Wenn der "Tatort" idyllisch anfängt, dann weiß man: Das wird kein gutes Ende haben. Am Beginn seines letzten Falles badet der Undercover-Cop Cenk Batu mit seiner neu gefundenen Liebe Gloria (Anna Bederke) im Meer und wandert durch die steinige Landschaft von Lanzarote - ohne Worte. Die fallen erst, als Batus Handy klingelt und er zu einem neuen Fall in die Hansestadt zurückbeordert wird. Diesmal führt sein Einsatz den Hamburger Ermittler in die Bankwelt. Ein Geschäftsmann hat einen Killerin auf den Bundeskanzler (Kai Wiesinger) angesetzt, um aus den Börseturbulenzen nach dessen Tod Gewinn zu schlagen.
Aber nicht der Geschäftsmann, die Killerin ist Cenks Gegenspielerin: Corinna Harfouch spielt den "eiskalten Engel" Valerie, eine Frau mit "sensorischer Integrationsstörung", wie es ein Psychiater formuliert. Das macht sie zum auf faszinierende Weise berechnenden Profi - und zur liebesunfähigen Mutter für ihren heranwachsenden Sohn (Jonas Nay). Valerie entführt Cenks schwangere Freundin und droht, diese zu töten, wenn er den Mord nicht ausführt "Die Ballade von Cenk und Valerie" heißt der letzte Einsatz von Mehmet Kurtuluş, der nach sechs "Tatort"-Folgen nicht mehr wollte.
Hart und kalt ist Valerie ein ebenbürtiger Widersacher für den so kontrollierten Cop, der beim Fernsehpublikum im im Vergleich eher mäßig ankam. Das ist auch dem Konzept Undercover geschuldet: Batus viele Identitäten machen ein Wiederkennen schwer, er hat keine Ticks, in denen man sich wiedererkennt, keine Freunde oder Familie. Erst in der letzten Folge zeigt er sich menschlicher, man erhascht einen Blick auf den "richtigen" Cenk, der sich unter all den Fassaden der vorigen Fälle versteckt. Ein Verlorener, der auch im moralischen Dilemma nach dem richtigeren Ausweg sucht.
Regisseur und Autor Matthias Glasner hat beim Abschied Ermittlers ganze Arbeit geleistet: König Einsam Cenk Batu zeigt sich noch einmal in vollem Glanze, die Killerin und ihr Sohn sind so gefährlich wie bemitleidenswert, allesamt erscheinen als Getriebene in einer kalten Welt. Schade, die Folge nicht das Gleichgewicht hält. Denn die parallel erzählte Geschichte von den bösen Spielern an der Börse ist so flach, dass das Wort Klischee zum Euphemismus verkommt. Wem die Sympathie eines Boerne oder Thiel fehlen, dem verzeiht man solche Schwächen eben weniger leicht.
Was nach dem Undercover-Cop mit dem Vertrauensproblem kommt? Til Schweiger. Der löst im Herbst seinen ersten Fall in der Hansestadt.

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