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Konrad: "Wenn die Geschichte nicht hält, fliegt ihr!"

13.06.2012 | 18:09 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Bei einem Mittagessen für Geschäftskunden erzählt der scheidende Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad, welche Konsequenzen heikle "Profil"-Titelgeschichten haben.

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Wien. Zunächst spielte Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad seine Macht herunter. Raiffeisen sei dezentral organisiert. Es gebe hunderte Raiffeisen-Genossenschaften und Banken, die autonom entscheiden, erzählte er am Mittwoch beim „Business Lunch“ der Raiffeisen Bank International. Entscheidungen fielen nicht im gläsernen Turm in Wien, sondern „in Mistelbach für Mistelbach und in Mürzzuschlag für Mürzzuschlag“.

Und auch als Miteigentümer von „Kurier“ und „Profil“ würde er sich nicht wirklich einmischen. Gefalle ihm ein „Profil“-Bericht nicht, mache er es wie jeder andere Leser auch. Er sage dann: „Wenn ihr weiter so schreibt, bestell ich es ab.“ Doch gleich danach berichtete Konrad lächelnd von zwei Episoden, aus denen sein Einfluss sehr wohl hervorgeht.

Zweimal habe es beim „Profil“ Vorfälle gegeben, bei denen Konrad einschritt. Einmal, als das Wochenmagazin die sexuellen Übergriffe des mittlerweile verstorbenen Kardinals Hans Hermann Groer aufdeckte. Noch bevor das „Profil“ am Montag erschienen war, sei er am Samstag in die Druckerei gefahren, um sich die Geschichte anzusehen. Dann habe er die drei Verantwortlichen angerufen. Zwei habe er nicht erreicht. Der Dritte sei im Auto unterwegs gewesen und in einen Graben gefahren, wobei sich Konrad später erkundigte, ob mit dem Schaden versicherungstechnisch alles in Ordnung gegangen sei. Er, so der Raiffeisen-Manager, habe den „Profil“-Verantwortlichen damals unmissverständlich klargemacht: „Wenn die Geschichte nicht hält, fliegt ihr – alle drei. Da könnt's ihr mit mir prozessieren, was ihr wollt.“ Die Story hat gehalten und den „Profil“-Leuten ist nichts passiert.

Etwas anders ging die Sache aus, als das Magazin eine Coverstory mit dem Titel „Der nackte Kanzler“ brachte. Auf der ersten Seite war eine Fotomontage mit einem nackten Franz Vranitzky zu sehen. Er, so schilderte Konrad, habe noch am Sonntag den Kanzler angerufen und sich als Eigentümervertreter entschuldigt. Beim „Profil“ habe es deswegen Konsequenzen gegeben. Welche, verriet Konrad nicht.

Wie wichtig für Raiffeisen Medien sind, wurde beim „Business Lunch“ deutlich, bei dem „Kurier“-Chefredakteur Helmut Brandstätter neben Konrad und anderen Raiffeisen-Granden saß – wie Ex-Finanzminister Josef Pröll und Raiffeisen-Bank-International-Chef Herbert Stepic.

Keine Abschiedsfeier für Konrad

Am 25. Juni wird Konrad seine Funktion als Raiffeisen-Generalanwalt an RZB-Chef Walter Rothensteiner übergeben. Konrad wünscht sich einen leisen Abschied. Ein Fest ist nicht geplant. Der „Business Lunch“, bei dem offiziell über das Thema „Haben Genossenschaften Zukunft?“ diskutiert wurde, ist Konrads einziger öffentlicher Auftritt. Politiker seien dazu bewusst nicht eingeladen worden, heißt es.

Konrad erzählte vor 250 Gästen, dass er oft von ÖVP-Vertretern gefragt wurde, ob er in die Politik gehen wolle. Seine Antwort lautete: „Wenn ich euch helfen soll, kann ich das viel besser von außen.“ Der Manager arbeitete 43 Jahre für Raiffeisen. Wie er sein Netzwerk aufgebaut habe? „Ich bin natürlich vielen Menschen begegnet, ich war ja nie eingesperrt.“

Konrad hat seine Jobs auf zwei Personen aufgeteilt. Für die Holding mit den Industriekonzernen (740 Beteiligungen mit 165.000 Mitarbeitern) ist Erwin Hameseder zuständig. Rothensteiner wird sich vorwiegend um die Finanzbeteiligungen kümmern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2012)

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11 Kommentare
Gast: Die bestens durchorganisierte Mafia von der grünen Wiese...
15.06.2012 05:26
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es gilt die unschuldsvermutung


Gast: jn4910
14.06.2012 18:39
0 0

Pressefreiheit

Was kann man noch lesen wenn Raiffeisen bestimmt wer wegen welchem Artikel fliegt ?

Antworten Gast: Viktor J.
15.06.2012 10:59
0 0

Re: Pressefreiheit

na,na,na net frech werden, artikel übern musi- stadl, über die schöne bierzeltrede vom besten landeshauptmann aller zeiten u. über die einweihung vom neuen feuerwehrauto kann man lesen !! brauchns leicht mehr oder was,was würdens sonst noch gern lessen bzw. wissen,wollns unruhe stiften ??

Gast: ökono-mist
14.06.2012 16:01
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Sehr weise:


In Zeiten wie diesen (bewußt) Politiker einzuladen - das wäre ja wohl auch eine besonders naive Form der Selbstbeschädigung gewesen...

Gast: Gibelgekreuzter
14.06.2012 14:24
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Konrad hat solide gearbeitet

Man kann ja denken und reden wie man will, aber Konrad hat solide gearbeitet und hat sich bei dubiosen Geschäften herausgehalten; nun kann auch beruhigt in Pension gehen

Antworten Gast: xxxx
14.06.2012 17:49
0 0

Re: Konrad hat solide gearbeitet

Er hat solide ca. 90 % aus der landwirtschaftlichen Förderung für Raifscheisen lukriert.
Und trotzdem hat er das Monopol nicht nutzen können.

Gast: gast45
14.06.2012 14:08
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interessant ...

da erhebt sich jetzt die frage welche herren und damen die zeitung von morgen schon heute erhalten, und vorher noch "änderungswünsche" äussern können ?

Gast: Wächter der Demokratie
14.06.2012 13:01
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Beklemmende Story !!

jedem demokraten bzw. verfechter der freien medien u. der freien wirtschaft muss wohl übel werden wenn er/sie dieses hier liest !! es ist nur zu hoffen dass man von dieser figur keinen antidemokratischen einfluss mehr fürchten muss u. dass raiffeisen gesamt "schön langsam" im zeitalter von 2O12 ankommt u. ihr genossenschaftliches kolchosendenken/verhalten aufgibt(denn das wird sonst teuer für den steuerzahler/nettozahler),denn wirtschaftlich hat sich schon gezeigt --> das ablaufdatum ist überschritten,das modell ist ausgelaufen überleben ist nur mehr durch politische intervention möglich !! ps: trotzdem es bleibt mir echt ein rätsel warum sich ganze branchen(medien,agrar,lebensmittel,einzelhandel usw.) das alles haben bieten lassen über die jahre hinweg,oder sind "wir" schon so weit entfernt von einer westlichen demokratie,schaut euch alle einmal genau um !!!

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Profil

Und das wohl dümmlichste Cover der österreichischen Mediengeschichte hat dem sozialpartnerschaftlichen Packler Konrad wohl nur ein zufriedenes Grinsen aufs Gesicht gezaubert?

Zur Erinnerung: http://www.helge.at/2008/10/sieg-heil-am-cover-vorlaeufiger-tiefpunkt-des-nachrichtenmagazins-profil/

Ist mir aber eigentlich egal wie und ob Konrad bei Profil interveniert. Denn ich gebe für den politischen Sudeljournalismus ala Profil schon lange kein Geld mehr aus.

heikle "Profil"-Titelgeschichten

Ich werde sofort News und Profil abbestellen.

Einer der Totengräber dieses Staates ...

... gibt "offiziell" Macht ab...

Ich weiß nicht, man sagt doch "es kommt nichts besseres nach!"

Na dann - Gute Nacht Österreich!