Trügerischer Tatort Wien

18.02.2013 | 18:17 |  ISABELLA WALLNÖFER (Die Presse)

Rechte Verbindungen und subkutaner Fremdenhass sind nicht nur Krimiklischees.

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Guy Fawkes grinst diabolisch von der Wand. Die Fratze des verhinderten Königsmörders, die der Occupy-Bewegung und den Hackern von Anonymous als Konterfei dient, symbolisiert, was sich in den folgenden eineinhalb Stunden am „Tatort“ Wien abspielt: ein scheinbar religiös motiviertes Attentat durch ein Mitglied einer kritischen Internet-Gruppierung, das durch die Verschleierungstaktik einer rechten Verbindung und ihre politisch motivierten Intrigen nicht aufgeklärt werden kann. Für den Zuschauer ist das fast unerträglich: Es bleibt eine schreiende Ungerechtigkeit, dass ein junger Mann, der einem Eifersuchtsmord zum Opfer fällt, als moslemischer Terrorist gebrandmarkt bleibt. „Nur weil man Moslem ist, ist man noch lange kein Terrorist“, mault das Fräulein Tochter den Kommissar einmal an. Der mault zurück: „Hör auf mit den Klischeesätzen!“


Abgedroschen ist das Thema keineswegs. Verena Kurth hat für „Zwischen den Fronten“ ein Drehbuch für einen durch und durch österreichischen Krimi geschrieben. Harald Sicheritz hat die Gastrollen toll gecastet (Alfred Dorfer als zwielichtiger Beamter, Andreas Vitásek als Gerichtsmediziner) und den hinterfotzigen Plot u.a. vor dem Palais Liechtenstein und in der schmucken Strecker-Villa in Baden inszeniert: Wien als trügerisch idyllischer Austragungsort einer Konferenz, wo ein Attentat völlig überrascht. Die konspirativen Treffen der Vertreter des äußerst rechten Spektrums, die im dunkel getäfelten Hinterzimmer diskret ihre Fäden ziehen. Die subkutane Fremdenfeindlichkeit, die selbst Migranten befällt. Alles Klischees? Leider nicht.

 

E-Mails: isabella.leitenmueller-wallnoefer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2013)

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6 Kommentare

Schon als ich den Anfang sah und dazu den Krassnitzer,

wusste ich, auf was die Sache hinauslaufen würde.

Abgedreht.

Jetzt seh´ ich, dass ich recht hatte.

Erziehungsversuche muss man etwas subtiler anlegen, liebe politisch Korrekte !!

wie sagte der alternde Herr Professor V.d.B.?

So a Sch.s!

... von Dorfer bis Sicheritz und Vitasek ...

... wird die Linke bedient mit Förderungen von Kunst und Kultur, damit so ein Schmarrn vom ORF mitfinanziert wird.

Lauter Klisches + Österreich als Nazistaat

Zuerst die bösen Moslems, dann die guten Moslems,
zuerst böse Aktivisten, dann gute Aktivisten,
lauter Nazis auf (fast) allen wichtigen Posten und am Ende siegen diese und "das Gute" bleibt auf der Strecke.
Die Republik wird als Spielball extremer Gruppen dargestellt, die in den Ministerien die Macht haben und ein neues Gesetz durchdrücken, das ihnne noch mehr Macht bringt.
Das ganze spielt nicht in eine Phantasierepublik, sondern durch und durch in Österreich. Also ich sehe Österreich ganz anders und finde es unverständlich, dieses Land so mies darzustellen.


Re: Lauter Klisches + Österreich als Nazistaat

Wesentlich realistischer wäre es wohl gewesen, den Einfluß großer, global playender Konzerne auf die österreichische Innenpolitik zu thematisieren. Irgend ein Mordfall könnte sich auch vor einem solchen Hintergrund einigermaßen glaubwürdig ergeben. Aber vielleicht wäre mein Vorschlag wiederum zu "heiß", um nicht von irgend einer Seite NICHT "beeinsprucht" zu werden. Das mit den Nazis, die sich bereits in vielen staatlichen Entscheidungsbereichen eingenistet haben, erinnert mich eher an Science-fiction-Gruselfilme, in denen wir eh bereits von Außerirdischen unterwandert sind! Vor wem sollen wir uns da wirklich "fürchten"?

ist es eigentlich der Blattlinie

geschuldet, dass Dollfuß und der Austrofaschismus gar nicht erwähnt werden?



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