Vampire, Werwölfe, Elfen, Dämonen und jetzt auch noch Hexen. In der vierten Staffel der HBO-Serie "True Blood" wird nicht nur das Figurentableau langsam unübersichtlich, sondern auch die Anzahl der Mythenwesen. Diesmal treten die Vampire also gegen Hexen an. Die Handlungsstränge der Serie kreisen wie gewohnt um die resolute Kellnerin Sookie Stackhouse (Oscar-Preisträgerin Anna Paquin). Zurückgekehrt aus dem Feenreich, ist sie mehr denn je hin und hergerissen zwischen dem sanften Vampir Bill (Stephen Moyer), ihrer ersten großen Liebe, und dem "Bad Boy"-Wikinger-Vampir Eric (Alexander Skarsgard). Das sorgt für Drama und auch für so manchen Schmalz-Moment. Denn "True Blood" ist groß darin, Tragödie, Komödie und Seifenoper miteinander zu vermischen.
Wie aus dem "Handbuch für Seifenopern-Autoren" liest sich auch einer der wesentlichen Handlungsstränge: Eric verliert in Folge zwei sein Gedächtnis und mutiert zum hilfsbedüftigen "Emo"-Vampir. Die Hexen sind nämlich auch noch Nekromanten und können die (Un-)Toten kontrollieren. Klingt nach Trash? Ist es auch. Der fernsehgeschulte Zuschauer weiß, was ihn bei solchen, scheinbar abgedroschenen Narrationen erwartet. Natürlich lernt Sookie so eine andere Seite des Fieslings kennen, natürlich funkt es zwischen den beiden - und natürlich wendet sich das Blatt, sobald seine Erinnerungen zurückkehren. Die Serie spielt mit diesen Erwartungshaltungen und liefert das, was sich die Fans wünschen - in reichlich überspitzter und ironisierter Form.
Das macht Spaß, auch, weil die Serie nicht mit Reizen geizt. Die Darsteller werden zu Sexobjekten stilisiert, vor allem die Männer. In praktisch jeder Folge in mindestens ein Darsteller oben ohne zu sehen, Vampirblut dient als Aphrodisiakum und Droge, und auch explizite Sexszenen sind keine Seltenheit. Kein Wunder, dass die Serie in vielen Länder mit einer Altersbeschränkung ab 18 versehen ist, heißt es doch schon im Vorspann für das Format, dass in Louisiana spielt und sich sämtliche Südstaaten-Klischees zu eigen macht: "I wanna do bad things with you."
Die Themen von "True Blood" auf Sex und Tod zu reduzieren, würde der Serie aber nicht gerecht werden. Denn sie beschäftig sich stark mit gesellschaftlichen Zwängen. Die Vampire kämpfen um Gleichberechtigung im prüden Amerika, weil sie durch die Erfindung von künstlichem Blut, dem titelgebenden "True Blood", ihren Hunger nicht mehr an Menschen stillen müssen und sich "geoutet" haben. Ihr Kampf weist Parallelen zur Homosexuellen-Bewegung auf. Insbesondere zeigt "True Blood" aber ein fortwährendes Ringen zwischen Exzess und Kontrolle, zwischen Begierde und Keuschheit, die die Handlung vorantreibt.
Für den US-Sender HBO ist die Vampirgeschichte, die auf Charlaine Harris' Romanreihe "The Southern Vampire Mysteries" basiert, die erfolgreichste Serie nach den "Sopranos". Im deutschsprachigen Free-TV wurde die "True Blood", übrigens von "Six Feet Under"-Mastermind Alan Ball erfunden, bislang auf RTL II im Spätprogramm verschenkt. Bezahlsender Sky zeigt die vierte Staffel ab Donnerstag, dem 9. Februar, auf Syfy im Hauptabendprogramm. Immerhin. Auf DVD kommt sie Ende Mai heraus und im Juli startet in den USA Staffel fünf. Diesmal mit mehr Werwölfen.
(her.)
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