21.05.2013 12:51 Merkliste 0

ORF: Streit um Bauauftrag für Notquartier

18.05.2012 | 17:17 |  von Gerhard Hofer (Die Presse)

Küniglberg. Der ORF lässt im Eiltempo ein Container-Dorf bauen. Ohne Ausschreibung, weil „Gefahr für Leib und Leben" besteht. Ein unterlegener Bieter blitzte mit seiner Beschwerde ab.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

[WIEN] Bis Juli muss der Auftrag erledigt sein. Dann sollen 300 Mitarbeiter des ORF ihre Büros verlassen und in ein Container-Dorf übersiedeln. Der Grund für diese Blitzaktion: Das 1974 errichtete Gebäude auf dem Küniglberg ist laut Ansicht eines Gutachters derart desolat, dass er die „Totalräumung des Hauptgebäudes am Küniglberg" für notwendig erachtet.

Wie dramatisch sich die Situation darstellt, geht aus einem Bescheid des Bundesvergabeamts vom 10. Mai hervor. Dieser liegt der „Presse" vor. Denn der ORF hatte es beim Auftrag zur Errichtung des Container-Dorfs so eilig, dass er keine öffentliche Ausschreibung machte. Drei Unternehmen wurden eingeladen, ein Angebot zu legen. Die Firma CONZEPT Container GmbH erhielt den Zuschlag. Sie wird um 2.632.597,22 Euro das Notquartier errichten.

Ganz reibungslos ging die Vergabe nicht über die Bühne. Denn die im niederösterreichischen Biedermannsdorf beheimatete K.E.M. Montage GmbH fühlte sich übergangen und beantragte einen Vergabestopp. Der Geschäftsführer des Unternehmens wollte zur Causa nicht Stellung nehmen, weil es sich um ein „laufendes Verfahren" handelt. Laut Bescheid hatte er im Zuge der Verhandlungen zwei Prozent Rabatt in Aussicht gestellt, falls der ORF 50 Prozent der Kaufsumme vorzeitig begleicht. In diesem Fall wäre K.E.M. Montage Billigstbieter gewesen. Die Auftragssumme hätte sich auf 2.632.511,34 Euro belaufen, wäre also um 85,88 Euro unter jenem Gebot gelegen, das letztlich den Zuschlag erhielt. Zur Überraschung des Unternehmens stufte der ORF den Rabatt als unzulässiges Alternativangebot ein und schied es aus.

Es blieb nicht die letzte Überraschung. Dass ein Antrag auf Erlassung einer einstweiligen Verfügung vom Bundesvergabeamt abgewiesen wird, kommt selten vor. „Eigentlich nur bei Gefahr für Leib und Leben", hieß es im Bundesvergabeamt auf Anfrage der „Presse". In 80 Prozent der Fälle wird die Vergabe gestoppt, damit durch einen Zuschlag keine unwiderruflichen Tatsachen gesetzt werden.

„Gefahr im Verzug" ist selten

In der jüngeren Vergangenheit sind vor allem zwei Fälle bekannt, in denen das Bundesvergabeamt ebenfalls mit „Gefahr im Verzug" argumentierte. Einmal ging es um den Ankauf eines Impfstoffs gegen Rotaviren, die zu gefährlichen Darmerkrankungen bei Kindern führen können. Das andere Mal um einen Bauauftrag der Asfinag: Nach den Terroranschlägen in London 2005 galt es die Wiener Uno-City zu schützen. Also musste im Kaisermühlen-Tunnel rasch ein Funknetz errichtet werden. Damals hatte ebenfalls Sicherheit gegenüber möglichen Vergabefehlern Vorrang.

Zurück auf den Küniglberg, wo am Freitagabend das Finale der Show „Dancing Stars" im nicht baufälligen Studio über die Bühne ging. Am Freitagnachmittag teilte der ORF der „Presse" schriftlich mit: „Eine Gefahr für Leib und Leben besteht aktuell nicht, das wurde auch vor dem Bundesvergabeamt nicht behauptet. Es sind jedoch laut den vorliegenden Gutachten bis Ende 2012 bestimmte Sanierungsmaßnahmen vorzunehmen um die gutachtlich festgestellten Gefahren zu beseitigen", heißt es aus dem Büro des Kaufmännischen Direktors Richard Grasl.

Im Bescheid des Bundesvergabeamts liest sich das etwas dramatischer: Laut dem Gutachten des St. Pöltner Zivilingenieurs Helmut C. Zieritz „seien erstmals im Dezember 2011 grobe statische Mängel am Hauptgebäude des Standorts Küniglberg festgestellt worden, die einer unverzüglichen und dringlichen Sanierung bedürfen." Und: „Deshalb müsse der Auftraggeber (der ORF, Anm. d. Red.) die Mitarbeiter bis Ende August 2012 absiedeln." Das Bundesvergabeamt folgte der Argumentation. Nicht jener des unterlegenen Anbieters, der dem ORF vorwirft, er habe „möglichst rasch die gegenständliche Beschaffung durchziehen wollen, und zwar - unter anderem offensichtlich zur Vermeidung des vergaberechtlichen Rechtsschutzes für die Bieter."

670 ORF-Mitarbeiter übersiedeln

„In den Bürocontainer am Küniglberg werden vorwiegend Abteilungen übersiedelt, die Zugang zu den dortigen Produktionsflächen benötigen, das sind rund 300 Mitarbeiter", heißt es im ORF. Weiteren 370 Mitarbeitern bleiben zwar Container, nicht aber Ersatzbüros erspart.

Der Auftrag für die Errichtung des Container-Dorfs wurde mittlerweile erteilt. Der abgeblitzte Bieter wird nun nicht nur Schadenersatzansprüche klären lassen, sondern auch die Frage, ob der ORF Aufträge direkt vergeben darf, oder ob er als öffentlicher Auftraggeber zu bewerten ist, der landes- oder gar EU-weit ausschreiben muss. „Der ORF sieht sich nicht als öffentlicher Auftraggeber im Sinne des Bundesvergabegesetzes", heißt es in dem Statement des ORF gegenüber der „Presse".

Längst geht es nicht nur um Risse im ORF-Gemäuer. Dass der ORF millionenschwere Aufträge freihändig, ohne Transparenz vergibt, stößt bei Experten auf Irritation. Zumal der Europäische Gerichtshof (EuGH) 2007 entschieden hat, dass der Bayrische Rundfunk sehr wohl ein öffentlicher Auftraggeber ist.

Rundfunkgebühren bilden eine öffentliche Finanzierung im Sinn des Vergaberechts, meint der EuGH.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19. Mai 2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

48 Kommentare
 
12

also bitte ...

..kreativ sind sie die herrn am küniglberg.. das muss man ihnen lassen.. gefahr für leib und leben um die ausschreibung zu umgehen .-)

0 0

Welcher Baumeister und welcher Architekt waren damals zuständig

für den sündteuren ORF-Prunkbau der jetzt schon lebensgefährlich kaputt ist?

Gast: Anrainer23
19.05.2012 15:59
1 2

Die hätten also schon vor Jahren mit dem Bau des neuen ORFs in ST Marx beginnen müssen.

Da hat wohl jemand solange verschlafen , bis alles zusammenbricht.

Gast: „Gefahr für Leib und Leben"
19.05.2012 13:39
4 0

„Gefahr für Leib und Leben"

besteht bei den orf-lern tatsächlich!
Aber
Nur
Wenn ihnen das Gehalt samt Nebengeräuschen
BAR ausbezahlt bekommen!
DA werden SIE (die ORF-Beamten) VON
GELD ERSCHLAGEN!
so schauts aus!

6 0

Küniglberg. Der ORF lässt im Eiltempo ein Container-Dorf bauen. Ohne Ausschreibung,

kommt einem doch sehr bekannt vor oder nicht ?!

Weiterhin werden befreundete Unternehmen bevorzugt, auch wenn die Kosten halt (leider) in die höhe schiessen da ja auch ein par Vergeber mitnaschen wollen und sogar dürfen !

Dafür sieht man nirgendwo einen Sachverständigen, wenn es um desolate Gemeindebauten geht !?


Was wir bräuchten

wäre ein Volksbegehren für eine "Politische Neutralisierung" des ORF. Der ORF wird vom den Steuerzahlern finanziert. Somit muss den Steuerzahlern das Recht zugestanden werden, diese "Politische Neutralisierung" auch durchzusetzen.

Die Privaten modernisieren längst.

In St. Marx entsteht ein Mega-Medienkomplex der Privaten. Soviel man hört übersiedelt Puls 4 schon im Sommer da hinaus (U-Bahn Linie 3).
Die Zukunft gehört langfristig auf jeden Fall den Privaten, weil der ORF am Tropf der Beiträge hängt, diese aber nicht ewig erhöht werden können.
Irgendwann werden die Zahler streiken.
Die ORF-Baracken sind für mich sowas wie ein Symbol für den Zustand des ORF.

Warum wohl? -

steht die Privatisierung dieses polit. Handlangervereins für keine Fraktion zur Debatte?

6 0

Re: Warum wohl? -

Es gab eine Initiative von Harald Vilimsky/FPÖ " weg mit den ORF-Zwangsgebühren und von BZÖ-Petzner eine Aussendung "Mehrheit der Österreicher für BZÖ-Forderung nach Privatisierung des ORF"

Beide Initiativen wurden nicht von den Medien unterstützt...

2 0

Re: Re: Warum wohl? -

weil von der unbequemen und zudem gefährlich nahen Opposition kommend, wird gegen jede Vernunft eben immer das weiterhin getan was man am besten kann; schmieren (siehe Akh und Co) !

Warum wohl?


Nicht nur das Gebäude

auf dem Küniglberg ist desolat, der ganze ORF ist es. Bei diesem Sender gehört die ganze Führung ausgetauscht. Als Zwangsgebührenzahler hat man das Recht auf eine politisch neutrale Information und auch auf eine Verbesserung des Angebots. Beides wird jedoch auch in Zukunft nicht der Fall sein, so lange die Politik ihre Einmischung nicht aufgibt und sich dort wie der "bestimmende Hausherr" benimmt. Wir brauchen keinen politischen Propagandasender, wir brauchen einen Sender, der unumwunden Fakten berichtet, die der Wahrheit entsprechen, auch wenn diese den Politkern nicht passen. Jene ORF-JournalistInnen, die sich gegen eine politische Bevormundung wehrten, sollen ihre Meinung auch weiterhin öffentlich kundtun. Sie werden Unterstützung in großen Teilen der Bevölkerung finden.

0 0

Re: Nicht nur das Gebäude

sondern besonders die Sendungen eines üppigst bezahlten Rundfunks sind derart desolat, das man sich eigentlich nur wundert warum es immer noch soviele Gebührenzahler gibt !

Vom Informationsgehalt will ich erst gar nicht schreiben, da dieser über Danzingsstar und aufgewärmt uralter Sendungen samt Soaps und Serien nie hinauskommt !


1 0

Re: Nicht nur das Gebäude

Pilatus - stimme voll zu! Habe noch bis vor ca 7 Jahren regelmäßig dort angerufen und schon förmlich um korrekte Berichterstattung gefleht.
Die Politik - im speziellen Rot/Schwarz - wird ihre Einmischung nicht freiwillig aufgeben!

Auch die SPÖ hat ihren Kapitalismus.

Das nennt sich sozialistischer Kapitalismus.

Traurig aber wahr. Ein Lachkabinett.

Das sich die Betroffenen und Beteiligten bei derartigen Aktionen nicht selbst dumm vorkommen das wird mir immer ein Rätsel bleiben. Es zeigt die Präpotenz Wir sind Wir mit der anderen Menschen begegnet wird.

Wer es immer noch nicht begriffen hat. Seit Jahrzehnten vom Bund bis zur Gemeinde von Bregenz bis Eisenstadt gibt es zwar gesetzliche Bestimmungen über öffentliche Ausschreibungen, aber tatsächlich wird zu 95% vor allem in höheren Lagen die Ausschreibung intern *geregelt* in dem die Bedingungen so gesetzt werden das der vorgesehene *Ausführende* den Zuschlag erhält. *Es gilt die Unschuldsvermutung*. Nach dem Motto von Lotto. ALLES IST MÖGLICH.

Heute muss ich noch über Pilz lachen. Der Erfolg seiner Aktionen war, er konnte lediglich 4 oder 5 Unternehmer zu Gericht bringen. Der Rest war Schweigen. Der Erfolg dieser Aktion? die Agierenden Personen sind jetzt schlauer geworden und haben besser vorgebeugt. Gegen was? In Zukunft nicht erwischt zu werden.

Wenn das so ist:


„Der ORF sieht sich nicht als öffentlicher Auftraggeber..."

Gut so: Demnach hat der ORF auch keinen Anspruch auf öffentliche Gelder, und die GIS keine Berechtigung, Gebühren einzuziehen.

Antworten Gast: freund?
19.05.2012 11:10
4 0

Re: Wenn das so ist:



nur logisch, fintofanto .

wenn man sich die gesamtsumme, die das werkel frißt, ansieht, könnte man dafür im bildungsbereich (im SINNVOLLEN, bitte !) , eine menge machen.

Gast: freund?
19.05.2012 10:28
6 0

ORF ABSCHAFFEN !



mises, abgekupfertes, programm samt linker meinungsmache für WAHNSINNIG viel geld, und das zwangsweise !

das KANN kein ding im interesse der österreicher sein .

Gast: oberlustiger
19.05.2012 10:23
2 0

und wer bestimmt im ORF

wieder unsere saubere regiereung. nix wird aufgedeckt. alles vertuscht. ich danke die italienische mafia wird nach österreich übersiedeln, denn die russen sind schon da.

Gast: hermann
19.05.2012 10:08
5 0

rorfunk

Zusperen denn rotfunk schaut eh keiner

9 0

Das Porpagandazentrum der Roten und Linken

Wird so wie alles andere gehandhabt unter der Decke !!!!
Wenn ein Bundeskanzler jahrelang auf Kosten der Steuerzahler seine Lieblingszeitung und deren Tochterblatt ungestraft subventionieren darf soll sich keiner über solche Kleinigkeiten wundern.
Einfach Pappen halten und zahlen,wie immer.

Gast: Argesauge
19.05.2012 09:18
7 0

selber schuld

wer denen noch freiwillig! Gebühren abliefert.

ORF unterliegt nicht dem BVG weil er ist ja eigentlich ein privates Unternehmen und bewährt sich alltäglich auf dem freien Markt, muss um seine Kunden kämpfen und bekommt nix vom Staat.

Auch steht er nicht im Eigentum des Staates, sondern der Parteien!

also darf er als Belohnung frei vergeben !

Das mit dem Gefahr in Verzug ist übrigens ein guter schmäh.

FREUNDERLSCHAFT.

Gast: Walter44
19.05.2012 08:13
9 0

So ewtas ist nur in einem "Staatsfunk" möglich

Zustände wie in Nordkorea, Kuba oder einmal in der DDR!

SPÖ+ÖVP versorgen im Proporz ihre Parteigünstlinge in einem "Staatsfunk". Diese Leute berichten dann dem Volk ihre "unabhängigen" Informationen. Um all diesen Luxus zu finanzieren gibt es Zwangsbeiträge.

Es ist sicherlich Zufall, nichts als Zufall, dass jene Firmen die hohe Parteispenden abliefern besonders "gut und billig arbeiten". .....

13 0

Im öffentlichen Interesse Zwangsgebühren einheben,

aber dann nicht der öffentlichen Auftragsvergabe unterliegen??? Zusperren statt sanieren wäre die besser Lösung.

0 0

Re: Im öffentlichen Interesse Zwangsgebühren einheben,

plöd sind all die, welche diese Gebühren bezahlen !

Ich kenne nicht wenige, welche seit 20 Jahren und länger nichts bezahlen obwohl einige sogar befreit werden würden, und keinem einzigen steht eine Klage ins Haus ;-)

ALso nicht aufregen sondern abmelden !

 
12