„Danke für 500 Shows“, war am Ende der Folge zu lesen. „Wir bitten euch darum, erst einmal raus zu gehen und frische Luft zu schnappen, bevor ihr euch ins Internet einloggt, um über uns herzufallen.“ Seit 23 Jahren gibt es die gelbe Paradefamilie des Mittelstands, dieses satirische Negativbild des amerikanischen Traums nun schon, vergangenen Sonntag strahlte der konservative Sender „Fox“ die 500. Folge aus.
In „At Long Last Leave“ (in Anspielung auf Cole Porters „At Long Last Love“) haben sich die Einwohner Springfields gegen die Simpsons verschworen und vertreiben sie aus der Stadt („D'oh!“). Da hilft selbst Marges rührende Ansprache nichts: „Du lässt deine Familie in einem besseren Licht erscheinen“, sagt Bürgermeister Quimby „Du bist der schlimmste Simpson von allen!“ Also ziehen sie in die „Outlands“: „Ein toller Ort, um Drogen zu nehmen und auf Dinge zu schießen“. Dort treffen sie bald auf ihren Nachbarn Julian Assange, der im Garten Würstchen grillt. „Wie geht's, Mr. Assange?“, fragt Bart. „Das ist meine Privatsache, du hast kein Recht, das zu wissen.“ Assange spricht die Rolle selbst, den Text schrieb die befreundete australische Autorin Kathy Lette, um „dem Drehbuch ein wenig australische Ironie zu geben“. Assanges ehrenvoller Gastauftritt ist kurz: Kaum hat er seine drei Sätze gesagt, ist er auch schon wieder in seinem WikiLeaks-Bunker verschwunden.
Ein gelber Blair, ein versteckter Pynchon
Es ist nicht der erste prominente Gastauftritt bei den Simpsons. Neben Musikern wie den „Red Hot Chili Peppers“ und Johnny Cash haben sich auch Banksy und der medienscheue Thomas Pynchon (seine Figur trug ein Einkaufssackerl über dem Kopf) schon selbst gesprochen. Mit Tony Blair, der 2003 in einer Folge auftauchte, schaffte es sogar ein amtierender Regierungschef (und Simpsons-Fan) nach Springfield.
Die Serie ist die bekannteste und langlebigste der Welt, in den USA sehen sie jede Woche durchschnittlich 7,7 Millionen Menschen. Würde man sich in einem Serienmarathon alle bisher ausgestrahlten Folgen der Kultserie ansehen, man säße über 180 Stunden vor dem Fernseher. Und träfe auf Neologismen und Schlagwörter, die den Sprung aus der Serie in den englischen Sprachgebrauch geschafft haben. Homers verärgertes „D'oh“ etwa findet sich mittlerweile im englischen Oxford Wörterbuch, andere (erfundene) Worte und Phrasen wurden von Journalisten, Wissenschaftlern und Künstlern aufgegriffen und weiterverarbeitet. Als Platzwart Willi die Franzosen wenig schmeichelhaft als „käsefressende, sich ergebende Affen“ beschrieb, nutzten amerikanische Journalisten die Phrase, nachdem Frankreich eine militärische Unterstützung im Irak-Krieg 2003 abgelehnt hatte.
Am Ende der 500. Folge trudeln plötzlich immer mehr Springfieldianer im neuen Heimatort der Simpsons ein, sie alle sind auf der Suche nach einem besseren Leben. Springfield ist bald menschenleer, lediglich Schuldirektor Skinner wandert noch durch die einsamen Straßen, bis Bart ihn abholt. „We'll meet again“, schallt es einem entgegen, während Skinner, am Seil eines Helikopters hängend, kein Hindernis erspart bleibt. „It's nice to be wanted“, sagt er und fliegt in den Sonnenuntergang.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2012)
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