TV-Kritik

"Tatort" Köln: Zickenkrieg unter der Narrenkappe

Die Kölner "Tatort"-Kommissare Ballauf und Schenk ermitteln in "Tanzmariechen" hinter den Kulissen des Karnevals. Das ist nicht nur nicht lustig, sondern ziemlich abgedroschen.

Tatort: Tanzmariechen
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Tatort: Tanzmariechen
Tatort: Tanzmariechen – (c) WDR

Unsere Wertung

5 von 10 Punkten

Worum geht's in "Tanzmariechen"?

Ein junges Mädchen, das Teil einer Karnevals-Tanztruppe ist, stürzt sich von einer Brücke in den Tod. Zwei ihrer Kolleginnen befinden sich im Zickenkrieg - weil die eine der anderen den Status als "Tanzmariechen" streitig machen will, wie es schon das tote Mädchen versucht hat. Wenig später wird ihre Tanztrainerin erschlagen. 

Worum geht's noch?

Wir lernen, dass der Kölner Karneval eine todernste Sache ist. Da wird trainiert bis zum Ermüdungsbruch. Da wird ein Junge vergeblich dressiert, obwohl er doch nie und nimmer das Zeug zum Büttenredner hat. Und da schmeißt sich ein Vater so verbissen ins Zeug, dass das Familienleben daran zerbricht.

Wer ermittelt im Kölner "Tatort"?

Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) sind das wohl unaufgeregteste Ermittlerteam der "Tatort"-Reihe - die beiden haben irgendwie weder Ecken noch Kanten noch Knautsch- noch Knuddelzonen. Die sind immer ganz nett, aber nicht zu nett. Immer ganz konzentriert auf den Fall, aber nie zu ungut. Da wird's selbst dann nicht richtig ungemütlich, wenn es eine Verdächtige zu vernehmen gilt. Schlimmste Drohung dieser Folge: "Dann nehmen wir sie mit aufs Präsidium." Huch!

Was gefällt?

Das ist schon ganz gut, dass man einmal sieht, wie viel harte Arbeit hinter so einer lockeren Karnevalveranstaltung stecket. Die Frage, wie viel Druck man seinen Kindern machen sollte, ist aktuell. Auch Mobbing in sozialen Medien ist ein Problem, allerdings . . .

Wo hakt's?

... wirkt das hier alles doch recht abgedroschen. Da werden einfach zu viele Klischees bedient: das Mobbing, der Erfolgsdruck, die latente Homophobie (am Polizeipräsidium), der Zickenkrieg, die Erpressung und ein Vereinspräsident, der seine Truppe mit Bestechung in den Hauptbewerb reklamieren will. Da ist ganz viel Schmutz unter der Narrenkappe - und trotzdem ist das alles ziemlich mau. Und - Karneval hin oder her - nicht einmal dann lustig, als Schenk im Vampirskostüm auftaucht und Ballauf eine rote Nase verpasst bekommt. 

Und was heißt eigentlich "de jecke Aape"?

Ach ja: Falls sich demnächst ein deutscher Zuschauer über den Ösi-Dialekt beschwert: Wir verstehen auch nicht alles. Die Tanztruppe im Film nennt sich z.B. "de jecke Aape" - was so viel heißt wie: "die verrückten Affen". Das klingt zwar lustig, aber die haben wahrlich keinen Spaß. Das sollte man dann gleich wieder von der Gedanken-Festplatte löschen, sonst vergeht einem die Lust am Karneval. Wobei: In Österreich wird ja sowieso Fasching gefeiert . . . 

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