TV-Kritik

"Tatort": In Berlin blühen die Blumen des Bösen

In "Amour fou" ermitteln die "Tatort"-Ermittler Rubin und Karow im Mordfall an einem homosexuellen Lehrer. Weiß dessen Witwer mehr als er zugibt? Im Feiertag-Hauptabend (5. Juni) in ORF 2.

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"Tatort: Amour fou" – ORF

Unsere Wertung für diesen "Tatort":

9 von 10 Punkten

Worum geht's in "Amour fou"?

Ein Toter liegt in einem Garten - er ist verbrannt und mit seinem Plastikliegestuhl zu einer unförmigen Masse verschmolzen. Allem Anschein nach handelt es sich um Enno Schopper, einen Lehrer und Homosexuellen, der wegen eines Missbrauchs-Gerüchts an der Schule beurlaubt war. Bei ihren Ermittlungen treffen Nina Rubin und Robert Karow auf Ennos Witwer Armin - einen mutlosen, melancholischen Mann, der sich als "Mutti" auch um Duran gekümmert hat, einen Schüler, den Enno erst unter seine Fittiche und dann mit nach Hause genommen hatte. Doch Duran ist verschwunden und Armin scheint mehr zu wissen, als er zugibt: Auf einer Liste in seinem Notizbuch hakt er ab: "lebendig verbrannt"...

Worum geht's noch?

Es geht um Kinder aus desolaten Verhältnissen, die ihre Wut auf die Welt gern an Schwächeren oder auch am Auto des engagierten, aber schwulen Lehrers auslassen. Seit dem Brandanschlag fühlten sich Armin und Enno nicht mehr sicher. Und es geht um die verflixte Eifersucht, die Menschen dazu bringen kann, etwas zu tun, was ihnen den Rest des Lebens leid tut.

Wer ermittelt?

Nina Rubin (Meret Becker) ist nicht nur eine bekennde Nymphomanin - sie macht auch den Eindruck, ständig irgendwie high zu sein. Das ist jedenfalls keine Null-Acht-Fünfzehn-Kommissarin. Kollege Robert Karow (Mark Waschke) ist Männern gegenüber nicht abgeneigt, was ihm in diesem Fall einen entscheidenden Vorteil bringt. Und auch wenn sich die zwei ein wenig anzicken (ja, die Eifersucht!), sind sie doch ein sehr effizientes Team.

Was gefällt?

Schwulenfeindlichkeit ist ein Thema. Seelisch verwahrloste Kinder, deren Mütter saufen und deren Väter sich aus dem Staub machen, sind es auch. Ach ja: Und da wäre noch diese feine Nebenschiene, die Nina Rubin dabei zusieht, wie sie irgendwie versucht, die Beziehung zu ihrem Mann zu retten. Wobei: Wenn man schon damit zufrieden ist, dass man es schafft, sich einmal nebeneinander die Zähne zu putzen, klingt das ja schon nach einer ziemlichen Gammel-Beziehung...

Was gefällt noch?

Ziemlich coole Sprüche diesmal: "Wenn sie die Kapuze aufziehen, sehen sie aus wie ein Woody-Allen-Spermium" (Armin an den Kommissar); "Dankbarkeit ist der Oraljob-Trigger in der bürgerlichen Ehe" (der Kommissar); oder: "Das wär was für die Documenta: Der Mann im Plastikliegestuhl" (einer von der Spurensicherung).

Wo hakt's?

Muss ein Homosexueller mit einer derart süßlich-flötenden Stimme reden wie Jens Harzer in der Rolle des Armin? Wohl eher nicht. Aber der liest ja auch melancholisches wie Charles Baudelaires "Les Fleurs du Mal" und spielt die besorgte "Mutti". Die nimmt man ihm ab.

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