Die Bäuche der Finsternis

Die neue ORF-Serie „Braunschlag“ steht in der Tradition des österreichischen Kabarettismus.

Selten sind zwei eher einer Waschtrommel als einem Waschbrett gleichende Männerbäuche so medienpräsent wie die Bäuche von Nicholas Ofczarek und Robert Palfrader in diesen Tagen. Es sind Bäuche, wie sie viele Männer in den besten Jahren entwickeln – und einziehen, wenn Damen oder Fotografen in der Nähe sind. Außer die Männer sind österreichische Kabarettisten. Dann strecken sie die Leibesmitten trotzig in die Welt oder bedecken sie mit einem Rippleiberl, dann grüßen sie mit „Grüß Sie“, knotzen vor Blumentapeten, verwenden das Wort „Schas“ inflationär, mimen beinahe überzeugend schwere Räusche und behandeln ihre Frauen betont unwirsch.

Ofczarek und Palfrader tun das alles in „Braunschlag“, und schon deshalb steht diese am Dienstag angelaufene Serie in der Tradition des österreichischen Kabarettismus, der zeichnen will, indem er überzeichnet. Aber auch wegen ihrer Grundthese: Die Provinz, die in Österreich bekanntlich überall ist, ist ein verkalktes Herz der Finsternis, über das man lachen darf, wenn man sich dabei kritisch verkutzt. „In ,Braunschlag‘ geht es um Gier, Korruption, Hass, Katholizismus und Alkohol – also um Österreich im weitesten Sinn“, das steht auf dem Cover der (schon vor einem halben Jahr erschienenen) DVD, und das ist vermutlich gar nicht selbstironisch gemeint.


Diesmal trifft's also das Waldviertel, eine Gegend, die ja von den Wochenendhäusern der Wiener Boheme nur notdürftig erleuchtet ist. Deshalb bedarf sie eines Marienwunders wie anno 1621 in Hoheneich. Über diese Waldviertler Gemeinde hat Karin Berger 1992 die feine Dokumentation „Das Wunder von Hoheneich“ gedreht. Dieses Thema hat „Braunschlag“-Autor David Schalko aufgegriffen und in gewohnter Virtuosität mit Nebenhandlungen verwoben: Besonders schön ist die Gestalt des UFO-Freundes Reinhard, glaubhaft irrsinnig verkörpert von Raimund Wallisch. Nina Proll und Maria Hofstätter sind die mit ihren Männern gestraften Frauen, jene ist naiv und sexy, diese ist naiv und rührend, hier geben alle, was sie können. Die Tatsache, dass das Waldviertel ein Teil von Pröllistan ist, beschert der Serie weitere Pointen, die nicht immer vorhersehbar sind.

Wie sagen es gleich die professionellen TV-Kritiker? Solide Fernsehunterhaltung mit einem Schuss Sozialkritik. Prognose: Wird erfolgreich.

 

E-Mails an: thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2012)

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