Initiative wehrt sich gegen ORF-Osterprogramm

Das ORF-Programm zu Ostern steht ganz im Zeichen des wichtigsten Fests der Christenheit – samt Gedenkminute zur "Todesstunde Jesu". Die Initiative "Religion ist Privatsache" geht dagegen vor.

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(c) AP (Ben Curtis)

Ganz im "Zeichen des wichtigsten Fests der Christenheit", wie es in einer ORF-Aussendung heißt, steht das ORF-Programm in der Karwoche und zu den Osterfeiertagen. Geplant sind unter anderem eine Live-Übertragung des katholischen Ostergottesdienstes aus Rom, das Historiendrama "Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen" und - wie jedes Jahr - eine Gedenkminute "zur Todesstunde Jesu" am Freitag um 15 Uhr in ORF 2. Die Initiative "Religion ist Privatsache", die sich für die Entflechtung von Staat und Religion einsetzt, beschwert sich darüber in einem Brief an ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, den sie nach einem Bericht des "Standard" auch online stellte.

Die Programmwahl sei nicht nachvollziehbar, heißt es in dem Schreiben. Die Fülle an Programmpunkten lasse eine "intensive und überwiegend bejahende Beschäftigung" mit dem Christentum anmuten. Vor allem die Gedenkminute hat den Unmut der Initiative auf sich gezogen. "Die 'Aussendung' einer ausschließlich religiös konnotierten Schweigeminute" stelle "einen unzulässigen Akt der expliziten weltanschaulichen Positionierung des ORF, als de facto staatlicher Rundfunk, dar. Diese landesweite Schweigeminute anlässlich eines religiösen Ereignisses besitzt nämlich keinen erkennbaren journalistischen, bildenden oder anderen nichtreligiösen Zweck und verstößt daher gegen die gebotene Trennung von Staat und Kirche."

Forderung: Schweigeminute streichen

Das ORF-Osterprogramm sei, so die Initiative, daher einseitig, nicht angemesssen und unsachlich. Sie forderte Wrabetz auf, diese "quasi-staatliche Schweigeminute" aus dem Programm zu streichen. Sollte sie stattfinden, werde man sich bei der Medienkontrollbehörde KommAustria beschweren. Der ORF hat bislang noch nicht reagiert.

Die Schweigeminute am Karfreitag ist ein Ritual, das sich im ORF bis in die 70er Jahre zurückverfolgen lässt, genaue Aufzeichnungen liegen allerdings nicht vor. Analog dazu gibt es - auch heuer - einige Schweigesekunden am Karfreitag in den ORF-Radios. Einzig FM4 nimmt nicht daran teil.

Werbebeschränkung zu Feiertagen

Kurioserweise sind auch die Werbemöglichkeiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks teilweise an den christlichen Glauben gekoppelt: An drei hohen katholischen Festtagen dürfen laut Paragraf 14 des ORF-Gesetzes (Stand: 2010) keine entsprechenden Sendezeiten vergeben werden. Betroffen sind Karfreitag, Allerheiligen und der 24. Dezember.

Einen Erfolg hat die Initiative "Religion ist Privatsache", bei der der pensionierte Physik-Universitätsprofessor Heinz Oberhummer federführend ist, bereits erzielt: Sie beschwerte sich gegen eine "Sprachregelung" des  ORF-Bundesländerkoordinators Robert Ziegler, der seine Mitarbeiter in einem Rundmail gebeten hatte, den Oslo-Attentäter Anders Breivik nicht als "christlichen Fundamentalisten" zu bezeichnen. Damit habe der ORF das Gesetz verletzt, entschied die KommAustria im Jänner.

(Red.)

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