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Hysterische Wall Street

04.02.2012 | 18:23 |  von Norbert Mayer (Die Presse)

Facebook geht an die Börse. Die Wall Street wird hysterisch. Bis zu 100 Milliarden Dollar Firmenwert für ein bisschen Freundschaftsquatsch im Netz? Zurückhaltung scheint vernünftig.

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Der Hype um Facebook, die modische US-Firma für Social Media,hat diese Woche sogar Österreich am Rande betroffen. Dem ORF wurde von der Medienbehörde KommAustria verboten, auf seinen Internetseiten derartige soziale Netzwerke anzubieten.Facebook wird den Rückschlag wahrscheinlich verkraften. Am Mittwoch hat das Unternehmen bei der Behörde SEC seine Unterlagen für den Börsengang im Frühjahr eingereicht und ein wenig Offenlegung betrieben. Die Zahlen sind atemberaubend.

Damit sind nicht die fünf Milliarden Dollar gemeint, die man mit diesem Lockangebot erzielen will, sondern die Spekulationen über den Firmenwert und die Erwartungen, die in das Wachstum dieser Branche gesetzt werden. 75 bis 100 Milliarden Dollar soll der Laden wert sein, der vor sieben Jahren von Mark Zuckerberg und (inzwischen zum Teil ausgebooteten) Kollegen in einer Studentenbude in Harvard erfunden wurde. Zum Vergleich: Microsoft wird derzeit mit 250 Mrd., Apple mit 450 Mrd. Dollar bewertet. Das Prinzip des Geschäfts: Man verschickt Bildchen oder Texte im Netz, lässt sie bewerten, quatscht ein wenig, sucht Freunde. Geld wird durch Werbung gemacht, die dieses Verhalten anlockt.

Und es ist wirklich weit verbreitet. 845 Millionen Menschen weltweit nutzen derzeit Facebook, mehr als die Hälfte davon jeden Tag. Der durchschnittliche User hat 130 Freunde. Nur in der Volksrepublik China, die den Dienst blockiert, in Russland und Lettland ist er noch nicht dominant, sonst herrscht er weltweit bis auf minimale Ausnahmen. Was macht Facebook so attraktiv? Die Werbebranche liebt es, weil Zuckerberg es versteht, aus den Kunden immens viele, auch vertrauliche Daten rauszuholen. Die fallen immer ab, wenn man schreibt, liest, Videos schaut, Musik hört, und werden gespeichert. Allein die Betätigung von „Like“ ist der totale Striptease vor der Wirtschaft, ein ideales Käuferprofil.

Mit Werbung macht Facebook inzwischen satte Gewinne: Im Vorjahr war es eine Mrd. Dollar, bei einem Umsatz von 3,7 Mrd. Das ist noch gering im Vergleich zu Apple (eine Mrd. Gewinn pro Woche!) und rechtfertigt nicht einen hundertfachen Wert des Unternehmens, aber die Profitrate steigt rasant. Vor allem die Smartphone-Variante scheint lukrativ. Außerdem lassen sich mit dem neuen Gadget Timeline die Menschen noch besser im Detail verfolgen. Wer mit wem über was ist kein Geheimnis mehr. Würde die CIA derart ungezügelt Daten über Bürger sammeln, es gäbe längst einen Untersuchungsausschuss.

Soll man also Facebook-Aktien kaufen? „The Economist“, der die Vorgänge am Freitag ausführlich analysierte, rät zur Vorsicht. Sicher scheint nur, dass die „Millionerds“ in der Firma (70% der Anteile) und bisherige Investoren reich werden. Allein Zuckerberg besitzt mehr als 28% von Facebook. Die Anteile könnten demnächst 20, 40, 60 Milliarden Dollar wert sein. Oder eben Peanuts. Like? Das ist bisher noch reine Spekulation.

norbert.mayer@diepresse.com
Diepresse.com/MEDIATOR

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.02.2012)

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1 Kommentare
Gast: Jennifer Nussbaumer
15.04.2012 15:55
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Hysterische Wall Street



Sehr geehrter Herr Mayer!
In Ihrem Kommentar "Hysterische Wall Street" zum Börsengang von Facebook informieren Sie die Leser über den möglichen Wert der Aktien, raten aber kein Kauf zur Vorsicht.
Wenn man bedenkt, dass Zuckerberg Facebook habjährlich aktualisiert, sich laufend neue Märkte eröffnen und die Werbeeinnahmen in Zukunft sicherlich zulegen werden, meine ich, dass auch die Aktien in den nächsten Jahren an Wert gewinnen werden. Nicht zu unterschätzen ist der Fun-Faktor für den leidenschaftlichen Facebook-User. Immer neue Anwendungsmöglichkeiten vergrößern den Freundeskreis von Facebook.
Meiner Meinung nach wird diese Erfolgsgeschichte in den nächsten Jahren fortgesetzt und ich würde den Kauf von Facebook Aktien sehr empfehlen.
Mit freundlichen Grüßen
Jennifer Nussbaumer, 16 Jahre