Rommel, ein Gefangener seines Eids

Niki Stein hat die Semidokumentation auf ORF2 wohltuend ruhig angelegt, wie ein Kammerspiel. Nur eine Rolle fällt grotesk aus der Rolle, die Hitlers.

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'Rommel' – (c) ORF (Kerstin Stelter)

Am Ende drückt er seinem Sohn – einem Soldaten, dem er verboten hat, zur Waffen-SS zu gehen –, wortlos die Hausschlüssel in die Hand, er soll das Erbe hüten, dann geht Rommel ab zum von Hitler verordneten Selbstmord. Dessen Anblick ersparte der TV-Film dem Zuschauer, vieles andere ersparte er auch, und man war Regisseur Niki Stein dankbar dafür, dass er die Semidokumentation als Kammerspiel anlegte und das Grauen an der Front nur streifte. Die "letzten sieben Monate im Leben Erwin Rommels" wollte der Film am Donnerstagabend auf ORF2 erzählen, er brauchte dafür zwei Stunden, die fast durchgehend mit Gesprächen gefüllt waren, von denen man ungern etwas verpasste.

Dabei ist dieser Rommel (Ulrich Tukur) kein Mann des großen Worts – eher einer der kleinen Gesten, er erklärt seiner Frau zum Geburtstag nicht die Liebe, er schickt ihr Schuhe aus Paris –, und als er sich endlich doch einmal aufrafft und mit Hitler (Johannes Silberschneider) „über Deutschland“ reden will, schneidet ihm der das Wort ab. Das tut er sonst nicht, seine Rolle ist grotesk angelegt, er ist ein meist in sich versunkener, halb gebrochener alter Mann, der unentwegt Architektur zeichnet und von dem auch in härtesten Debatten des Generalstabs kein lautes Wort zu vernehmen ist.

„...nichts mit Politik zu tun“

Die anderen dürften der Realität näherkommen, Rommel selbst – „Wir sind Soldaten, das hat nichts mit Politik zu tun“ –, auch sein Stabschef Speidel (Benjamin Sadler), der versucht, Rommel auf die Seite des Widerstands vom 20. Juli zu ziehen. Der lehnt ab, überreden lässt er sich nicht, aber seinen Augen traut er schon, er muss: Alles kommt näher, die Alliierten marschieren vor, und Bilder drängen heran, von Judendeportationen und Gemetzeln der Waffen-SS nicht nur im fernen Russland, sondern gleich nebenan, im besetzten Frankreich. Aber Rommel bleibt bei dem, was ihn zusammenhält – „Sie verlangen Hochverrat“, bescheidet er einen der Verschwörer: „Auch Sie haben einen Eid geschworen. Vergessen Sie das nicht!“ –, er belässt es bei Gesten, auch wirkungsvollen: Hitler hat das Halten der Front „bis zum letzten Mann“, befohlen, Rommel ändert es leicht – „bis zur letzten Patrone“ –, so erspart er viele Heldentode.

In den eigenen geht er ohne Regung, er hat die Invasion nicht verhindern können, und er hat das Spiel, das er am Ende doch noch wagte, verloren, er wollte Separatverhandlungen mit den westlichen Alliierten erzwingen, politisch naiv, die wollten nicht, Hitler natürlich auch nicht. Aber deswegen muss Rommel nicht das Zyankali schlucken, sondern eben des Hochverrats wegen, den er nie begangen hat: „Ich bin unschuldig. Ich habe mein ganzes Leben dem Vaterland gedient. Grüßen Sie die Kameraden“, bittet er die Todesboten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2012)

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