Der Seitensprung als loser roter Faden

Das ORF-Adelsmagazin „Die Royals“: eine wirre Tour de Force durch die Geschichte adeliger Fehltritte.

'Die Royals': Lisbeth Bischoff und Alfons Haider geben Einblicke in die Welt des Adels
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'Die Royals': Lisbeth Bischoff und Alfons Haider geben Einblicke in die Welt des Adels
'Präsentation der neuen ORF-Reihe im Grand Hotel in Wien.' – ORF

Mitten im Sommerloch setzte der ORF den Zuschauern ein... – ja was war das eigentlich? – über die Royals vor. Ein Society-Format war es nicht, obwohl es sich bei den adeligen Protagonisten, deren Blicke in fremde Dekolletés oder Besuche im Rotlichtmilieu genüsslich zitiert wurden, um die VIPs der Mediengesellschaft handelt. Eine Doku war es auch nicht, eher ein wirres Hin- und Her durch jüngere und ältere Affären – wobei die von ORF-Adelsexpertin Lisbeth Bischoff und Ko-Moderator Alfons Haider vorgetragenen deftigen Anekdoten aus der Habsburgerzeit den amüsanteren (weil noch unbekannteren) Part beisteuerten. Als „Adelsmagazin“ hat der ORF die fünf Teile von „Die Royals“ ausgeschildert, aber auch das war es nicht: Von einem Magazin erwartet man sich Aktuelles, keine aufgewärmte Gerüchte- und Skandalsuppe, die die Betroffenen längst vor laufender Kamera auslöffeln mussten. Und man erwartet Hochglanz. Auch der fehlte.


Die Form könnte dem Zuschauer egal sein – wäre da ein Konzept zu erkennen. Aber mehr als ein loser roter Faden war nicht zu finden – und der hieß: Es muss ein Royal (oder dessen persönlicher Anhang) sein, der eine Liaison hat, ins Puff geht oder beides. In einem ausladenden Zickzackkurs zwischen Kurzinterviews, Miniporträts, Archivbildern und Inspektionen von Schauplätzen lenkten Bischoff und Haider ihr Publikum von Katharina Schratt über die unglückliche Verlobung der schwedischen Prinzessin Madeleine, die angeblich von einer Köchin abstammende Queen Mum, den Tampon-Sager von Prinz Charles und den Thronfolgerstress des Tennō zu den Exzessen beim Wiener Kongress. Eine erzählerische Tour de Force! Und wozu? Die Idee, im Sommerloch mit royalem Klatsch zu punkten, ist gut – das Volk hat sich seit jeher an den üblen Seiten des Glanzes ergötzt. Aber wenn sie seit Jahren durch die gewaltigen Mühlen der Klatschpresse gedreht wird, ist auch die beste Story ausgelaugt und kann nur mit gestalterischem Pep noch einmal serviert werden. Der fehlte leider. Dann bitte mehr vom „modern aufbereiteten Geschichtsunterricht“, den Bischoff versprochen hat!

 

E-Mails an: isabella.wallnoefer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.08.2012)

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