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Daily Soap im Ärztemilieu: Herzrasen am Bügelbrett

02.04.2011 | 17:58 |  von Isabella Wallnöfer (Die Presse)

Im Gegensatz zu "Grey's Anatomy" oder "Dr. House" richtet sich "Herzflimmern" an Frauen mit 40plus. Hundert Folgen der Daily Soap sind schon fix, aber "gedacht wäre es endlos", so die ORF-Serienchefin.

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Schön langsam sind Krankenhausserien wieder in“, meint Andrea Bogad-Radatz. 600.000 Zuschauer beim Staffelstart von „Grey's Anatomy“ am Montag (55Prozent Marktanteil bei Zwölf- bis 29-Jährigen) zeigen: Fesche Herren im weißen Kittel samt schmachtender weiblicher Entourage sind Medizin gegen die Quotenschwäche des ORF. Die ORF-Hauptabteilungsleiterin Film und Serien freut sich, dass die Behandlung so gut anschlägt – und startet am Montag eine Therapie: „Herzflimmern – Die Klinik am See“, eine Daily Soap im Ärztemilieu (wochentags, 14.25Uhr, ORF2). „Wir nennen das intern auch gern Bügelprogramm, weil der Zuschauer am Nachmittag nebenbei was zu tun hat. Es soll gemütliche Unterhaltung sein, auch Ersatzfamilie, wo man mitlebt und die Charaktere lieb gewinnt.“ Oder sie – im Falle der in jeden Plot eingebauten Fieslinge und Intriganten – verachtet.

„Solche Ekel gibt es in der Medizin tatsächlich“, weiß Damir Joldic von der ÖH der Medizin-Uni Wien aus leidvoller Erfahrung. Sonst hält er vom Wahrheitsgehalt solcher Serien wenig: „90Prozent von dem, was die zeigen, ist falsch.“ Einzig „Dr. House“ sei „hin und wieder medizinisch relevant“, alle anderen Serien nicht, weil sie „entweder nur das Positive darstellen oder übertreiben: Da werden die Notfälle, die sonst in einem Jahr vorkommen, auf eine Woche komprimiert, um das Interessanteste herauszuholen.“

„In ,Herzflimmern‘ werden die medizinischen Fälle so gewählt, dass sie sehr emotional sind“, sagt Bogad-Radatz. Zielgruppe sind vor allem Frauen über vierzig. Was zum Auftakt in nur 45Minuten Platz hat? Ein Kind, das sich verletzt, um die Aufmerksamkeit der Eltern zu bekommen, eine Klinikchefin, deren Sohn Medikamente klaut und bei einem Unfall verletzt wird, ein Verwaltungsdirektor, der Machenschaften in Haiti vertuscht, ein eifersüchtiger angehender Ehemann etc.

Hundert Folgen der Daily Soap sind schon fix, aber „gedacht wäre es endlos“, so die ORF-Serienchefin. Die Kosten sind überschaubar: Erstens ist das ZDF federführend, der ORF war aber von Anfang an als Partner mit an Bord, konnte bei den Drehbüchern mitreden. Eine Daily mit 45Minuten kostet laut Bogad-Radatz in der Herstellung etwa 100.000Euro pro Folge, weil sie mit viel weniger Aufwand gedreht wird: Jede Folge entsteht an nur einem Drehtag, weitgehend im Studio. Eine Hauptabendserie kostet hingegen etwa 500.000 bis 600.000Euro pro Folge in der Produktion.


Junge lieben Zynismus. Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier (tfactory) hält Schauplatz und Milieu der Ärzteserien nicht für den Kern des Erfolgs. Junge würden „Dr. House“ oder „Scrubs“ lieben, „weil das atypische Ärzteserien sind“. „Dr. House“ habe eine „zynische, nicht mainstreamhafte Herangehensweise an das Leben“: „Er ist das Gegenbild zu den Charakteren in traditionellen Arztromanen.“ Die Anfänger von „Scrubs“ hätten einen „respektlosen, ironischen Umgang mit einem sehr ernsten Lebensaspekt – der Krankheit“.

Kann man auch zu viel von solchen Serien kriegen? Wenn man der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie glauben darf, haben Patienten, die überdurchschnittlich oft Krankenhausserien anschauen, mehr Angst vor Operationen. Auch Joldic findet es hinderlich, wenn es im Fernsehen „beim Blutabnehmen spritzt“. Er wünscht sich mehr medizinische Beratung: „Man könnte Serien ja nützen, um den Zuschauern etwas näherzubringen – zum Beispiel wie man reanimiert.“ Volksbildung steht aber nicht auf der Checkliste der Serienschreiber.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2011)

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2 Kommentare
Gast: lisi793
03.04.2011 08:12
2 0

Das ist der...

... BILDUNGSAUFTRAG des ORFs.....

AUG A3 SF
02.04.2011 19:16
1 1

der nächste flop

des orf !