"Das Adlon": Nur die Pagen gibt es immer noch

05.01.2013 | 18:12 |  von Anna-Maria Wallner (Die Presse)

Der TV-Dreiteiler "Das Adlon" ist ein pompöses Familiendrama geworden, in dem auch die Geschichte Deutschlands im 20.Jahrhundert erzählt wird. Trotz des schwachen ersten Teils ergibt das passable Fernsehunterhaltung.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Es ist so etwas wie das Pendant zu James Camerons „Titanic“: Ein großer Kasten steht im Mittelpunkt der Geschichte, dort war es der Luxusdampfer, hier ist es das Luxushotel. Und weil in beiden Fällen die historischen Fakten offenbar zu wenig Stoff hergaben, griffen die Drehbuchautoren in die fiktive Trickkiste. Dabei hat das „Hotel Adlon“ eine mehr als hundertjährige Geschichte und eine Familie, die genug Material für eine Familiensaga liefern müsste.

Mehr zum Thema:

Trotzdem wollten Regisseur Uli Edel und Fernsehproduzent Oliver Berben die Geschichte des Hotels in der Berliner Straße Unter den Linden nicht nur anhand der realen Familie Adlon erzählen. Im Zentrum ihres Dreiteilers steht also die fiktive Sonja Schadt, die uns als Erzählerin durch ein Jahrhundert deutscher (Hotel-)Geschichte führt. Denn die Schadts und die Adlons, so will es das Drehbuch, sind enge Freunde; so eng, dass der Handelsreisende Gustaf Schadt (Thomas Thieme) seinem Freund Lorenz Adlon (Burghart Klaußner) sogar eine seiner liebsten Trophäen von seinen Reisen in die deutschen Kolonien in Afrika für die Empfangshalle seines 1907 erbauten Hotels stiftet: ein deckenhoher Elefantenbrunnen aus schwarzem Marmor.


Rohrpost in die Küche. Für Gustafs Tochter Alma Schadt sind die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts weniger erbaulich: Gerade erst 16 geworden, bekommt sie ein Kind vom Hausangestellten Friedrich (Wotan Wilke Möhring), doch die Mutter Ottilie (Sunnyi Melles) nimmt ihr die kleine Sonja weg und gibt sie als ihre eigene Tochter aus, damit es kein Gerede über das uneheliche Kind gibt. All das passiert, während das Hotel Adlon erbaut und eröffnet wird. Dass Kaiser Wilhelm II. (Michael Schenk) ein großer Förderer des Hotels war, ist wiederum historisch erwiesen. Der Monarch machte das Hotel zu seinem Salon. Er war stolz auf das erste Grandhotel nach amerikanischem Vorbild in Berlin, und er war begeistert von der fortschrittlichen Technik: Nicht nur eine eigene Stromversorgung und einen Fahrstuhl gab es, auch beheizte Bäder und Badewannen und eine Rohrpost in die Küche, mit der die Menübestellungen verschickt wurden.

Weil Alma die Eltern nicht umstimmen kann, ihr die Tochter Sonja zu überlassen, lässt sie sich von der weltoffenen, unkonventionellen Amerikanerin Undine Adams (Christiane Paul in fürchterlich aufgesetztem Deutsch mit „English accent“) verführen, mit der sie schließlich in die USA auswandert. Erst nach dem Ersten Weltkrieg erfährt Sonja, wer ihre leibliche Mutter ist.

Der zwar dank Kostümen und Ausstattung besonders opulente erste Teil der Familiensaga bleibt seltsam schablonenhaft, die einzelnen Figuren platt, die Dialoge gestelzt. Erst von Teil zu Teil gewinnt die zehn Millionen Euro teure Produktion an Fahrt, die Hauptdarsteller, allen voran Josefine Preuß als Sonja Schadt, scheinen erst nach und nach in ihre Rollen gefunden zu haben. Die Lebensgeschichten der Adlons und der Schadts bleiben bis zum Schluss – nach zwei Weltkriegen, Mauerbau und Zeit der Wende – miteinander verknüpft. Sonja zieht als junge Frau ins Adlon zu ihrem Vater Friedrich, der dort Page geworden ist. Auch nach dem – historisch realen – Großbrand des Adlon 1945 bleibt Sonja bis zur Schließung im unbeschadeten, kleineren Teil des Hotels wohnen.


Nicht gut, nicht böse. Als die über 90-jährige Sonja Schadt 1997 das soeben wiedereröffnete Hotel Adlon besucht, stellt sie fest, dass die Uniformen und die weißen Handschuhe der Pagen fast unverändert geblieben sind, nur Frauen dürfen jetzt auch als Pagen arbeiten. Zum Schluss resümiert Sonja als Erzählerin aus dem Off: „Ich habe mein Leben an das Adlon gebunden. Ich habe versucht, den Geist des Ortes zu ergründen, dieser Geist ist weder böse noch gut, er ist nicht falsch, nicht richtig.“ Über die Familiensaga lässt sich dasselbe sagen: nicht böse, nicht gut, nicht falsch, nicht richtig.

Das Adlon – In Film & Realität

Das Hotel Adlon wurde 1907 von dem Mainzer Geschäftsmann Lorenz Adlon an der Straße Unter den Linden in Berlin erbaut, Kaiser Wilhelm II. war einer der Förderer des Baus. Später leitete SohnLouis Adlon mit seiner zweiten Frau Hedda das Grandhotel. Das ursprüngliche Adlon brannte 1945 aus, wurde 1997von der Strabag wieder errichtet und gehört heute zur Kempinski-Gruppe. Die im Film erwähnte Familie Schadt ist fiktiv.

Die Familiensaga „Das Adlon“ läuft heute, Sonntag, auf ORF 2 und ZDF und geht am 7.1. und 9.1. (jeweils 20.15h) weiter. Regisseur Uli Edel („Baader-Meinhof-Komplex“) und Produzent Oliver Berben konnten viele Stars für die Zehn-Mio.-Euro-Produktion gewinnen: Burkhart Klaußner („Das weiße Band“), Heino Ferch, Sunnyi Melles, Wotan Wilke Möhring, Christiane Paul, Marie Bäumer.

ORF 2 zeigt im „Kulturmontag“ (in dem erstmals wieder Clarissa Stadler moderiert) die Doku „Adlon verpflichtet“ (2007). Das ZDF bringt schon heute um 21.50h die Doku „Das Adlon“ (2013).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.01.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

2 Kommentare

also mir hat der erste Teil

der Saga ganz gut gefallen! Schau mir auch die anderen beiden Teile an!

wenn schon

dann den klassiker aus ´55.

in SW ....ein beeindruckender film.

vor allem die szene april 45....

den würd ich mir anschauen.....wieder...

aber net den tv serienschmus

Meinung

Jetzt Kultur-Newsletter abonnieren

Die Meldungen des Tages aus den Bereichen Kunst und Kultur. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

» Jetzt unter mehr als 6.000 Jobs
die perfekte Stelle finden.

AnmeldenAnmelden