Raabs Polit-Klamauk: "Sie müssen um Stimmen betteln"

In der Premiere von Stefan Raabs Talkshow "Absolute Mehrheit" droschen Politiker aus der zweiten Reihe ihre üblichen Floskeln, während der Moderator seine üblichen Witzchen beisteuerte.

Raabs PolitKlamauk muessen Stimmen
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Raabs PolitKlamauk muessen Stimmen
Stefan Raab – (c) ProSieben (Willi Weber)

Semi-Prominente rodeln für ihn auf Kochgeschirr durch den Eiskanal, Turnlehrer duellieren sich für die Aussicht auf den Geldkoffer stundenlang gegen ihn. Warum sollen nicht auch einmal Politiker den Tanzbären für ihn spielen, dachten sich Stefan Raab und ProSieben und stiegen am Sonntagabend mit „Absolute Mehrheit" in den Markt der Polit-Talkshows ein. Das Konzept: Die Zuschauer stimmen per Telefon-Voting über die Leistung der Gäste ab, für eine absolute Mehrheit am Schluss winken 100.000 Euro. Das sorgte im Vorfeld für Protest: "Wer Geld für Meinungen aussetzt, bestellt Meinungen für Geld", wetterte etwa der deutsche Bundestagspräsident Norbert Lammert.

Die Aufregung war freilich unbegründet. Raabs Versuche, den Politikern etwas anderes zu entlocken als die üblichen Floskeln beschränkten sich auf „Machen Sie sich locker!" und „Sie müssen um Stimmen betteln!". Daran dachten die Gäste aber nicht. Und das Konzept der Sendung, drei Themen in eineinhalb Stunden zu packen, tat ihr Übriges dazu, dass inhaltlich maximal an der Oberfläche gekratzt wurde. Große Namen hatten sich ohnehin nicht in die Sendung verirrt: Wolfgang Kubicki (FDP), Thomas Oppermann (SPD), Michael Fuchs (CDU), Jan van Aken (Linke) und die Unternehmerin Verena Delius plauderten am braunen Sofa über Vermögenssteuern, Energiewende und soziale Netzwerke.

Selbst ein wenig politikinteressiertes Publikum, wie es Raab ansprechen wollte, dürfte dabei nichts Neues erfahren haben: Der Linken-Vertreter findet, dass Reiche einen höheren Beitrag leisten müssen; der CDU-Mann meint, dass die Steuern schon hoch genug sind. ProSieben-Sat.1-Nachrichtenchef Peter Limbourg lieferte dazu die tiefschürfende Analyse: „Schöne Argumente"; "eine muntere Runde". Raab lauerte unterdessen auf Gelegenheiten, seine üblichen Witzchen einzustreuen. Die reichten von seichtem Klamauk („Herr Fuchs, wer hat die Gans gestohlen?") bis unterste Schublade („Wenn Rösler das beim Abendessen sieht, fallen ihm hoffentlich nicht die Stäbchen aus der Hand" an die Adresse des in Vietnam geborenen FDP-Chefs)

Am Ende konnte Kubicki die meisten Menschen davon überzeugen, 50 Cent in einen Anruf zu investieren. Für die absolute Mehrheit reichte es aber nicht. Dafür gab es ein Siegerbussi von der Jung-Unternehmerin, und Limbourg jubelte: „Herr Raab, Sie können auch Politik". Das schien aber freilich nicht einmal der Neo-Polit-Talker selbst ganz zu glauben: „Ich fand's okay".

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