Der „Shitstorm“ war der Anglizismus des Jahres 2011

14.02.2012 | 18:18 |   (Die Presse)

Vor allem durch seine Präsenz im Internet hat sich der Ausdruck „Shitstorm“ gegen „Occupy“, „Cloud“ und „circeln“ durchgesetzt.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Thomas Gottschalk wollte am Montag in seiner neuen Sendung wissen, wie man „Shitstorm“ ins Deutsche übersetzt. Hundert Postings („Stuhlgewitter“, „Angriff der Netzwutbürger“, „Verbaldiarrhö“) und eine Sendung später war klar: Es gibt kein deutsches Wort dafür. Deshalb, und weil es „eine Lücke im Deutschen schließt“, hat die Uni Hamburg den „Shitstorm“ zum Anglizismus des Jahres 2011 gewählt, weit vor den Worten „Occupy“, „Cloud“ (Datenwolke) und „circeln“ (hinzufügen bei Google+).

Schon seit den 1980ern bezeichnet das englische „shitstorm“ eine unangenehme Situation. Das englische „shit“ gilt als weniger vulgär als seine deutsche Entsprechung. Mit „shit“ oder „shite“ (Britisch, Irisch) kanzelt man etwas als unsinnig oder unnötig ab, „shit“ steht manchmal für Haschisch oder dient als Ausdruck der Begeisterung.

Im Deutschen kennt man den „Shitstorm“ erst seit Kurzem und nur als Fachbegriff für massiv auftretende Empörung im Web. Blogger Sascha Lobo verhalf dem Begriff bei einem Vortrag zum Durchbruch. Seither vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendwer am digitalen Dorfplatz ausgebuht wird. Zuletzt kamen ein CDU-Abgeordneter (für einen Web-feindlichen Kommentar), Journalismus-Ausbildner Wolf Schneider und Angela Merkels Sprecher Steffen Seibert (weil er nicht gegen das Copyright-Abkommen Acta ist) in ein solches Protestunwetter, das stets gleich abläuft: Es tritt sehr plötzlich auf, vermehrt sich rasant durch Verlinkungen in Blogs, auf Twitter oder Facebook und ist schnell vorbei, wenn die Netzgemeinde Dampf abgelassen hat. Im kollektiven Gedächtnis bleiben nur die knackigsten Beschimpfungen und Kränkungen, der „shit“ also. awa

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

1 Kommentare
Gast: Shitstormtrooper
23.02.2012 08:58
0 0

Umgekehrt wird ein Schuh draus

Im deutschen Sprachraum gibt es den "shitstorm" in Form des "Sturm der Entrüstung" schon ewig.... die Internetgemeinde war entrüstet ob der Vorhaben der Regierungen ACTA zu unterschreiben und der "Sturm der Entrüstung" ist losgebrochen. Im Gegensatz dazu mangelte es der englischen Sprache an einer adäquaten Entsprechung. Da gab es die in seiner Vehemenz keinesfalls vergleichbaren "outcry" oder "clamor". Der auch landläufige "storm of protest" ist zwar vergleichbar, ist aber in seiner metaphorischen Wirkung hoffnungslos unterlegen. Letzteres ist wohl auch der einzig rechtfertigbare Grund, einen einwandfreien deutschen Ausdruck via Reimport neu zu "erfinden".

Meinung

Jetzt Kultur-Newsletter abonnieren

Die Meldungen des Tages aus den Bereichen Kunst und Kultur. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

» Jetzt unter mehr als 6.000 Jobs
die perfekte Stelle finden.

AnmeldenAnmelden