Volksbefragung

19.01.2013 | 18:38 |  von Norbert Mayer (Die Presse)

Der Sonntag der Volksbefragung laut „Krone“-Wetter: „Über den Niederungen hält sich häufig kompakter Hochnebel, der kaum Auflockerungen zulässt.“ Ideale Bedingungen für einen Boykott.

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Heute also werden wir einfachen Leute ankreuzen, ob wir für die Einführung eines „Berufsheeres“, für die Beibehaltung der „allgemeinen“ Wehrpflicht oder für gar nichts sind. „Warum diese ständigen allgemeinen Wiederholungen?“, frage ich mich irritiert. Wurde das Volk nicht schon vor mehr als zwei Jahren genau zu diesem Thema befragt? Im Herbst 2010 ging Volkes Stimme, das Kampfblatt „Kronen Zeitung“, in sich und informierte seine Völker in einer ausgedehnten Kampagne darüber, dass diese immerwährende Wehrpflicht pfui sei.

Ja, und damit dieses Dekret auch anständig demokratisch legitimiert werde, gab es Anfang Oktober 2010 sogar eine repräsentative Volksbefragung. Der erste Bürger des Landes und der SPÖ, Michael Häupl, dem im immer gleichen Wiener Wahlkampf anscheinend fad war, wurde von einem Ordonnanzoffizier der „Krone“ verhört, wie er es denn so mit dem Bundesheer halte. „Pfui!“, sprach das Volk, also der Bürgermeister, er sei sehr persönlich gegen die Wehrpflicht.

Überraschend schnell haben Häupls Unteroffiziere in der Bundespartei und -regierung salutiert: „Zu Befehl!“, hieß es schneidig und professionell selbst von Zivilisten wie Darabos und Faymann. Die Sache ist also gelaufen, oder? Die ÖVP war doch traditionell mindestens seit 1934 häufig für ein scharfes Berufsheer, das anständig seine Heimwehrpflicht tut. Wie schätzt also die „Krone“ die Lage heute ein, wenn vom Restvolk eine zweite Meinung eingeholt wird?

Am Samstag gab der Generalstab in der Muthgasse 2 folgenden Tagesbefehl aus: „Hochspannung vor Volksbefragung“, titelte das Blatt, das sich strategisch bestens vorbereitet hatte und sogar klimatische Einflüsse berechnete: „Wetter und Beteiligung könnten entscheidend sein“, weiß die „Krone“, die auf breiter Front mobilisiert: „Die Schlacht ums Heer: Spannend bis zuletzt!“, heißt es auf Seite 2 und 3. Auffällig auf dieser Doppelseite: Es kommen nur wehrfähige Frauen zu Wort. Doris Vettermann berichtet von der politischen Front und lässt Professionelle wie den Kanzler, den Sozialminister und den alten Recken Karl Blecha den effizienten Schutzbund Berufsheer verteidigen.

Flankiert wird dieser objektive Lagebericht aus der Löwelstraße links unten von einem Appell der Berufsarmee-Chefin der Grünen: „Gegen den Zwangsdienst stimmen“, befiehlt Eva Glawischnig. Die rechte Flanke decken ebenfalls Mütter ab: „Frauen-fuer-ein-Berufsheer.at“ wirbt sowohl per Inserat als auch im Bericht daneben dafür, dass ihren Söhnen nicht „sechs Monate Lebenszeit gestohlen werden“.

Wer traut sich da noch ja zu A sagen, wenn Kolumnisten wie Seinitz und Swoboda skeptisch wegen der ÖVP und rührselig wegen der Großtante sind, wenn Legionen Leser wie Großvater Adolf Gröger denken, der in einem Brief an Junge meint: „Wehrpflicht, nein!“ Die „Krone“ hat auf drei Seiten auch noch Promis befragt: 14 nette Leute sind fürs Profi-Heer, fünf Laien für die Wehrpflicht, Niki Lauda und Kristina Sprenger empfehlen Boykott.

Und wie wird das Wetter diesen Sonntag laut Boulevard? „Morgen meist trüb.“

norbert.mayer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2013)

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