Harald Schmidt:Cool statt dirty

Der Late-Night-Star gibt sich auf Sky betont entspannt. Wer einschläft, kann die Show übrigens am nächsten Morgen im Netz nachholen.

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(c) Dapd (Maja Hitij)

Das ist natürlich auch ein Statement: Bei seiner ersten Show für den Bezahlsender empfängt Schmidt seine Gäste im selben Studio mit demselben lackroten Boden, lässt seine Pointen vom altgedienten Helmut Zerlett mit einem kleinen Tusch unterlegen, und sogar die Sprecherin mit dem französischen Akzent ist wieder da: „Arald Schmidde!“ Und der ist auch noch stolz darauf, dass er sich nichts Neues hat einfallen lassen, dass er cool weitermacht, als sei nichts geschehen: In einer der für ihn so typischen selbstreferenziellen Szenen lässt er den Eingang zum Studio filmen: Da hängt noch das Sat1-Fähnchen draußen! „Das brauchen wir nicht mehr“, sagt er. Daraufhin wird ein ARD-Fähnchen aufgezogen. Nein, das auch nicht, und nein: RTL schon gar nicht. Haben wir sie alle durch, die Sender, in denen Dirty Harrys Show gelaufen ist?


Jetzt ist eben Sky dran, der Bezahlsender, der dann auch sein Fett abbekommt, weil (schon wieder typisch Harald Schmidt) in dieser Show auch der Arbeitgeber nicht geschont wird. Für uns Bildungsbürger, die wir es manchmal unkorrekt lieben, gab es ein paar Witze über Heidi Klum und über trödelnde Senioren („Mir ist lieber, sie wühlen in der Mülltonne nach Kleingeld als vor mir in der Schlange“) – und weil Grenzüberschreitungen nur funktionieren, wenn man seine Grenzen kennt, wurden wir mit bravem Geplauder über das Cello und dessen Klang bedacht.

Wer einschläft, kann die Show übrigens am nächsten Morgen im Netz nachholen.

Aber auch das gab es schon bei Sat1.

 

bettina.steiner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2012)

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