Medienmanager Gerhard Zeiler, zuletzt bei RTL und in Kürze bei Time Warner, holt in einem Interview mit der "Kronen-Zeitung" (Sonntag-Ausgabe) erneut zum Rundumschlag gegen die heimische Politik und den ORF aus. So habe - mit Ausnahme der Bestellung von Fernsehdirektorin Kathrin Zechner - "alles, was seither", nach der ORF-Wahl im vergangenen Sommer, passiert ist, seine schlimmsten Befürchtungen übertroffen, erklärte Zeiler. Dass die SPÖ seine Wahl zum ORF-Chef verhindert habe, stimme so nicht. Im Gegenteil hätten viele in der Partei gesagt: "Gerhard, wir brauchen dich. Willst du es dir nicht überlegen?"
Zeiler verlässt in wenigen Tagen RTL und wechselt per 1. Mai zum amerikanischen Medienunternehmen Time Warner, wo er Präsident der Turner Broadcasting System International mit Sitz in London wird. Einen Wechsel zum ORF habe er sich zwar überlegt, dies aber nicht lange, "weil mich einige Gespräche dermaßen geschockt haben, dass mir klar, wurde, dass das nicht mein nächster Karriereschritt sein wird." Die Gespräche habe er mit Vertretern der Regierungsparteien geführt. Von einer "Enttäuschung" wollte Zeiler jedenfalls nicht sprechen. Angesprochen auf SPÖ-Chef Werner Faymann meinte er aber: "Ich bitte, das nicht kommentieren zu müssen."
Was danach im ORF passiert sei, habe aber seine schlimmsten Befürchtungen übertroffen. Auch habe der Sender nur "theoretisch" einen Chef, meinte Zeiler im Zusammenhang mit der gescheiterten Bestellung von Niko Pelinka zum Büroleiter von Generalsdirektor Alexander Wrabetz: "Es war gut, dass die Journalisten sich gewehrt haben, aber es muss schon auch einen Chef geben, der klare Entscheidungen trifft."
Über Spekulationen, er könnte in die österreichische Politik zurückkehren, muss Zeiler "wirklich schmunzeln". Sein derzeitiger Fokus liege jedenfalls auf dem neuen Job. Gänzlich ausschließen wolle er jedoch überhaupt nichts in seinem Leben.
Zeiler, selbst von 1997 bis 2002 Aufsichtsrat der Telekom Austria, erklärte zu den aktuellen Korruptionsvorwürfen: "Es erschreckt mich schon, wenn ich jetzt lese, mit welchen zum Teil absurd lächerlichen Methoden und Einladungen manche geglaubt haben, die Politik für sich günstig stimmen zu können." Dies sei ein Armutszeugnis für die handelnden Personen.
Der Medienmanager wird in seiner neuen Position zum Berufspendler, schließlich vertritt er über 130 Sender in mehr als 200 Ländern. Sein Hauptwohnsitz wird mit Mai aber Salzburg.
(APA)

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