Wahlkampfrhetorik bei Stefan Raab

12.11.2012 | 18:16 |  BETTINA STEINER (Die Presse)

„Absolute Mehrheit“, die neue Polittalkshow auf Pro7: Wer wählen lässt, wird Wahlkampf ernten.

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Was haben wir erwartet? Haben wir wirklich geglaubt, der Tausendsassa Stefan Raab, dieser wokfahrende, turmspringende Hans-Dampf-in-allen-Gassen würde das Format Polittalkshow neu erfinden? Dass dort passiert, was sonst kaum mehr stattfindet: eine intensive Diskussion, ein lebhaftes Messen der Argumente? Manche hatten das wohl für möglich gehalten, schließlich hat Raab Deutschland sogar einen Sieg beim Songcontest verschafft. Entsprechend enttäuscht klangen die Reaktionen – auf Twitter dominierte Häme, die Online-Medien schoben Verrisse nach: nix Neues, nur das alte Politikerblabla.

Das stimmt ja auch, war allerdings bei diesem Konzept nicht anders möglich: Fünf Politiker diskutieren in drei Runden je ein „heißes“ Thema (Energiewende, Reichensteuern, Social Media), das Publikum darf nach jeder Runde per Anruf oder SMS entscheiden, wer weiterkommt. Nun: Wer wählen lässt, wird Wahlkampffloskeln ernten. Da helfen auch keine Lockerungsübungen zu Beginn (Raab an Michael Fuchs von der CDU: „Fuchs, wer hat die Gans gestohlen?“) und auch keine Provokationen.

Trotzdem: Für jene, die bisher politische Diskussionen gemieden haben, mag das ein niedrigschwelliges Angebot sein. Der Marktanteil bei den unter 30-Jährigen betrug fast 25 Prozent. Wer behauptet, dass er kein bisschen neugierig war, wer in der Gunst der Zuschauer wie abschneiden würde, der heuchelt. Und immerhin: Die Politiker bei Raab erschienen allemal sympathischer und diskutierten sachlicher als ihre österreichischen Kollegen im fast gleichzeitig ausgestrahlten „Im Zentrum“.

Am Schluss gewann die FDP vor den Linken und der SPD, was dann dem Sat1-Nachrichtenchef, der das Ganze als Kommentator begleitete, doch zu blöd war: Kubicki sei auf den ersten Platz gewählt worden, weil er den sympathischen Volkstribun gegeben habe, der sich gnadenlos gegen seine Partei stelle, attestierte er. Wenn das kein Rezept für kommende Kandidaten ist.

 

E-Mails an: bettina.steiner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.11.2012)

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