die derzeitigen Anspruchsberechtigten ersatzlos gestrichen werden. Quasselstrippen sollen zahlen.

Gast: Humbold
20.01.2012 22:08
14 0

Kauft sich Wrabetz positive Berichterstattung?

Heute in der Krone und in Heute:
Die üblichen ganzseitigen Anzeigen der Stadt Wien. Nun gut, die hat ja jetzt genug Geld durch die diversen Gebührenerhöhungen. Warum soll Häupl nicht den Dichands auch was gönnen? Sind ja nette Leute.
Interessant nur die große Werbung des ORF. Kitzbühel ist dieses Wochenende. Die Zeitungen sind zwar voll damit. Aber der ORF sagt es auch mit großen Inseraten.
Und wer darf das alles zahlen? Wir, der Gebührenzahler.
War das eigentlich heute auch Thema im Stiftungsrat?

Re: Kauft sich Wrabetz positive Berichterstattung?

Bingo.

Warum (aus seiner Sicht) nicht? Zahlen ja sowieso andere.

Re: Kauft sich Wrabetz positive Berichterstattung?

Ich wohne in der Gegend. Glauben Sie mir daher, wenn ich Ihnen sage, dass Kitzbühel immer ist, nicht nur dieses Wochenende?

Gast: Joes World
20.01.2012 20:41
21 0

Eine Sondersitzung des Stiftungsrates gab es also heute

Stiftungsrat klingt irgendwie so ehrwürdig und Achtung gebietend.
Allerdings nur solange man sich nicht intensiver mit der Zusammenstellung dieses Rates auseinander setzt. Denn dann merkt man rasch: es sind primär Parteisoldaten, die diesen Rat ausmachen.

Wohl deshalb war an der katastrophalen Vorstellung des Generaldirektors der letzten Wochen, nur verhaltene Kritik zu hören. Denn man ist unter sich, unter Seinesgleichen. Da redet man ganz anders, da ist man ungestört von den Einflüssen Außenstehender.

Hier beurteilen noch Apparatschiks die Arbeit eines anderen Apparatschiks. Ohne störende Zwischenrufe des einfachen Fernsehzusehers. Der würde so etwas auch gar nicht verstehen. Fernsehen und Fernsehen verstehen sind nämlich zwei ganz unterschiedliche Sachen.

DER DUMME FERNSEHZUSEHER KANN EIGENTLICH NUR EINES WIRKLICH GUT: die Herrschaften am Berg mit seinen Zwangsgebühren aushalten.

Re: Eine Sondersitzung des Stiftungsrates gab es also heute

Kleiner Hinweis: Das deutsche Wort "Rat", übersetzt in die russische Sprache, lautet "Sowjet". Und die Sowjetunion war, rückübersetzt, eigentlich eigentlich eine "Räterepublik".

Berücksichtigt man dazu noch die engen Kontakte der Sozis zur damaligen Räterepublik, kommen langsam Befürchtungen auf, dass hier nicht einfach nur Begriffe von dort übernommen wurden/werden.

24 0

„Freundeskreis-Leiter“

Der Name alleine spricht Bände über die Organisation des ORF.

Gast: Von hier und dort und anderswo
20.01.2012 18:57
22 1

Als menschenverachtend und entwürdigend bezeichnete Wrabetz bestimmte Postings.

Also einzelne Personen in der ZIB in Bild und Ton vor die Öffentlichkeit zerren und ihren Ruf zu zerstören ist in Ordnung. Auch wenn man immer wieder das Gefühl hat, es geschieht vor allem deshalb, weil deren politische Gesinnung den Redakteuren nicht passt.

Aber wehe man wagt es, den zu kritisieren, der wie kein anderer für den politischen Einfluss und die politische Machenschaften im ORF steht.
Dann ist man gleich menschenverachtend und entwürdigend.

Realitätsverlust scheint eine der vorstechendesten Eigenschaften von Herrn Wrabetz zu sein.

Deshalb sagen wir: Lieber Alex sein ein MENSCHENFREUND und trete zurück. Um dem ORF seine WÜRDE wieder zu geben.