Wie ist das erste Monat als Direktorin verlaufen?
Karin Bernhard: Es war anstrengend. Wir haben gleich mit dem Relaunch von „Kärnten heute“ angefangen und das Studio umgebaut. Das war schon etwas schwierig, mittlerweile passen die Einschaltquoten aber wieder – und mir taugt die Arbeit einfach. Ich bin glaube ich geboren zur Landesdirektorin (lacht).
Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Generaldirektor Alexander Wrabetz beschreiben?
Gut. Wenn man etwas braucht von ihm, ist er immer für ein Gespräch erreichbar. Ich habe ihn am 9. Jänner zum Neujahrsempfang zu uns nach Klagenfurt eingeladen und da hat er erzählt, dass er sich über mich informiert hat, bevor er mich bestellt hat – und da habe er nichts Schlechtes über mich gehört, nur dass ich manchmal sehr resch sein kann. Aber ich denke mir, resch ist ja nicht schlecht.
Hat der Protest der Redakteure Ihren Start beeinflusst?
In Kärnten wurde das weniger thematisiert. Ich habe das beobachtet, aber mich nicht öffentlich dazu geäußert. Ich sage Wrabetz meine Meinung dazu persönlich und richte ihm das nicht über die Zeitung aus.
War der Protest gut für den ORF oder er hat er dem Unternehmen geschadet?
Es gibt wenige Unternehmen, in dem die Mitarbeiter so gut verdienen und die eigene Geschäftsführung so angreifen können. Geht es dem Unternehmen nicht gut, wird es auch den Mitarbeitern nicht so gut gehen und die Geschäftsführung muss eben Akzente setzen. Ich war selbst lange Redakteurs- und Betriebsrätin, aber das verstehe ich nicht. Das hätte man sich wirklich mit dem Generaldirektor ausreden können – und nicht über Medien oder das Internet. Ich glaube, manche Leute wollen sich selbst irgendeinen Weg ebnen, in dem sie ihre Kritik so groß hinaus posaunen.
Auch bei Ihnen gab es kurz vor Ihrer Bestellung eine unschöne Optik: Landeshauptmann Gerhard Dörfler tat so, als habe er sich mit Wrabetz auf Sie geeinigt, dabei haben Sie gesagt, nie mit ihm geredet zu haben.
Das war ein bisschen die Unwissenheit des Landeshauptmanns, er hat eben nur ein Anhörungsrecht bei der Bestellung des Landesdirektors. Es war gar nicht klar, dass ich es werde, aber Wrabetz ist hinter mir gestanden und hat mich vorgeschlagen – und der Landeshauptmann hat dann auch zugestimmt. Jeder Landesdirektor wird gerne in die Schublade der Partei des Landeshauptmanns gesteckt. Das gehört dazu. Ich war immer ein sehr sozialer, unpolitischer Redakteur. Ich glaube man muss eine Ausgewogenheit bei der Berichterstattung haben und vor allem wissen: die persönliche Meinung behalte ich für mich.
Dennoch gab es gerade im Kärntner Landesstudio immer wieder Fälle politischer Intervention oder öffentlicher Kritik an Berichten. Wie gehen Sie mit politischer Intervention um?
Als Redakteurin habe ich kaum eine politische Intervention erlebt und wenn habe ich erklärt, warum diese Geschichte trotzdem gemacht werden muss. Und als Landesdirektorin kann ich nur sagen, es ist jetzt Anfang Februar und bis heute hatte ich noch keine Intervention.
Wie würden Sie das Klima im ORF Kärnten bezeichnen?
Es ist klar, wenn ein Direktor gern bleiben will, dass es ein paar gibt, die ihm die Stange halten. Aber von den 140 Angestellten und freien Mitarbeitern gibt es vielleicht fünf, sechs Leute, die mir heute noch nicht sehr freundlich begegnen. Aber es muss ja nicht jeder freundlich sein, es muss gearbeitet werden. Die Stimmung ist im Allgemeinen gut, weil eine Aufbruchsstimmung herrscht – auch wenn es hie und da heißt: Das haben wir schon gemacht oder Das haben wir noch nie so gemacht. Dann sage ich drauf: Aber jetzt machen wir's anders.
Was wollen Sie als Erstes angehen?
Ich muss sparen. Der erste Brief, den ich bekommen habe, war von der Kaufmännischen Direktion, in dem stand, was wir alles sparen müssen. Jetzt muss ich herausfinden, wie wir das Ziel erreichen können. Von den Strukturen her muss man vieles effizienter gestalten. Und ich möchte, dass wir bei „Kärnten heute“, wenn wir es technisch und finanziell schaffen, viel mehr hinaus gehen.
Wo kann am besten gespart werden?
Eigentlich sind wir ziemlich am Limit, aber am ehesten bei den Strukturen. Man kann die Dienstzeiten der Chefs vom Dienst kürzen zum Beispiel, damit die keine Überstunden mehr machen.
Muss auch Personal abgebaut werden?
Ich wüsste nicht wo. Es gibt schon jetzt Abteilungen, wo es nur mehr Junge gibt. Es bröckelt die Basis.
Wo besteht das größte Defizit des Landesstudios?
Es gibt gar kein großes Defizit. Von den Einschaltquoten sind wir im Radio und Fernsehen Nummer eins.
Wer sind die größten Konkurrenten?
Im Radio die Antenne Kärnten. Im Fernsehen gibt es ServusTV, aber eine echte Konkurrenz ist das nicht, wenn dann eine gesunde, die ja notwendig ist.
Braucht es eigentlich einen Bundesländerkoordinator?
Für mich hätte es schon Sinn, wenn der Bundesländerkoordinator uns Landesstudios in Wien stärker vertritt. Wir sind die Träger des ORF-Zentrums in Wien, weil durch die Regionalfenster bekommen die Kunden eine Bindung zum ORF. Ich würde ihm eine Chance geben. Wobei ich schon hoffe, dass er auch für Kärnten kämpft und nicht nur für Niederösterreich. (lacht, Anm.: Der zukünftige Bundesländerkoordinator Robert Ziegler ist stellvertretender Chefredakteur im ORF Niederösterreich).
Sie sind eine von drei Frauen im ORF-Direktorium. Gibt es einen Unterschied, wenn man als Frau Landesdirektorin ist?
Bei den wesentlichen Dingen, in der Arbeit, sehe ich keinen. Ein Mann hat es nur in mancher Hinsicht leichter, der zieht einfach einen schwarzen Anzug an. Aber wenn Du als Frau drei Mal dasselbe Sakko anhast, dann heißt es schon: Hat die kein Geld, sich ein anderes Sakko zu kaufen? Die Leute schauen bei Frauen mehr auf Äußerliches.
Wofür steht der ORF Kärnten heute – wofür soll er in fünf Jahren stehen?
Der ORF Kärnten ist ein grenzüberschreitendes Studio. Wir sind nicht nur für die Kärntner, sondern auch für die Oberitaliener und die Slowenen da. Das soll so bleiben und sich noch verstärken. Fünf Veranstaltungen im Jahr in Oberitalien sind zu wenig. Und ich träume von einem Sprachkurs Slowenisch-Deutsch. Fast jeder Oberitaliener oder Slowene kann Deutsch, aber kaum ein Kärntner kann Slowenisch oder Italienisch.
Die Filme der Woche ''Men In Black'' in 3D, Liebe, Sex und Terrorismus
Die Hölle Krieg in Vietnam Preisgekrönter Fotograf Horst Faas ist tot
Milliarden-Streifen Die 12 erfolgreichsten Filme der Kino-Geschichte
Günther Kaufmann ist tot Ein Leben wie ein Film
Song Contest Die Gegner der Trackshittaz