Es ist das erste laute Lebenszeichen, das der neue News-Verlagschef Axel Bogocz seit seiner Ankunft in Wien von sich gibt – doch der Anlass ist weder für ihn noch für die Branche erfreulich. Donnerstagabend hat er einzelne Vertreter der Medienbranche informiert, dass der News-Verlag zuletzt zu hohe Auflagenzahlen an die Österreichische Auflagenkontrolle (ÖAK) gemeldet hat und das nun bereinigt werde. Die ÖAK ermittelt zweimal pro Jahr die verkaufte Auflage aller Printtitel im Land. Neben der Media-Analyse, die die Reichweite der Blätter durch Befragung von Lesern erfasst, ist das die zweite „Währung“, mit der Verlage und die Werbewirtschaft rechnen.
Vor knapp einer Woche hat Verlagschef Bogocz die ÖAK von der Zahlenmanipulation in Kenntnis gesetzt, nun präsentiert er sich im Interview mit dem „Standard“ als Aufräumer. Er hat die Führung des Verlags, der zu 56 Prozent der deutschen Bertelsmann-Tochter Gruner+Jahr gehört, erst im September von Superkurzzeit-Chef Matthias Schönwandt übernommen, der wiederum Anfang 2011 auf Oliver Voigt gefolgt war.
Bogocz sagt zur „Presse“, er komme aus einem vertriebsorientierten Markt, mit der neuen Vertriebschefin Angela Schuh-Haunold habe er den Vertrieb besonders genau unter die Lupe genommen: „Fehler wie diese fallen einem schnell auf“, sagt er. Noch befinde man sich in der Aufarbeitung, es sei noch nicht klar, wie lange die Angaben über die Auflagen schon manipuliert wurden. Fest steht, dass bei allen zehn gemeldeten Titeln „um zwei bis 30 Prozent“ höhere Zahlen angegeben wurde, sagt Bogocz dem „Standard“. Mit der ÖAK sei vereinbart worden, die Zahlen rückwirkend bis zum zweiten Halbjahr 2010 zu korrigieren, damit es bei der nächsten Veröffentlichung der Auflagenzahlen verlässliche Vergleichszahlen gebe.
Auflagenergebnis kommt am 24. Februar
ÖAK-Chefin Sibylle Callagy bestätigt, dass der News-Verlag die korrigierten Zahlen bereits übermittelt hat. Diese sollen am 24.Februar mit dem Gesamtergebnis des zweiten Halbjahres 2011 veröffentlicht werden. Die ÖAK hat eine Sondersitzung für kommende Woche anberaumt, in der diskutiert werden soll, wie solche Tricks in Zukunft nicht mehr durchrutschen können: „Wie werden uns genau ansehen, wie wir unsere Prüfsysteme auch gesetzlich verbessern können.“
Bogocz sagt, es werde ermittelt, wer für dieses Vorgehen verantwortlich war. Er habe am Freitag erste Reaktionen von Kollegen bekommen, die ihm für seine Offenheit Respekt zollten. Offizielle Reaktionen aus der Branche blieben am Freitag aber noch aus.
Seit September 2011 ist der Deutsche Axel Bogocz (47) neuer Chef der Verlagsgruppe News (u.a. „Profil“, „Woman“), der seither das Magazin „News“ einem Relaunch unterzog und nun offenlegte, dass der Verlag bisher zu hohe Auflagenzahlen an die Österr. Auflagenkontrolle (ÖAK) gemeldet hatte. [APA]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2012)
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