"Die große Chance": Die Show der Entschuldigung

03.11.2012 | 18:14 |  von Thomas Kramar (Die Presse)

Dominic Heinzl hatte sich nach der körperlichen Attacke des Jurors Sido geweigert, bei einer Live-Versöhnung mitzuspielen; das hielt Kathrin Zechner nicht davon ab, die Show der Entschuldigung durchzuziehen.

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„It's gonna be alright“, sang der Chor der Kandidaten sinnigerweise, bevor der Rückblick auf den Vorfall begann, der so gar nicht „alright“ war: die körperliche Attacke des Jurors Sido auf den „Chili“-Moderator Dominic Heinzl vor zwei Wochen. Es sei eine „unendliche unerfreuliche Geschichte“ gewesen, die man nun „endgültig abschließen“ wolle, hieß es; es habe „Provokation auf beiden Seiten, nicht nur mit Worten“ gegeben.

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So wurde das Opfer zum Mittäter erklärt: eine dubiose Form der Aufarbeitung. Heinzl selbst hatte sich geweigert, bei einer Live-Versöhnung mitzuspielen; das hielt ORF-Programmintendantin Kathrin Zechner nicht davon ab, die Show der Entschuldigung durchzuziehen. Peter Rapp, dem seine Rolle als alter Weiser des Entertainments, der das Leben gesehen hat, immer besser passt, erzählte, die beiden hätten einander im Büro des ORF-Unterhaltungschefs getroffen und seien beide „einsichtig“ gewesen: „So erledigen erwachsene Menschen ihre Schwierigkeiten!“ Der Eindruck blieb: Der Geschlagene musste das Feld räumen, der Schläger durfte bleiben.

Doch Sido, angetreten in grauer Weste, spielte seine Rolle überzeugend. Tränen in den Augen eines harten Mannes verfehlen ihre Wirkung nie. Den „jungen Leuten, die mir sehr am Herzen liegen“, wolle er ein Vorbild sein, sagte er und versicherte zweimal: „Das, was ich getan habe, war falsch.“

Dann ging die Show, die im Schnitt 773.000 Zuschauer sahen (+10 Prozent gegenüber der Vorwoche), weiter, mit dem gedämpft wirkenden Sido, der, man muss es bei aller Kritik an diesem ORF-Theater anerkennen, wirklich ein idealer Juror für diese Show ist: ein kritischer, nicht böser Onkel, der – im Gegensatz zu Dieter Bohlen im deutschen Pendant „Supertalent“ – nie hämisch wirkt. Als er der – wirklich begabten, erst 13 Jahre alten Singer-Songwriterin Nina Schwarzott erklärte, dass ihr Refrain nur als „Bridge“ (also als Zwischenstufe auf dem Weg zum Refrain) tauge, wirkte das nicht verletzend. Und war eine kluge, auf viele aktuelle Popsongs passende Beobachtung.

Dass sein Geschmack im außermusikalischen Bereich nicht der subtilste ist, zeigt sein herzliches Engagement für das supersimple Kabarettistenduo „Flo & Wisch“, das mit einer Chinesen-Persiflage antrat, wie man sie wohl spätnächtlich in Bierzelten schätzt. Mit Sidos Hilfe schafften sie es ins Finale, ebenso wie die volkstümlichen „Grabenlandbuam“, deren Waden die Jurorin Zabine „saugeil“ fand, und das Trio „Solid Tube“, das den Song „Zombie“ von den Cranberries mit einigem Gefühl interpretierte. Darin heißt es: „When the violence causes silence, we must be mistaken.“ Immerhin: Die Gewalttat war nicht schweigend übergangen worden an diesem TV-Abend. Und Sido glaubte man, als er seinem „geliebten Österreich“ sagte: „Ich bin froh, wieder hier zu sein.“ Na gut.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2012)

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35 Kommentare
 
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ein neues genre ist entstanden!

entschuldigungsshows, wahnsinn!

österreich sucht den peinlichsten menschen. wir nehmen dazu auch deutsche, wurscht.

Gast: die matrix
04.11.2012 19:37
0 1

Manipulation

Es ist typisch für diesen unprofessionellen und dabei selbstherrlichen ORF, dass Kandidaten wie "flo & wisch" gepuscht werden - Nachwuchsförderung für diverse Staatskünstler.

Und der durchschnittliche österr. Medienkonsument regt sich gar nicht darüber auf. Eine eindeutige Parteinahme eines/r Jurors/In oder ModeratorIn ist abzulehnen. Der Juror hat die nackte Beurteilung der Präsentation abzugeben und sonst gar nichts, schon gar nicht Tips, für wen die Sehen voten sollen. Und Moderatoren haben überhaupt keine Wertungen abzugeben, so bemüht versteckt sie auch sein mögen.

Diese "große Chance" ist durch die Bank nichts als ein Medienskandal. Einer mehr beim ORF.

Re: Manipulation

Esprit, bist du es?

kein vorbild

sido hat als juror in der öffentlichkeit einen fehler begangen. er hat sich entschuldigt.
das ist notwendig, jedoch noch lange kein grund für den nochmaligen einsatz in einer sendung, in der sehr viele (wahrscheinlich die meisten) junge zuseher sind.

was lernt man daraus?
man kann in aller öffentlichkeit jemanden verhauen, muss sich bloss entschuldigen und dann ists wieder gut....

das ist absolut keine gute vorbildwirkung!

dieses "entschuldigen" ist schon inflationär, weil keine konsequenz daraus erwächst.
manchmal ist die konsequenz eben, dass man zwar in einer anderen funktion wieder eingesetzt werden kann...aber in dieser , wo man sich daneben benommen hat, sicher nicht...

leider wurde diese chance vertan....


0 0

Re: kein vorbild

Sie haben Recht, aber das passiert doch dauernd, v.a. Politiker entschuldigen sich pro forma - wollte niemanden beleidigen, es tut mir leid, wenn sich jemand betroffen gefühlt hat ...

Antworten Gast: xxx
04.11.2012 18:42
0 0

Re: sagt ihnen vielleicht *charlie sheen* etwas?


dagegen ist sido ein vaserl!

keinem wäre eingefallen, sheen wegen seiner umzähligen eskapaden aus film und fernsehen zu verbannen!

viell. sind sie schon ein bissi zu alt ?


1 0

Re: Re: sagt ihnen vielleicht *charlie sheen* etwas?

Sie können sich ja auch für den nächsten Kinnhaken zur Verfügung stellen, vielleicht sind Sie dafür gerade alt genug ....

Antworten Antworten Antworten Gast: TGB
04.11.2012 21:17
0 0

Re: Re: Re: sagt ihnen vielleicht *charlie sheen* etwas?

Wieso? Er heißt doch nicht Heinzl.

Antworten Gast: ORF4
04.11.2012 17:34
0 1

Re: kein vorbild

Unsinn!

Antworten Gast: Guckst du ganz genau
04.11.2012 16:49
0 0

Re: kein vorbild

Was man daraus lernt ... ist vielmehr, dass es in Österreich keinen Besseren gegeben hat, der nicht nur als glaubwürdiger Juror, sondern auch als einer mit Witz und Verstand die Show schmeißt sozusagen. Neben Rapp natürlich, der in der ganzen Angelgenheit der einzig wirkliche Leidtragende war, als er mit so einer Komikfigur Seyffenstein klar kommen sollte.

Gast: zador
04.11.2012 13:01
0 0

Wenn Sido nicht geht sollte Kathrin Zechner zurücktreten


Antworten Gast: Guckst du ganz genau
04.11.2012 16:50
0 0

Re: Wenn Sido nicht geht sollte Kathrin Zechner zurücktreten

Warum? Weil du das so gerne hättest, Zehntausende andere aber nicht? Du musst echt aufpassen, dass du nicht an deiner überheblichen Selbsteinschätzung erstickst, so krass wie die ist.

Gast: Tomatinger
04.11.2012 11:12
1 0

Lieber Thomas!

1.Bitte wann hatte Sido Tränen in den Augen? Wenn du nicht so bieder wärst würdest du wissen das Sido einfach voll "wach", "steif", "beinander" oder wie du es nennen würdest bekifft war.

2. Das/die einzigen Opfer sind die Gebührenzahler und nicht der Schwalben-Heinzl.

3. Auch wenn ich den Humor von "Flo & Wisch" nicht verstehe, war es das Publikum welches für sie anrief und nicht SIDO. Er hat ihnen nur ein Chance gegeben.

Antworten Gast: Paradeisinger
04.11.2012 12:05
0 0

Re: Lieber Thomas!

Du lebst in einer winzigkleinen Welt und solltest versuchen da rauszukommen. Zumindest mental :-))

Antworten Antworten Gast: Todd Tomato
04.11.2012 16:20
0 0

Re: Re: Lieber Thomas!

Und warum denkst du ich lebe in einer "winzigkleinen Welt"(lol) du Experte?

Gast: ösi
04.11.2012 10:04
0 0

der grosse wahnsinn

eine stammelnde alpen eingeborene. eine transe. ein nichtssagender,schleimiger pief. einzig ,peter rapp taugt was.

Antworten Gast: almdudlseppi
04.11.2012 11:58
0 0

Re: der grosse wahnsinn

der ösi, der hätt noch dazu gepasst zu den ganzen typen, die er vor dem peter rapp aufgezählt hat. wunderbar dazugepasst.

Gast: Verkühlte
04.11.2012 09:33
1 0

Luft raus

Bei der Sendung war die Luft draußen. Man hatte Sidos "Deine Mutter ist eine H..." im Ohr, hatte das Gefühl, in den Startsendungen auch bessere Beiträge gesehen zu haben. Die kleine Sängerin ist auf dem Weg, aber noch lang nicht so weit, die andre sang Karaoke, die Chinesennummer war irgendwie Maturaballeinlage Gymnasium (man weiß, dass man nun lachen sollte), die Grabenlandbuam sehen sehr nett aus, der Sänger aber kann nicht singen und tut dies in einem seltsamen Pseudodialekt-Hochdeutsch.
Alles Leute, die was können, von denen man sich - im gelungenen Mix der Erstbegegnungen gut unterhalten fühlte...

Ich jedenfalls frage mich, warum es diesen Wettbewerb braucht. Die Talente sind vielfältig und könnten auch so stehen gelassen werden.

Antworten Gast: weranderneinegrubegräbt
04.11.2012 18:46
0 0

Re: Luft raus

ich habe heinzls h....noch im ohr

http://www.youtube.com/watch?v=-vkyMyB4ZoY

Gast: Letzter demokratischer Gast
04.11.2012 09:00
0 0

Was für ein Beispiel..

..Der Vergleich mit dem Fußfesselskandal liegt nahe...

orf

... nein danke!

„Das, was ich getan habe, war falsch.“

10.000 € durch die Lappen gehen lassen.

Wundert mich auch nicht, dass Wrabetz-der sich über eine Jahresgage von 350.00 € freuen kann-eine ORF-Haushaltsgebühr einheben will.

30.000 € gehen übrigens pro Moderation an Haider-unseren "Österreich ist ein sch...-Land" Publikumsliebling.

als wäre das wichtig

was der blödmann zu sagen hat.

Der ORF ist einer der primitivsten Sender Europas!

Gast: netzwerker5
03.11.2012 21:25
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wie alt ist der herr?

...eine „unendliche unerfreuliche Geschichte“ - schöngeredet-Schwamm drüber -passt schon.
A bisserl Tätlichkeit - na und? Sa`ns nicht so kleinlich. Die Beispielwirkung in diesem Fan-milieu ist vernachlässigbar? Wäre gespannt, was eine psychologische Expertise zu präsentieren hätte.

Antworten Gast: Immer cool bleiben
04.11.2012 16:53
0 0

Re: wie alt ist der herr?

Kommt natürlich drauf an, was für ein Psychologe diese Expertise verfasst: Ein ewiggestriger oder ein zeitgemäß-moderner :-)))

Re: wie alt ist der herr?

da stimme ich zu!

wo sind die experten jetzt eigentlich, die sonst immer gerufen werden?

hier ist dringend erklärungsbedarf!!!!

 
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