Sie sind stark, sie sind weiblich, und sie haben ein ehrgeiziges Ziel: Die deutschen Journalistinnen, die sich vor einem Jahr zum Verein „Pro Quote“ zusammengeschlossen haben, wollen durch medialen Druck erreichen, dass bis 2017 mindestens 30 Prozent der Führungskräfte auf allen Ebenen ihrer Branche – in Print, Online, TV, Radio – Frauen sind. Dazu wurden landesweit (überwiegend männliche) Entscheidungsträger per höflichem Brief aufgefordert. Anfangs hatten 350 Journalistinnen die Initiative unterstützt, inzwischen sind es mehr als 4000.
Was macht das Patriarchat? Ein Viertel der Chefs reagierte. Der mit der mutigsten Antwort sollte dieses Wochenende bei einer Party in Hamburg einen Preis bekommen, den „Goldenen Hahn im Korb“. Für besondere Feigheit war ein „Hasenherz“ zu verleihen. Die erste Zeugnisverteilung gab es bereits zuvor. Schlechte Nachrichten für Frankfurt am Main und München: Die Qualitätsblätter dort kriegen ein Nicht genügend. Sowohl die „Süddeutsche Zeitung“ als auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ wollen die Frauenfrage offenbar aussitzen, vermutet Vereinsvorsitzende Annette Bruhns. Bei beiden Blättern liegt die Quote bei zirka neun Prozent. Da sind die großen Springer-Produkte „Die Welt“ (20 %) und „Bild“ (16,7 %) sowie das Magazin „Der Spiegel“ (19,4 %) vergleichsweise brav. Sein Rivale „Focus“ überrascht mit 25 Prozent.
Chefinnen in Berlin. Zu den Vorzugsschülerinnen gehören die Wochenschrift „Die Zeit“ (30,4 %), die ihre Frauenquote bereits heute erfüllt. Sie ist derzeit erfreulicherweise das Qualitätsblatt mit den größten Zuwächsen an Umsatz. Noch besser haben sich in der Frauenquote die „Berliner Zeitung“ (40 %) und die alternative „Tageszeitung“ (50 %) entwickelt. Dort gibt es auch Chefredakteurinnen, die in ihrem Führungsteam stark auf Frauen setzen.
Viel Arbeit steht „Pro Quote“ noch im politischen Journalismus bevor. Ein höflicher Brief an die Bundeskanzlerin wäre wohl nötig. In dieser Legislaturperiode wurde CDU-Chefin Angela Merkel von 206 Männern interviewt, aber nur von 21 Frauen. Bis 2017 sollte das noch zu korrigieren sein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2013)
Filmstarts der WocheMysteriöse Millionäre, Tanzende Teufel
''The Great Gatsby''Vom Scheitern eines Spektakels
Inge Morath''Menschen'' in der Galerie Leica
Ballett im BerghainKlassischer Tanz erobert den besten Club Berlins