TV-Kritik

"Tatort": Amour fou in München

In "Die Liebe, ein seltsames Spiel" sind alle verliebt – oder tot. Batic und Leitmayr ermitteln in diesem "Tatort" in einem verwirrenden Beziehungsgeflecht.

"Tatort": "Die Liebe, ein seltsames Spiel"
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"Tatort": "Die Liebe, ein seltsames Spiel"
"Die Liebe, ein seltsames Spiel" – BR/Claussen+Putz Filmproduktion

Unsere Wertung für diesen "Tatort":

8 von 10 Punkten

Worum geht es in "Die Liebe, ein seltsames Spiel"?

Verena Schneider liegt erschlagen in der Auffahrt ihres Hauses. "Und dann knallte die Tür" – sagt die verwirrte, ältere Nachbarin und gibt netterweise die Auskunft, dass sich die Tote an dem Nachmittag von ihrem Freund, dem erfolgreichen Architekten Thomas Jacobi, trennen wollte. Batic und Leitmayr übernehmen. Und sie wissen, wie die Zuseher des München-Tatorts "Die Liebe, ein seltsames Spiel": Der Paradeverdächtige ist selten der Täter. Also ermitteln sie weiter. Und dann passiert noch ein Mord. Diesmal an Jacobis Hausärztin Doktor Slowinski, bei der er einen Termin hatte, als Verena starb. Das Muster ist dasselbe: erst Streit, dann Sex, dann ist die Frau tot.

Worum geht’s noch?

Es ist Frühling in München, und alle sind verliebt. "Aber irgendwie klappt’s nicht immer mit der Verteilung", sagt Kommissar Ivo Batic lakonisch. Der Tod von Verena Schneider legt ein Beziehungsgeflecht rund um den charismatischen Architekten Jacobi (Martin Feifel) offen – mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass nicht alle Beteiligten voneinander wissen. In diesem "Tatort" geht es um die Hoffnung auf die eine, wahre Liebe – und um den Moment, wenn die Realität einbricht. "Ich dachte, das ist privat", sagt der nicht ganz so monogame Mann anfangs noch erstaunt. "Ist es auch", antwortet ihm Franz Leitmayr - außer eben bei Mord. Das Ermittlerduo muss in dem Liebesreigen auch seine eigenen Moralvorstellungen abklopfen. Und es zeigt sich, dass die grantelnden Münchner nach so vielen gemeinsamen Jahren doch sehr unterschiedliche Ansichten vom Leben und der Liebe haben.

Wer ermittelt?

Alle in München sind verliebt? Fast. Kommisar Leitmayr (Udo Wachtveitl) versucht hauptsächlich, der Mutter des eifrigen Nachwuchspolizisten Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) zu entkommen, die sich etwas zu kokett, Bierschaum-pustend beim Umzug ihres Sohnes zu ihm gesellt. Und während Leitmayr Avancen abwehrt, vergnügt sich Batic (Miroslav Nemec) mit seiner verheirateten Geliebten Josie (Viola Wedekind). Wenn Leitmayr zum Mordverdächtigen sagt: "Dass Ihre Freundin verheiratet war, hat Sie auch nicht sonderlich gestört?“, gilt das auch dem Kollegen.

Was gefällt?

Die Sinnkrise ist vorbei. Erst vor drei Wochen war Batic angeschossen und angeschlagener denn je zu sehen ("Wir haben keine Frau. Kein Leben. Nur Leichen. Der Tod ist unser Leben."). Und er war seinem Partner mehr Last als Stütze. Jetzt bringt seine Affäre zur verheirateten Josie zwar auch Reibereien, aber es wird wieder Seite an Seite ermittelt. Keiner spricht von tiefgreifenden Psychosen. Da kann die solide Krimihandlung voll im Mittelpunkt stehen.

Wo hakt’s?

Auch wenn man sich freut, dass Batic nicht das Handtuch geschmissen hat, nachdem er in "Der Tod ist unser ganzes Leben" nahe dran schien, ist sein plötzlicher Sinneswandel doch sehr unrealistisch. Die restituierte heile Welt wirkt auf München-Fans, die die letzte Folge gesehen haben, abrupt. Der Cut deutet mehr auf eine mangelnde Koordination zwischen den "Tatort"-Drehbuchschreibern als auf raffinierte Hintergedanken hin.

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