Tiefe Gräben ziehen sich seit der Wiederbestellung von Alexander Wrabetz durch den ORF und trennen die Unternehmensführung von ihren Mitarbeitern. Und falls Wrabetz geglaubt haben sollte, die Sache sei mit seinem Rückzieher bei der Bestellung von Niko Pelinka bereinigt, hat er sich getäuscht: Seit Tagen tobt eine Schlammschlacht um die Neuorganisation der Technischen Direktion, der die Agenden der bisherigen Online-Direktion unterstellt werden, für die wiederum – nun als Hauptabteilungsleiter – der bisherige Online-Direktor Thomas Prantner zuständig ist.
Der Redakteursrat bereitet dagegen eine Beschwerde bei der Medienbehörde vor; damit würde er „unter dem Deckmantel vermeintlicher Mitwirkungsrechte einmal mehr einzelne Mitarbeiter und den ORF denunzieren“, schoss Wrabetz in einem APA-Statement scharf. Postwendend wurde der ORF-General von Zentralbetriebsrat Gerhard Moser darauf hingewiesen, dass „der Redakteursrat gesetzlich vorgeschriebene Rechte und Pflichten hat, von denen er in dieser Frage Gebrauch macht“.
„Rufschädigendes Verhalten“
Moser, der auch im Stiftungsrat sitzt, ermahnte darauf seine Ratskollegen Brigitte Kulovits-Rupp und Franz Medwenitsch, sie mögen „die Kirche im Dorf lassen“: Die (SP-nahe) Stiftungsrats-Vorsitzende und ihr (bürgerlicher) Stellvertreter hatten sich hinter Wrabetz gestellt und dem Redakteursrat „rufschädigendes Verhalten“ vorgeworfen. „Mit rechtlichen Schritten gegen das Haus geht der Redakteursrat zu weit“, ließen sie die APA in einem Statement wissen. Dass Kulovits-Rupp selbst vor wenigen Wochen – im Zuge der Diskussion um die Bestellung Pelinkas – gefordert hatte, man möge ORF-interne Querelen doch „tunlichst auch intern ausfechten“, scheint sie selbst ebenso vergessen zu haben, wie es die ORFler tunlichst ignorieren.
Fritz Wendl, als Vorsitzender des aufmüpfigen Redakteursrats Anführer des internen Widerstands, muss die Beschwerde spätestens Anfang kommender Woche bei der KommAustria einreichen, um keine Fristen zu versäumen. Nach Ansicht der Mitarbeiter sei „das Redakteursstatut nicht mehr vollziehbar“, wenn redaktionellen Mitarbeitern (Teletext, TV-Thek) der Technische Direktor „fachlich und disziplinär“ vorgesetzt ist, wie es in der internen Organisationsanweisung heißt. Dass Prantners Berufung schon am 23.Dezember 2011 verkündet wurde (zeitgleich mit jener von Niko Pelinka), „beweist, dass die Ausschreibung eine Farce ist“, kritisiert Wendl im Gespräch mit der „Presse“: Der Redakteursrat sei zur Bestellung weder gehört noch darüber informiert worden. Wrabetz habe Prantner offenbar „versorgen“ müssen.
Den Stiftungsräten attestiert Wendl, sie stünden mit dem ORF-Gesetz „auf Kriegsfuß“: „Unternehmensschädigend ist wohl das Verletzen des Gesetzes, nicht das Anrufen der für die Einhaltung des Gesetzes zuständigen Behörde.“ Der Redakteursrat sei „gesetzlich verpflichtet, bei Verstößen gegen das Redakteursstatut tätig zu werden“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2012)

Filmstarts der WocheDiamantenhandel mit Hader, Autorennen mit Vin Diesel
''The Great Gatsby''Vom Scheitern eines Spektakels
Inge Morath''Menschen'' in der Galerie Leica
Ballett im BerghainKlassischer Tanz erobert den besten Club Berlins