"Tatort" Berlin: Karow und der Folterknecht

In "Dunkelfeld" lösen die Kommissare Rubin und Karow das Rätsel um den Tod eines Kollegen - und werden ziemlich in Mitleidenschaft gezogen.

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"Tatort: Dunkelfeld" – ORF

Unsere Wertung für diesen "Tatort":

8 von 10 Punkten

Worum geht's in "Dunkelfeld":

Während Kommissarin Nina Rubin die Bar Mitzwa ihres Sohnes vorbereitet, soll ihr Kollege Robert Karow den Kronzeugen Andi Berger zum Staatsanwalt begleiten. Von Berger erhofft man sich nähere Informationen über ein Video, das Karow schon seit langem sucht: Darauf ist angeblich zu sehen, wer seinen Kollegen Maihack ermordet hat, der als verdeckter Ermittler gearbeitet hatte. Zuletzt war Karow selbst immer mehr unter Verdacht geraten - jemand hatte ihm die Mordwaffe untergeschoben, und der Staatsanwalt glaubt noch immer, dass er in den Mord verwickelt ist. Als Berger auf dem Weg zur Aussage erschossen wird, macht sich Karow im Alleingang auf den Weg, um die Sache aufzuklären . . .

Wer ermittelt?

Gleich am Anfang spritzt es rot ins Gesicht von Nina Rubin (Meret Becker): Doch es ist kein Blut, sondern Tomantensauce, die sie für die Festtafel zur Bar-Mitzwa-Feier vorbereitet. Ist Rubin zum Hausmütterchen mutiert? Keine Sorge: Es dauert nicht lange, bis das Telefon klingelt und sie ausrückt - um den Kollegen Karow zur Vernunft zu bringen und ihn dann (weil es wie immer nicht gelingt) zu suchen. Später wird sie im schicken schwarzen Kleidchen, das mit mädchenhaftem Schnitt und Rüschen-Deko ihre militärisch anmutende Aufgabe kontrastiert, ein Baugerüst hochklettern, um Karows Leben zu retten. Und der? Mark Waschke ist in der Rolle ein zäher Knochen und undurchsichtiger Einzelgänger, dem die anderen nicht trauen. Auch Rubin ist sich bei ihm nicht sicher . . .

Was gefällt?

Meret Becker ist als Nina Rubin die tougheste und coolste aller "Tatort"-Kommissarinnen. Wenn sie einen Gangster vermöbelt, dann nimmt man ihr ab, dass sie das wirklich könnte, so drahtig und entschlossen schaut sie aus. Und wenn sie eine Träne verdrückt, weil die Umarmung ihres Sohnes sie berührt, dann nimmt man ihr das auch ab. Diese Frau kann beides: hart und weich. "Dunkelfeld" lüftet auch das über drei Episoden gesponnene Geheimnis um den Mord an Karows Kollegen - zuletzt war die Sache ja doch ziemlich undurchsichtig, was den Zuschauer nervt, weil ein "Tatort" eben nur dann ein guter "Tatort" ist, wenn am Ende alles geklärt ist und man sich beruhigt ins Bett legen kann. Das Gute ist: Diesen "Tatort" versteht man auch, wenn man die Vorgeschichte nicht kennt. Das Nötigste wird ohnehin erklärt.

Was gefällt noch?

Karow steigert sich in ein Ausmaß der Verzweiflung, das einem den kalten Schauer auf den Rücken treibt. Man kann ihn verstehen - für ihn geht's diesmal im doppelten Sinne ums Überleben. Selten hat man "Tatort"-Kommissare so fertig erlebt wie Rubin und Karow diesmal aussehen - das gibt den beiden eine verletzliche Aura.

Wo hakt's?

Zwar ist Til Schweiger weit und breit nicht zu sehen, aber diesmal spritzt nicht nur die Tomatensauce. Die Folter-Szenen sind fast noch brutaler als der Mord am Kronzeugen. Der Folterknecht: Ein Junkie ohne Hirn und Gewissen, der alles tut, was man ihm anschafft. Hakari wird der Schurke genannt, hinter dem Karow her ist. Aber der macht sich nicht selber die Finger schmutzig und ist so schwer zu fassen wie ein glitschiger, zappelnder Fisch. Die Auflösung des Rätsels ist letztlich für alle überraschend.

"Tatort: Dunkelfeld": 11. Dezember, 20.15 Uhr, ORF 2

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