ORF und RTL schicken Veronica Ferres im Dreiteiler "Die Patin" als Katharina Almeda auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Einziges Problem: Das TV-Event funktioniert genau auf dieser Ebene nicht. "Die Patin" nimmt den Zuseher nicht auf eine emotionale Reise mit. Aus Teil eins ist noch nicht ersichtlich, warum Katharina Almeda zur "Patin" wird, die die Geschicke der Familie in die Hand nimmt.
Ferres bleibt immer nur Ferres
Gleich zu Beginn wird Ehemann Max ausgerechnet beim Geburtstagsfest der kleinen Tochter von Steuerfahndern verhaftet. Für Katharina bricht eine Welt zusammen, als sie erfährt, dass ihr Mann in Drogen- und Waffengeschäfte verwickelt sein soll. Katharina reagiert auf die Ereignisse mit einer unglaublichen Unbeteiligtkeit. Totalaufnahmen von Ferres sind zwar handwerklich schön inszeniert, vermögen aber nicht zu vermitteln, was in der Hauptdarstellerin vorgeht.
Der Regisseur plante mit der Rolle der Katharina Almeda wohl eine Mischung aus Geena Davis in "Tödliche Weihnachten" und Catherina Zeta-Jones in "Traffic". Daraus geworden ist eine Veronica Ferres, die zwar solide spielt, aber - zumindest in Teil eins - immer nur Veronica Ferres bleibt. Die acht Mio. Euro, die der Dreiteiler gekostet haben soll, sieht man der Produktion nur teilweise an. Die Action-Szenen entsprechen maximal TV-Standards, sind aber in keiner Weise mehr als 08/15-Ware. Rückblenden werden inflationär und nicht immer passend eingesetzt.
Fritz Karl als Quoten-Österreicher
Axel Prahl, bekannt als der liebenswerte und tolpatschige Tatort-Kommissar Frank Thiel, spielt den BKA-Ermittler überzeugend. Mit verwegenem Bart und Pilotenbrille setzt er die stärksten Akzente des TV-Films. Fritz Karl ist der Quoten-Österreicher in dem ambitionierten TV-Film. Karl bringt als ehemaliger Studienkollege von Max mit seinem österreichischen Akzent ein wenig Exotik ins ziemlich humorfreie Spiel. Sein Charakter dient aber vor allem dazu, das Klischee des gemütlichen Österreichers weiter zu fördern.
Dann ist da auch noch die "zweite" Frau Almeda (Delphine Chanéac), die in Aktion tritt, um Max zu schützen. Sie geht über Leichen. Auch hier wird allzu offensichtlich das Klischee der eiskalten Killerin bedient. Stilvoll inszeniert, tötet sie - ohne mit der Wimper zu zucken. Ihre Motive bleiben aber unklar.
Hausfrauendrama statt Agententhriller
Das Hauptproblem: "Die Patin" will sich als Agententhriller auf internationalem Niveau präsentieren. Die Zutaten sind reichlich vorhanden: BKA, BND, Russenmafia und eine mysteriöse, eiskalte Killerin bevölkern die neue Welt der Katharina Almeda. Mit fortschreitender Handlung entpuppt sich das globale Setting mit Schauplätzen in Frankreich, Moskau und Deutschland aber ein wenig als Mogelpackung. Das Etikett "Hausfrauendrama" macht sich nun mal nicht so gut. Die Hoffnung bleibt, das in Teil zwei und drei mehr Fahrt aufgenommen wird.
Offen bleibt nach Teil eins vor allem eine Frage - und die birgt durchaus Spannung: Wie soll sich Veronica Ferres, die perfekte Hausfrau und Mutter in die mächtige, fädenziehende Patin verwandeln - und das glaubhaft?
"Die Patin" läuft am 14., 15. und 17. Dezember jeweils um 20.15 Uhr auf ORF1 und RTL.

Yigg
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