Drei Minuten. So lange kann man die deutsche Variante von "Takeshi's Castle" ansehen, ehe man reflexartig den Ton abdrehen muss. Aus reiner Notwehr. Vor über zehn Jahren eroberten japanische Durchschnittsbürger im dortigen Fernsehen in "Takeshi's Castle" eine Burg. Sie mussten auf dem Weg dorthin einige witzige Geschicklichkeitsaufgaben meistern. Wer scheiterte, fiel ins Wasser bzw. den Schlamm und damit aus dem Bewerb.
Takeshi's Castle in deutscher Hand
Das Konzept der neuen Pro7-Show ist fast ident. Nur, dass es statt einiger hundert hier 24 Kandidaten pro Folge gibt und dass Scheitern nicht das Aus bedeutet. Denn selbst wenn man ein Hindernis nicht schafft und ins Wasser/in den Schlamm fällt, kann man weitermachen. Es zählt nur die benötigte Zeit bis zum Ziel.
Diese Regeländerung ist auch notwendig, denn schon am ersten Hindernislauf scheiterten alle Teilnehmer der ersten Folge.
Unterstes Niveau aus deutschem Mund
Was grundsätzlich eine unterhaltsame Sendung sein könnte, wird leider von den Kommentatoren zerstört. Unlustig, plump, geschmacklos und primitiv brabbeln sie in schlechtester Manier und erinnern an die RTL II-Sprecher bei Takeshis Castle. Da fallen dämliche Dickenwitze, als ein etwas beleibterer Kandidat auf die Stahlkonstruktion knallt ("Er hat wohl einen Schokoriegel unten gesehen"), untermalt von Slangausdrücken, die wahrscheinlich sogar den Türstehern auf der Reeperbahn zu platt sind. Zum Beispiel, als eine Kandidaten mit dem Gesicht voraus ins Schlammbecken donnert: "Hmm, Schlotze mit noch mehr Schlotze".
Regie von Amateurvideos
Damit der Zuseher nur ja nicht zu viel Freude am Bewerb hat oder gar so etwas wie sportlicher Flair aufkommt, zerstückelt der Regisseur die Sendung. Es erinnert mehr an die Schmerz-Schadenfreuden-Shows wie "die lustigsten Heimvideos". Man sieht außer im Finale keinen Kandidaten länger als ein paar Sekunden - nämlich jene, wo er gerade irgendwo hinunterfällt. Dazu malen die Anti-Moderatoren unpassende Strichmännchen auf den Schirm.
Fazit: Lautlos ist Notwehr
Sieht man von der fehlenden Regieleistung ab, ist "Wipe out" zwischendurch recht unterhaltsam - zumindest, wenn man schon Takeshis Castle mochte. Allerdings muss man unbedingt den Ton abdrehen. Aus purer geistiger Notwehr gegen die Kommentatoren weit unter der Niveauuntergrenze.
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