Auf „Wirtschaftsblatt“-Chef Hans Gasser kommen in seiner Funktion als Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) im Herbst schwere Verhandlungen zu: Er will bei den Gesprächen um die Reform der Presseförderung gleich eine Verfünffachung auf 50 Millionen Euro fordern. Das kündigte Gasser sowohl bei der Generalversammlung der Verleger am Vormittag als auch beim traditionellen VÖZ-Heurigen in Grinzing an, bei dem er bei Vizekanzler Michael Spindelegger, den Klubobmännern Karlheinz Kopf (VP) und Josef Cap (SP) sowie den Generalsekretären Hannes Rauch (VP) und Laura Rudas (SP) Gehör suchte.
Gassers Argumentation: Die derzeit ausbezahlte Förderung für Printmedien in der Höhe von jährlich 10,8 Millionen Euro stehe in keinem Verhältnis zu dem, was der ORF bekomme (600 Millionen Euro Gebühreneinnahmen pro Jahr, die heuer um 20 Millionen erhöht wurden) bzw. zum Volumen der Regierungsinserate (120 Millionen), von denen vor allem die Boulevardmedien profitieren. Der VÖZ fordert daher: Von der neuen Presseförderung sollten kleine, regionale Medien ebenso etwas abbekommen wie die Marktführer, es sollten gedruckte und digitale Nachrichteninhalte unterstützt werden, und es sollte eine Qualitäts- sowie eine Journalismusförderung geben. Vom am 1.Juli in Kraft tretenden Medientransparenzgesetz, das regierungsnahe Unternehmen und Organisationen zur Offenlegung von Inseratenaufträgen und Medienkooperationen verpflichtet und kommende Woche im Ministerrat behandelt wird, erwartet sich Gasser, dass es „das Vertrauen in die Unabhängigkeit unserer Medien nachhaltig stärken“ kann.
Verleger wollen „Paketlösung“ für Online
Weiterhin ein Thema bleibt für den VÖZ die Frage, was der ORF online darf und was nicht. Er will verhindern, dass das Facbook-Verbot für den Öffentlich-Rechtlichen im Zuge der Novellierung des ORF-Gesetzes aufgeweicht wird. „Es darf zu keiner Lockerung kommen, welche die Schranken am Onlinemarkt für den ORF völlig niederreißt“, meint VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger. Er fordert eine „Paketlösung“ für den Onlinemarkt, an der auch die Verleger beteiligt sind.
Gasser wurde bei der Generalversammlung am Donnerstag als VÖZ-Präsident wiedergewählt. Oscar Bronner („Standard“), Max Dasch („Salzburger Nachrichten“) und Harald Knabl („Niederösterreichische Nachrichten“) wurden als Vizepräsidenten im Amt bestätigt. Neu in dieser Runde ist Eugen A. Russ („Vorarlberger Nachrichten“). i.w-
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2012)

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