22.11.2009 22:45 | Meine Presse Merkliste0

Vulkan (RTL): Der Weiße Hai im Lava-Bad

19.10.2009 | 00:20 |  PETER HUBER (DiePresse.com)

Teil eins des TV-Zweiteilers entpuppte sich als Warmlaufen für die Katastrophe. Trotz aller Schwächen hebt sich "Vulkan" von vielen seiner peinlichen Weltuntergangs-Vorgänger ab.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Man kennt sie zu Genüge, diese Katastrophen-Event-Movies aus dem deutschsprachigen Fernsehen. Ob Lawinen, Flutwellen, einstürzende Städte, Tornados oder Ratten - all diese Katastrophen sind schon über die TV-Seher hereingebrochen. Nun muss also ein Vulkanausbruch für Gänsehaut sorgen.

Hauptsache, das Böse kommt aus der Tiefe

Teil eins von "Vulkan" entlarvt sich rasch: Als ein Warmlaufen für den eigentlichen Höhepunkt der neun Millionen Euro teuren Fernsehproduktion - den Ausbruch des Vulkans. Immer wieder soll der Blick in die brodelnde Untiefe das Unheil ankünden. Alle zwei Minuten tauchen irgendwelche idyllischen Landschaftsbilder mit Tourismuswerbungs-Feeling auf, die mit anschwelender Musik unterlegt werden. Mit der Zeit nervt das. Aber irgendwie muss ja Spannung erzeugt werden, ehe das Lava- und Magma-Desaster losgelassen wird.

Als ein Schwimmer von den tödlichen Schwefel-Blasen aus dem Vulkan-See getötet wird, denkt man an Steven Spielbergs weißen Hai. Die Kameraperspektive von unten drängt diesen Vergleich nahezu auf. Bloß dass todbringende Luftblasen irgendwie nicht wirklich schrecklich wirken - aber Hauptsache das Böse kommt aus der Tiefe. Es hätte gerade noch gefehlt, wenn man die markante, bedrohliche Melodie aus dem Spielberg-Klassiker eingespielt hätte.

Dorf-Held und Dorf-Depp dürfen nicht fehlen

Und trotz der oben angeführten Gründe funktioniert "Vulkan" nicht einmal so schlecht. Es sind die kleinen Dramen des Lebens, die in Teil eins in den Vordergrund rückten. Fast anatomisch wird die Struktur des Dorflebens auseinander genommen. Damit hebt sich der Zweiteiler wohltuend von den meisten seiner - oft peinlichen - Zerstörungs-Vorgänger ab.

Dabei lässt sich auch die Besetzung durchaus ansehen. Der katastrophen-erprobte ("Tornado - der Zorn des Himmels", "Das Jesus-Video") Matthias Koeberlin spielt als engagierter Ex-Feuerwehrmann den Helden, Armin Rohde als um Anerkennung kämpfender Vollzugsbeamter den Dorftrottel und Heiner Lauterbach gibt den in der Krise kalt kalkulierenden Bankdirektor. Darüber hinaus haben Yvonne Catterfeld als nicht ernst genommene Vulkanologin sowie Jenny Elvers-Elbertzhagen als toughe Geschäftsfrau und Ursula Karven als Luxusweibchen ihre Auftritte. Auch die coole Dorfclique darf nicht fehlen.

Finanzmetropole im Ascheregen

Vorab-Kritiken für Teil zwei ist zu entnehmen, dass auch im Finale der Vulkan nur eine Nebenrolle spielt. Nahezu apokalpytische Szenen zeigen die in Asche gehüllten Darsteller mehr als Zombies denn als jene Heldengestalten, zu denen Menschen in kollektiver Not normalerweise vom Fernsehen hochstilisiert werden.

Teil zwei, das legt zumindest die Vorschau nahe, wartet des weiteren mit unerwarteter Symbolik auf. Feuerregen und Asche gehen auf die Bankenmetropole Frankfurt, das Herz der deutschen Finanzwelt, nieder. In Zeiten der globalen Finanzkrise eine wohl nicht zufällige Metapher für den Niedergang einer Gesellschaft.

"Vulkan", Teil 2 am Montag, dem 19. Oktober 2009, um 20.15 Uhr bei RTL.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Artikel kommentieren Kommentieren BookmarkBookmarken bei [Was ist das?]

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*


Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

6 Kommentare
Gast: Nicole
05.11.2009 08:52
0 0

Hi

Hallo =D

Gast: Skorpi
20.10.2009 11:09
0 0

Vulkan

Ich habe mir "Pippi Langstrumpf" eingelegt!

Gast: Mokkaka
20.10.2009 09:16
0 0

mokkaka

Schade, was RTL aus diesem Thema gemacht hat; dabei bietet das Buch von Ulrich G. Schreiber eine so gute Vorlage. Der Film "Vilkan" hat so gar nichts, absolut gar nichts, mit dem Buch "Die Flucht der Ameisen" zu tun.Einzige Gemeinsamkeit: es bricht ein Vulkan in der Eifel aus. RTL macht daraus eine Seifenoper um Liebe, Geld und Eifersucht, in dem der Vulkanausbruch nur eine Nebenrolle, Kulisse spielt. Schade um die vertane Chance und das viele Geld.

Gast: TV-Kritischer
19.10.2009 17:43
0 0

Teurer, typischer RTL-Müll

Durch die massive Werbung angelockt, habe auch ich "Vulkan" mit einem Augen verfolgt. Geht es dabei wirklich um einen möglichen Vulkanausbruch? Den Drehbuchautoren fiel nicht viel ein. Kaum ein Klischee wird ausgelassen, die Rollen sind derart primitiv, dass sie schon wieder komisch wirken. Neben "sex sells" gibt es provozierte action in gewohnter Art: Unglaublich lächerlich die Verfolgungsjagd in der Kleinstadt, die dann auch noch dazu genutzt wird, was in RTL-Serien schon zum Standard wurde, nämlich fliegende Autos. Diese hanebüchende Randstory verkommt zum Ärgernis, wenn immer und immer wieder das selbe Bedrohungsszenario durch den Vulkan aufgebaut wird. Der erste Teil - und der zweite wird kaum anders sein - verdient die Schulnote 5 minus. Man sollte doch meinen, dass man für solche Gagen Besseres erhält. Aber RTL ist eh kritikimmun, nur Einschaltquoten zählen für die Werbeeinnahmen. Mein Tipp: Ausschalten! Übrigens war die angefügte "Dokumentation" wesentlich besser, aber noch lange nicht gut, auch weil sie permanent bemüht war, den selbst produzierten Filmen zu promoten.

Alien
19.10.2009 16:27
0 0

Arme Menschheit

Mir tun die Leute leid, die abends nichts besseres zu tun haben, als vor der Glotze zu sitzen.

Antworten Gast: Stefan
20.10.2009 09:57
0 0

Re: Arme Menschheit

Und das sagt jemand, der am Nachmittag zwischen 16 und 17 Uhr nix besseres zu tun hat, als im Internet zu surfen ;)

*lach*

Schlagzeilen Kultur