"Hubert & Staller" auf ATV: Witzejagd in Oberbayern

06.11.2011 | 18:20 |  SIOBHÁN GEETS (Die Presse)

Die Serie gibt Anlass zur Frage, wieso man sich dem, was in Amerika seit Jahren funktioniert, im deutschsprachigen Raum noch immer konsequent verwehrt.

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Verglichen mit der neuen deutschen ARD-Fernsehserie „Hubert & Staller“ scheint der „Bulle von Tölz“ Emmy-verdächtig. Die von ATV kofinanzierte Produktion vereint alle Merkmale der schlechten (deutschen) Krimisendung. Wo andere Serien zumindest humoristische Elemente („Kottan ermittelt“) oder realistische Züge („Tatort“) aufweisen, schleppen sich in „Hubert & Staller“ zweidimensionale Figuren von einer unambitionierten Szene zur nächsten.

Nun ist das im bayerischen Oberland ermittelnde „Bullen“-Duo Franz Hubert (Christian Tramitz) und Johannes Staller (Helmfried von Lüttichau) jeden Sonntagabend auf ATV zu sehen. Die Polizisten, die sich scheinbar gegenseitig ergänzen sollen – Staller ist der „Draufgänger“, Hubert der „Ruhige“ – erinnern an bereits mehrfach kopierte Figuren anderer Serien („Der Bulle von Tölz“, „Polizeiinspektion Eins“). Der Plot der ersten Folge ist vorhersehbar und langweilig. Der Täter ist dann doch nicht der unbekannte Einbrecher, sondern – Achtung, Überraschung! – das Opfer wurde von der Ehefrau und ihrem Liebhaber ermordet. „Hubsi“ und Staller sind den ganzen Film lang auf Witzejagd, haben aber nach 50 Minuten immer noch nichts erlegt. Man begegnet Schmähphrasen wieder, die man schon längst ausgestorben glaubte. Einmal reicht Staller beim feierabendlichen Bier dem Barmann das leere Glas mit den Worten: „Mach mal die Luft raus.“

Die Serie gibt wieder einmal Anlass zur Frage, wieso man sich dem, was in Amerika seit Jahren funktioniert, im deutschsprachigen Raum noch immer konsequent verwehrt. Während viele US-Fernsehserien, was Spannungsaufbau, Charakterentwicklung und Produktion betrifft, qualitativ zugelegt haben, liefert „Hubert & Staller“, was die Welt am allerwenigsten braucht: eine weitere schlechte deutsche Krimiserie.

 

E-Mails an: siobhan.geets@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2011)

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3 Kommentare
Gast: polem
02.10.2012 23:27
0

Spaßbremse

Siobhan Geets als Spaßbremse. Wenn man schon nicht bayrisch oder zumindest süddeutsch gepolt ist, versteht man die absurde Komik vielleiht nicht.

Dann schweig man lieber, ehe man seine Missmutigkeit zu Papier bringt.

Hier wird Parodie mit Krimi verwechselt

Eine mit den Erwartungen einer Kriminalserie ausgerüsteten Kritik an eine Kriminalparodie beweist, dass die Parodie gelungen ist. "Hubert und Staller" ist nichts als dies, und ist dies grandios:
http://www.davidkern.at/?p=2066

Es fehlt eben der kreative Ansatz!

"Der Bulle von Tölz" besaß eben eine ganze Reihe äußerst schmackhafter Ingredienzen, die diese Produktion unverwechselbar machten. Da waren zunächst einmal die Typen an sich: Der blade Berghammer, der ständig ätzende Kommentare zur bayerischen Gesellschaftspolitik absonderte (ähnlich wie Ottfried Fischer auch in seinem "Ottis Schlachthof"); seine urige Mama, die ständig an ihm herum nörgelte und waghalsige Geschäftsideen ausbrütete; die Kollegin aus Berlin, für welche Bayern an sich die totale Exotik bedeutete; der schleimige Pfarrer; die lokalen Honoratioren, die eine Machloike nach der anderen fabrizierten; der trottelige ältere Gendarm, usw.: Das alles war ein gegenseitiges Beziehungsgeflecht mit hohem Humorfaktor. Und dazu auch noch die bissigen Kommentare auf alles, was eben den bayerischen Kolorit ausmacht. Da stinken sogar die "Rosenheim-Cops" total ab.

Einen Krimi, der nicht auch realeweltliche Themen und Probleme reflektiert; der keine echten zwischenmenschliche Konflikte behandelt; der muß eben oberflächlich - und damit langweilig bleiben. Solche Produktionen sind wirklich nur noch Zeitüberbrückung bis zum nächsten Werbeblock!

Wenn Gottschalk davon spricht, daß sein Nachfolger einen "abgenagten (Show-)Knochen übernimmt, so trifft eine solche Aussage eben auch etliche deutsche Krimis zu. Es ist offenbar wirklich sehr schwer, noch etwas echt Neues zu kreieren. Entweder man flüchtet sich in pseudointellektuellem "Tatort"-Krampf. Oder man wärmt nur Altes wieder auf.

Meinung

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