Die Model-WG (Puls4): Die WG der Verlierer

19.05.2009 | 10:41 |  CHRISTINA BÖCK (DiePresse.com)

Die Fortsetzung von "Austria's next Topmodel" betreibt dreiste Irreführung des Publikums: Nicht nur ist die Show eigentlich eine Werbesendung, sie ist auch ein müder Abklatsch ihres Vorvorgängers.

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"Was ist das? Seid's ihr deppert?" - das fragte Modelkandidatin Tamara in die Kamera angesichts einer Übernachtungsmöglichkeit, die nicht ihren Komfort-Ansprüchen entsprach. Es ist nachgerade ein Schlüsselsatz, den man, hätte man kein elaborierteres Vokabular, ganz gut auf die ganze Puls4-Sendung "Die Model-WG" anwenden könnte. Das ist die Fortsetzung der auch schon reichlich irrelevanten österreichischen Version von "Germany's next Topmodel". Mit denkbar schlechten Voraussetzungen: Sie versammelt nämlich die Verliererinnen aus „Austria's next Topmodel". Zum Beispiel Kim mit den markanten Hasenzähnen und dem Hang zur Dramatik respektive Psychosomatik. Oder eben Tamara, Tochter der Geschäftsführerin eines Frauenmagazins, das "Austria's next Topmodel" sponserte.

Die Siegerin dieser Sendung wird das Gesicht einer Kampagne für eine pinkfarbene Drogeriekette. Obwohl - das sind die Mädchen jetzt schon. Ist die "Model-WG" doch eigentlich eine einzige Werbesendung für diese Firma - sogar Farbe und Schrift des Logos wurden übernommen. In Folge zwei verbrachten die Models fast die halbe Sendezeit in einer Filiale. Das ist aber nur die Fortsetzung der penetranten Werbung für Schminksachen, die in "Austria's next Topmodel" in der regulären Sendezeit vom Stylisten gemacht wurde. Das trauen sich nicht mal die Kollegen von Pro7, da muss Boris Entrup seine Wimperntusch-Kauftipps in einer gekennzeichneten Werbesendung machen.

Das ist aber nicht das schlimmste an "Die Model-WG". Die Sendung ist einfach fad. Die Designer, die die Models buchen, sind jenseits der Wahrnehmungsschwelle (der "bekannte" französische Designer aus der letzten Folge ist Modejournalistinnen jedenfalls nicht bekannt), Agenturchefin Andrea Weidler ist zu nett, die Mädchen zicken zwar Kunden an, aber nicht untereinander und größter dramaturgischer Mangel: Es fliegt nie eine raus. Dabei gäbe es Kandidaten genug. Und außerdem wissen doch alle: Es kann nur eine Germany's next Topmodel werden. Oder so.

Galerie: Models in der Wohngemeinschaft

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