"Sexy, sexy, sexy", hatte Catwalk-Trainer Bruce Darnell Heidi Klums Topmodels angefeuert, wenn diese motivationslos über den Laufsteg schlichen. Unvergesslich auch sein vehementes "Drama, Baby, Drama" und die Sprach-Perle "Der Handtasche muss lebendig sein". Sein Spruch aus der Finalsendung der zweiten Staffel "Es ist so heiß hier, aber es ist super, super geil hier. Ich habe wirklich Angst. Ich werde gleich in meine Hose Kacka machen", genießt bereits Kult-Status.
Wie trist wirkt da der Model-Alltag in Staffel drei von "Germany's Next Topmodel". Wenn Heidi Klum ihre Models motiviert, löst das Gähnanfälle aus und klingt folgendermaßen: "Gelassener das ganze - attitude!". Und Darnell-Nachfolger Rolf Scheider (wer? Roy Scheider, ist der nicht erst kürzlich gestorben) erfüllt seine Rolle perfekt - er bleibt farblos. Hauptsache er stiehlt Heidi Klum nicht die Show.
Diese wird von ihren Nacheiferinnen pflichtgemäß angehimmelt: "Sie hat so eine Aura, so eine Ausstrahlung" sagt ein Möchtegern-Model der Zukunft, ein anderes bringt es in der Sprache der Jugend auf den Punkt: "Sie ist so eine Hammer-Frau". Überhaupt wird die Selbst-PR der Heidi Klum, der das unkonventionelle Original Bruce Darnell im Wege stand, immer unverhohlener propagiert: Kaum in New York City eingelangt, wurden die Models zu einem Konzert von Heidi-Ehemann und Sänger Seal in ein "Hard Rock Cafe" gekarrt. Kurz darauf wurde ein Model für Klums US-TV-Sendung "project runway" engagiert.
Zu jeder Sendung gehört auch das obligatorische "Maah", wenn Heidi Klum Küsschen verteilt. Dieses wird dann pro Sendung mindestens drei- viermal wiederholt. Auf dem Programm stand diesmal ein Foto-Shooting in den Straßen von New York mit "wilden" Tieren. Während Model Carolin ihre Vogel-Phobie überwand, indem sie sich einen Falken auf den Arm setzen ließ, nahm die prollige Gina-Lisa einen kleinen Löwen an die Leine. Nur Gisele, das Model mit brasilianischen Wurzeln, verweigerte sich. Sie hatte Mitleid mit dem Schimpansen, der mit aufs Foto sollte. Den Tränen nahe verweigerte sie jedes weitere Foto, auch ohne Tier. Model-Mama Heidi zeigte dafür wenig Verständnis: "Ich fühl mich nicht so, neeh, neeh, neeh", machte sie Gisele nach. Ihr Urteil: "Viele Kunden werden sie da nicht buchen".
Darüber braucht eine andere nicht mehr nachzudenken. Denn für sie ist der Traum, Germany's Next Topmodel zu werden, geplatzt. Am Schluß der Sendung musste Österreichs Hoffnung Elena den erlauchten Kreis verlassen. "Leider haben dich alle anderen überholt", urteilte Heidi Klum recht gnadenlos. Sie suchte gar nicht erst nach versöhnlichen Worten. Zumindest ihr "Maah" blieb Elena erspart.
Pro 7 "Germany's Next Topmodel": Heidi Klum's unerträgliche Küsschen
28.03.2008 | 15:25 | PETER HUBER (DiePresse.com)
Keine Sendung vergeht, ohne das obligatorische "Maah", wenn Heidi Klum Küsschen verteilt: Warum die Österreicherin Elena, die diesmal rausflog, doch eine Siegerin ist.
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