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Schlechte Woche für Qualitätszeitungen in Europa

17.11.2012 | 18:11 |  von Norbert Mayer (Die Presse)

Die arme "Frankfurter Rundschau" ist insolvent. Und beim spanischen Flaggschiff "ElPaís" wird es ernst mit Massenentlassungen.

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Glaubt man der neuesten Ausgabe des Fachblattes „Der österreichische Journalist“, kommen auf die wenigen österreichischen Tageszeitungen mit gehobenem Niveau harte Tage zu. Verleger reagieren auf anhaltende Rückgänge im Anzeigengeschäft mit rigorosen Sparmaßnahmen, auch in diesem Haus. Als mahnendes Beispiel wird gerne auf die Situation in den USA hingewiesen, wo das Zeitungssterben seit Jahren bedrohliche Ausmaße erreicht hat. Die Untergangsszenarien muss man gar nicht mehr jenseits des Atlantiks suchen, wo ganze Großstädte keine lokale Zeitung mehr haben. Auch in Europa bricht aus unterschiedlichen Gründen (nicht nur wegen Online und Gratiskultur) vieles weg – in Frankreich, sogar in der Schweiz. Allein in Spanien sind seit der Krise von 2008 Dutzende Blätter verschwunden. 8000 Journalisten haben dabei ihre Jobs verloren.

Auch bei der bisher profitablen, bedeutendsten spanischen Tageszeitung wird jetzt tatsächlich Ernst gemacht mit drastischen Kürzungen: „El País“, seit 1976 ein Flaggschiff der jungen Demokratie auf der iberischen Halbinsel, plant Massenentlassungen in der Redaktion. Dass nicht, wie im Vormonat angekündigt und hier berichtet, 149, sondern „nur“ 129 Kollegen gehen müssen, ist ein schwacher Trost. Ursache der Krise ist, dass Manager des Konzerns in anderen Sparten (TV, Fußball) heftig spekuliert und fast fünf Mrd. Euro Verlust gemacht haben. Ein Drittel weniger Redakteure wird bei dem Weltblatt, das noch immer 335.000 Exemplare pro Auflage druckt, an die Substanz gehen, dazu muss man kein Prophet sein.


Kleineres Format als Flop. Voll erwischt hat es diese Woche die „Frankfurter Rundschau“, einst Sprachrohr der Linken, die ab 1973 einer Stiftung, ab 2004 zum Großteil einer Holding der SPD und seit 2006 zur Hälfte (plus eine Aktie) dem Verlagshaus DuMont Schauberg gehörte. Geschätzte 136 Millionen Euro wurden seither investiert. Es half nichts. Die „FR“, die mit dem früheren Image der braven Gewerkschaftszeitung zu kämpfen hatte, musste Insolvenz anmelden. Zuvor war mit der Tageszeitung kühn experimentiert worden. Man stellte auf ein kleineres Format um, fusionierte schrittweise mit der „Berliner Zeitung“, sparte, wo es nur ging und dann auch noch, wo es nicht mehr ging. Innerhalb von drei Jahren entließ man die Hälfte der Mitarbeiter. Fast so schnell ging es mit den Abonnements bergab. Zuletzt waren es nur noch 64.000.

norbert.mayer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2012)

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