Stefan Raab

10.11.2012 | 18:26 |  Norbert Mayer (Die Presse)

Talkshow-Moderator Stefan Raab macht ab heute im deutschen Privat-TV eine politische Sendung: Absolute Mehrheit. Der ersten Folge mangelt es an Prominenz. Macht nichts!

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Für einen Rabauken des totalen TV ist das wohl normal: Die Premiere vom neuen Format des für seinen brachialen Humor bekannten Fernseh-Entertainers Stefan Raab auf Pro7 ist noch gar nicht gelaufen, schon gibt es Krach. Von Schmierentheater war am Samstag zusammenfassend im Massenblatt Bilddie Rede, die Elite in Berlin soll sich verstimmt gezeigt haben. Kolportiert wurde die Ausladung eines Grünen-Politikers auf Wunsch eines CDU-Ministers. Darauf sagte auch dieser kurzfristig ab.

Die Riege der Diskutanten sah bereits zuvor eher nach Reservebank aus. Nicht einmal die einst radikale rote Hoffnung Andrea Nahles wollte offenbar kommen. Wer aber möchte schon Thomas Oppermann (SPD), Wolfgang Kubicki (FDP), Jan van Akten (Die Linke), eine Start-up-Unternehmerin und schließlich doch auch noch den fünften Vize-Fraktionsvorsitzenden der Union über Energiewende, soziale Netzwerke und Steuergerechtigkeit diskutieren sehen, während am selben Abend auf ARD Günther Jauch Granaten wie Ursula van der Leyen und Oskar Lafontaine zu Gast hat? Das Thema im Ersten: „Was verdient Deutschland? Der Streit um einen gerechten Lohn.“

Und dennoch: Deutschland verdient den Raab. Ihm wird vom Mediator diesmal eindeutig der Vorzug vor Jauch gegeben – sogar vor der ORF-Sendung Im Zentrum, die bei allen von persönlichen Standpunkten unabhängigen Parteifunktionären so beliebt ist. Denn Raabs Konzept hat Charme. Gewinnen wird bei ihm nicht der Redner, der alle zum Einschlafen bringt, sondern der mit der größten Überzeugungskraft. Die Show konzentriert sich nämlich auf das Wesentliche in der Politik: Es geht bei Absolute Mehrheit am Ende nur um die Marie.


100.000 Euro Erfolgsprämie. Die fünf politischen Profis müssen pointiert zu Sachthemen ihre Meinung vertreten, die Zuseher dürfen dann postwendend zwei Diskutanten abwählen, ehe es bei den drei Finalisten ums Eingemachte geht. 100.000 brutto kann der verdienen, der am Ende eine absolute Mehrheit erhält. Wird die verfehlt, kommt das Geld bis zum nächsten Mal in den Pott. Die Damen und Herren werden sich also garantiert anstrengen.

Es wundert uns hier eigentlich, dass sich Peer Steinbrück nicht gemeldet hat, der Spitzenrhetoriker der SPD. Dessen Redezeit kann man angeblich sogar um weniger als 100.000 Euro mieten, wenn er karitativ gestimmt ist. Aber die Spitzenpolitiker hatten offenbar noch Schwellenangst, als es darum ging, den TV-Zirkus zu besuchen, um sich beim Raab zu schlagen. Die Zurückhaltung wird sich legen, wenn nicht nur die Kohle, sondern auch die Quote stimmt. Noch ist der Erfolg nicht garantiert. Fix scheint nur, dass Raab die Gäste nicht schonen wird. Er kennt nicht einmal Selbstmitleid.

norbert.mayer@diepresse.com

diepresse.com/mediator

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2012)

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