Erst am Sonntag absolvierte der Austro-Kanadier und Parteigründer Frank Stronach einen angriffslustigen Auftritt in der ORF-Sendung "Im Zentrum" ("DiePresse.com" berichtete). Nun hat Stronach seine TV-Tour in Deutschland fortgesetzt und beim ARD-Talk "Menschen bei Maischberger" erneut für Aufsehen gesorgt. Geladen waren von Moderatorin Sandra Maischberger auch Linke-Chef Oskar Lafontaine, der umstrittene ehemalige Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin sowie die deutsche Grünen-Politikerin Franziska Brantner und ihr FDP-Kollege Jorgo Chatzimarkakis. Eine illustre Runde also.
Während die vier Polittalk-geschulten Gäste sich am Thema "Euroland ist abgebrannt", abarbeiteten, sorgte Stronach bei den Anwesenden aber vor allem für Kopfschütteln und Schmunzeln. Nur der FDP-Politiker formulierte es härter: "Sie machen mir Angst", sagte er gegen Ende der Sendung. Dabei trat Stronach wie gewohnt auf. Erst erzählte er seine Erfolgsgeschichte und machte später mit seiner Idee eines eigenen Euros für jedes Land auf sich aufmerksam. Bei aller spürbarer Skepsis hielten sich aber Moderatorin und Kontrahenten auffällig zurück.
Stronach - "die unangefochtene Problemfigur"
"Als unangefochtene Problemfigur dieser Veranstaltung wurde ein gewisser Frank Stronach auffällig", urteilte "Spiegel Online". Auch Moderatorin Maischberger wurde kritisiert, weil sie "einem eitlen Möchtegern-Politiker mit hoch bedenklichen Ansichten" ein Podium bot, "auf dem er nicht nur unbehelligt, sondern auch noch von der Gastgeberin ermuntert seine Schwadronade herunterknödeln durfte". Und: "Dabei klang er teilweise wie die Mischung aus einem Wiedergänger des unseligen Jörg Haider und einem amerikanischen Erweckungsprediger". Weshalb Stronach in der Runde saß, sei unerfindlich geblieben. Seine Anwesenheit habe sich auch auf die Diskussion insgesamt negativ ausgewirkt, urteilte das deutsche Nachrichtenmagazin: "Es war, als hätte der Stronachsche Virus vorübergehend die Hirne vernebelt."
Und auch "Zeit Online" sah Stronach auf der falschen Bühne. Bescheinigt wird dem Neo-Parteichef aber, "die routinierte mediale Inszenierung der politischen Auseinandersetzung unbekümmert durcheinander zu wirbeln". Zumal sich Stronach beharrlich weigere, "irgendeine ihm zugedachte Rolle zu spielen". Eine konventionelle Debatte mit Stronach sei eigentlich nicht möglich: "Er pflegt statt dessen den patriarchalen Kommunikationsstil eines Erweckungspredigers, dem eine untrügliche Heilsbotschaft gegeben ist."
(phu)
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