Die Bäuche der Finsternis

18.09.2012 | 18:07 |  THOMAS KRAMAR (Die Presse)

Die neue ORF-Serie „Braunschlag“ steht in der Tradition des österreichischen Kabarettismus.

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Selten sind zwei eher einer Waschtrommel als einem Waschbrett gleichende Männerbäuche so medienpräsent wie die Bäuche von Nicholas Ofczarek und Robert Palfrader in diesen Tagen. Es sind Bäuche, wie sie viele Männer in den besten Jahren entwickeln – und einziehen, wenn Damen oder Fotografen in der Nähe sind. Außer die Männer sind österreichische Kabarettisten. Dann strecken sie die Leibesmitten trotzig in die Welt oder bedecken sie mit einem Rippleiberl, dann grüßen sie mit „Grüß Sie“, knotzen vor Blumentapeten, verwenden das Wort „Schas“ inflationär, mimen beinahe überzeugend schwere Räusche und behandeln ihre Frauen betont unwirsch.

Ofczarek und Palfrader tun das alles in „Braunschlag“, und schon deshalb steht diese am Dienstag angelaufene Serie in der Tradition des österreichischen Kabarettismus, der zeichnen will, indem er überzeichnet. Aber auch wegen ihrer Grundthese: Die Provinz, die in Österreich bekanntlich überall ist, ist ein verkalktes Herz der Finsternis, über das man lachen darf, wenn man sich dabei kritisch verkutzt. „In ,Braunschlag‘ geht es um Gier, Korruption, Hass, Katholizismus und Alkohol – also um Österreich im weitesten Sinn“, das steht auf dem Cover der (schon vor einem halben Jahr erschienenen) DVD, und das ist vermutlich gar nicht selbstironisch gemeint.


Diesmal trifft's also das Waldviertel, eine Gegend, die ja von den Wochenendhäusern der Wiener Boheme nur notdürftig erleuchtet ist. Deshalb bedarf sie eines Marienwunders wie anno 1621 in Hoheneich. Über diese Waldviertler Gemeinde hat Karin Berger 1992 die feine Dokumentation „Das Wunder von Hoheneich“ gedreht. Dieses Thema hat „Braunschlag“-Autor David Schalko aufgegriffen und in gewohnter Virtuosität mit Nebenhandlungen verwoben: Besonders schön ist die Gestalt des UFO-Freundes Reinhard, glaubhaft irrsinnig verkörpert von Raimund Wallisch. Nina Proll und Maria Hofstätter sind die mit ihren Männern gestraften Frauen, jene ist naiv und sexy, diese ist naiv und rührend, hier geben alle, was sie können. Die Tatsache, dass das Waldviertel ein Teil von Pröllistan ist, beschert der Serie weitere Pointen, die nicht immer vorhersehbar sind.

Wie sagen es gleich die professionellen TV-Kritiker? Solide Fernsehunterhaltung mit einem Schuss Sozialkritik. Prognose: Wird erfolgreich.

 

E-Mails an: thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2012)

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6 Kommentare
Gast: eingerauchter
27.09.2012 12:14
2 1

ich kann es nicht glauben.....

habe mir den ersten teil bis zur hälfte
angetan.
ich glaube es waren ja 2 teile die gesendet wurden.
schön währe zu wissen wie hoch wohl
die quote ab den 2 teil waren, das werden wir wohl nie erfahren, loolll.
eigendlich egal, wichtig, ihnen herr THOMAS KRAMAR hat es gefallen.

Gast: AndreasMaislinger
19.09.2012 23:34
1 1

Warum Braun- und nicht Rot- oder Schwarzschlag?

Warum wurde für den Namen des Ortes gerade die Farbe braun gewählt?
Hätte der Ort auch Rotschlag, Grünschlag oder Schwarzschlag heißen können?

Andreas Maislinger

Gast: edwinwaldemar
19.09.2012 19:03
4 1

Schaaaß

Um die Worte von Herrn Palfrader zu verwenden, ist diese ORF-Serie der größte Schaaaß, der mir jemals untergekommen ist. Wenn Sie meinen, dass diese Reihe in der Tradition des österreichischen Kabarettismus steht, dann ist das für die wirklich guten Kabarettisten unseres Landes eine arge Beleidigung.

0 1

Dumm oder Blind oder beides??


Gast: ianrichardson
19.09.2012 12:54
1 1

Debakel

Behäbig, langsam, völlig unkomisch und absolut harmlos - langweiliger immerhin kann's nicht mehr werden. Anders gesagt: eine einzige Peinlichkeit.

Re: Debakel

Ich habe die bisherigen Folgen dieser Serie nicht gesehen; ich werde sie mir auch künftig nicht betrachten. Uzw. aus verschiedenen Gründen. Vor allem aufgrund des problematischen Themas und der auffällig positiven professionellen Beurteilungen in den Medien. So etwas macht hellhörig und vorsichtig.

Noch mehr freilich im direkten Zusammenhang mit der Eigen-Einschätzung auf dem DVD-Cover. Wieder einmal werden die Österreicher als wahre Monster dargestellt. Wehe dem Feind, der versucht, uns militärisch anzugreifen. Der würde schnell von "gierigen, korrupten, haßerfüllten, katholischen und dazu noch versoffenen" Bestien umzingelt. Und wieder einmal haben wackere linke Autoren ein gar erschröckliches Sittenbild unseres nur nach außenhin lieben Völkchens gezeichnet. Ungefähr so halt...

Nein, da halte ich mich lieber an die Beurteilungen der normalen ORF-Konsumenten in den diversen Onlineforen, die wirklich schreiben, was sie denken und nicht irgend welchen redaktionellen Vorgaben verpflichtet sind

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