TV-Kritik

"Tatort": Der Tod kommt "lautlos wie ein Haifisch"

In "Nachtsicht" suchen die Bremer "Tatort"-Ermittler Lürsen und Stedefreund einen Serienmörder, der junge Männer tot fährt. Nichts für schwache Nerven!

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"Tatort: Nachtsicht" – ARD

Unsere Wertung für diesen "Tatort"

8,5 von 10 Punkten

Worum geht's in "Nachtsicht"?

Ein junger Mann wird nachts von einem Auto überfahren. Ein Unfall? Sicher nicht. Denn wer auch immer das getan hat, ist im Vor- und Rückwärtsgang mehrmals über das Opfer gefahren. Doch damit nicht genug: Kaum haben Hauptkommissarin Inga Lürsen und ihr Kollege Stedefreund die Ermittlungen aufgenommen, gibt es den nächsten Mordfall. Ein Serienmörder ist unterwegs, der mit einem lautlosen, im Dunklen fast unsichtbaren Auto zuschlägt - "lautlos wie ein Haifisch" . . .

Worum geht's noch?

Die Polizei findet neben dem ersten Opfer ein Mobiltelefon. Der junge Mann, dem es gehört, ist den beiden gleich verdächtig: Kristian Friedland (Moritz Führmann) wirkt unsicher und wird von seinem Vater gleichermaßen beschützt wie bevormundet. Je länger Lürsen und Stedefreud ermitteln, desto mehr zeigt sich ihnen das Psychogramm dieser Familie, deren Leben von unerfüllten Träumen, Schmerz und Verdrängung geprägt ist. Hier braucht man nicht lange am Lack zu kratzen, um zu bemerken, dass der traute Schein trügt.

Wer ermittelt in Bremen?

Sabine Postel ist Hauptkommissarin Inga Lürsen: Sie agiert ruhig, besonnen und vorsichtig. Beharrlich spricht sie Unagenehmes an, bis ihr Gegenüber weich wird: "Alle um sie herum veranstalten einen großen Totentanz", sagt sie einmal: "Das muss aufhören!" Oliver Mommsen ist als ihr deutlich jüngerer Kollege Stedefreund der, der notfalls für die Action zuständig ist. Die technischen Kniffe erklärt den beiden die junge Kollegin Linda Selb (Luise Wolfram), die sich zwar auf den Umgang mit Computern und auf kriminalistische Analysen versteht, der aber etwas Entscheidendes fehlt, was Lürsen zur guten Ermittlerin macht: das untrügliche Bauchgefühl.

Was gefällt?

"Nachtsicht" ist ein düsterer Film über die psychischen Abgründe eines Mörders, der sich am Leid seiner Opfer ergötzt. Mit widerwärtiger Brutalität fährt er Menschen tot, um danach seelenruhig sein Auto zu reinigen und kleine Trophäen wie Zähne oder Haare aus den Ritzen und Schrammen zu bergen, um sie als Souvenir zu behalten. Die Musikauswahl ist hervorragend - darunter Johnny Cashs Ballade über "The Beast in me that everybody knows".

Wo hakt's?

Es wird sehr brutal: Die Szenen, in denen der Mörder seine Opfer vom dunklen Auto aus mit dem Nachtsichtgerät aussucht und überfährt, sind nichts für schwache Nerven!

Und warum kotzt der Pathologe?

Einen vermutlich einmaligen Auftritt in der "Tatort"-Geschichte hat Gerichtsmediziner Dr. Katzmann (Matthias Brenner): Er besichtigt das "Souvenir"-Sackerl des Mörders, schnüffelt hinein - und muss sich übergeben. Ein Pathologe, der kotzt? Das ist rufschädigend! Kommissarin Lürsen aber klopft ihm beruhigend auf die Schulter: Sie wird sicher nichts verraten.

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