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Mail Online ist die größte Nachrichtenseite der Welt

11.02.2012 | 18:22 |  von Felix Lill (Die Presse)

Der Online-Ableger der "Daily Mail" hat die "New York Times" überholt. Dabei fällt die Seite durch einige untypische Merkmale auf.

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Mit 45,35Millionen Besuchern im Monat Dezember ist „Mail Online“, die Website der britischen Tageszeitung „Daily Mail“, erstmals die meistbesuchte Nachrichtenseite des Internets. Das ergeben Daten des Marktforschungsunternehmens comScore. Damit ist der Online-Auftritt der „New York Times“, der lange Zeit das Nachrichtengeschäft im Internet dominierte, mit 44,8Millionen Besuchern im selben Zeitraum überraschend von der Spitze abgelöst worden.

Der Erfolg von Mail Online löst seit Längerem Verwunderung aus, denn die „Daily Mail“, Großbritanniens älteste Tabloidzeitung, wurde wiederholt für sensationalistische und ausländerfeindliche Berichterstattung kritisiert. Anfang Oktober sorgte zudem für Empörung, als die Seite die wegen Mordes angeklagte US-Amerikanerin Amanda Knox für schuldig erklärte, obwohl, für viele überraschend, das Gegenteil der Fall war. Der Grund war eine vorbereitete Story, die schnellstmöglich nach dem Richterspruch veröffentlicht wurde.

„Heute geht es überall um Zeit“, erklärt James Bromley, Managing Director von Mail Online. „Du musst der Erste sein, oder du verlierst deine Leser.“ Das solle zwar nicht, könne aber in seltenen Fällen auf Kosten der Richtigkeit von Nachrichten gehen. Im Fall Knox habe man einen Fehler gemacht, generell mache sich die Strategie aber bezahlt. Weil Mail Online häufig der erste Lieferant von Nachrichten sei, funktioniere die Seite so gut. Fehlinformation könnten im Internet schließlich im Nachhinein noch korrigiert werden.

Die Mail Online gibt es seit 2008, und sie hat einen starken Fokus auf Stars und Showbusiness. „Wir geben den Menschen das, was sie lesen wollen“, sagt Bromley. Insbesondere die Zahl US-amerikanischer Leser hat zuletzt zugenommen, wohl aufgrund verstärkter Berichterstattung über Promis aus den Vereinigten Staaten und ein breites Angebot im Sportjournalismus. Über die Mail Online sagte der britische Medienkolumnist Stephen Glover, der auch für „The Mail on Sunday“ schreibt, zur BBC: „Sie unterscheidet sich aufgrund ihrer Schwerpunkte deutlich von der Printversion. Das sind zwei verschiedene Produkte, auch wenn es viele Überschneidungen gibt.“


Lange Überschriften. Ein untypisches Merkmal der Mail Online sind ihre langen Überschriften, die häufig über mehrere Zeilen gehen. James Bromley erklärt das mit dem Versuch, einen Artikel anhand des Titels zusammenzufassen: „Wenn unser Leser nach der Überschrift noch überlegen muss, was genau wohl in der Story steht, wird er genervt. Das können wir uns nicht leisten, weil wir um seine Zeit kämpfen müssen. Sonst klickt er nämlich zu Facebook.“ Der Erfolg der Mail Online anhand der Daten von comScore ist allerdings nur teilweise mit jenem der „New York Times“ vergleichbar. Während die Mail Online ihre Inhalte kostenlos zur Verfügung stellt, müssen Leser der „New York Times“ auch online bezahlen, wenn sie mehr als 20Artikel im Monat lesen wollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2012)

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