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Der Mediator

26.01.2013 | 20:29 |  von Norbert Mayer (Die Presse)

Von wegen soziale Netzwerke: Die Teilnahme an Internet-Diensten wie Facebook kann das Gefühlsleben ganz schön schlecht beeinflussen – behaupten zumindest Forscher aus der BRD.

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Von Facebook, das im vergangenen Sommer mit mehr als einer Milliarde regelmäßiger Nutzer geprahlt hat, habe ich mich früh getrennt. Es war zu mühsam, ständig darüber nachzudenken, ob Bilder, Sätze, Sachverhalte das ultimative „Like“ verdienen. Mit dieser Verweigerung liege ich, wie eben aus einer Studie zu erfahren war, voll im Trend: kein positiver „Button“ für dieses soziale Netzwerk laut Wissenschaftlern der Humboldt-Universität in Berlin und der TU in Darmstadt. Die Nutzung von Facebook mache viele unzufrieden, schreiben die Wirtschaftsinformatiker Hanna Krasnova, Helena Wenninger, Thomas Widjaja und Peter Buxmann.

36,9 Prozent von 584 befragten „Usern“ empfanden beim Facebook-Surfen und vor allem auch danach negative Gefühle. Der wichtigste Grund dafür: Neid auf die virtuellen Freunde, die so viele angebliche Erfolge vorweisen können. Besonders passive Nutzer, die persönlich wenig einbringen, empfinden das Durchklicken als schmerzvoll.

Habe ich es doch geahnt! Zwar bin ich inzwischen bei Twitter angemeldet, weil ich neidisch wissen wollte, was der flinke Armin Wolf vom ORF und mein alerter Bruder Thomas Mayer von der direkten Konkurrenz dort im Netz den ganzen Tag treiben, aber weil ich noch keine Zeit gefunden habe, die Spielregeln zu lernen, also noch nicht weiß, was dieser in die Mode gekommene Dienst an sich soll, bin ich in dem glücklichen Stadium, dass ich im Internet derzeit gar nicht sozial sein muss. Bei der fortschrittlichen BBC wäre das wahrscheinlich sogar ein Kündigungsgrund. Mir aber reicht einstweilen der gute alte Mail-Verkehr, und ich beantworte auch fleißig fast alle Leserbriefe – oft freundlich, manchmal sogar mit „Dislike“.


Spirale der Missgunst. Gegen den Blues hilft echten Facebook-Junkies offenbar nur eines: Sie müssen aktiv werden, sich selbst auf ihrer Plattform als großartig darstellen. Damit lösen sie aber eine regelrechte Neid-Spirale aus. Am besten eignen sich zum schamlosen Angeben angeblich Reiseberichte. Ob das auch für Twitter, meinen persönlichen Favoriten Google+ oder das rekonvaleszente MySpace gilt, habe ich noch nicht herausgefunden. Leser der „Presse am Sonntag“ sind natürlich über jeden Verdacht auf Neid erhaben, aber nur zu Ihrer Information: Demnächst reise ich nach Oxford, um Autoren zu treffen, die ich bisher nur aus Büchern kenne. Ob mir das gefallen haben wird? Bleiben Sie dran.

norbert.mayer@diepresse.com diepresse.com/mediator

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2013)

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