"Hubert & Staller" auf ATV: Witzejagd in Oberbayern

Die Serie gibt Anlass zur Frage, wieso man sich dem, was in Amerika seit Jahren funktioniert, im deutschsprachigen Raum noch immer konsequent verwehrt.

Hubert Staller Witzejagd Oberbayern
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Hubert Staller Witzejagd Oberbayern
Hubert und Staller – (c) Dapd (ARD/TMG/Katrin Krammer)

Verglichen mit der neuen deutschen ARD-Fernsehserie „Hubert & Staller“ scheint der „Bulle von Tölz“ Emmy-verdächtig. Die von ATV kofinanzierte Produktion vereint alle Merkmale der schlechten (deutschen) Krimisendung. Wo andere Serien zumindest humoristische Elemente („Kottan ermittelt“) oder realistische Züge („Tatort“) aufweisen, schleppen sich in „Hubert & Staller“ zweidimensionale Figuren von einer unambitionierten Szene zur nächsten.

Nun ist das im bayerischen Oberland ermittelnde „Bullen“-Duo Franz Hubert (Christian Tramitz) und Johannes Staller (Helmfried von Lüttichau) jeden Sonntagabend auf ATV zu sehen. Die Polizisten, die sich scheinbar gegenseitig ergänzen sollen – Staller ist der „Draufgänger“, Hubert der „Ruhige“ – erinnern an bereits mehrfach kopierte Figuren anderer Serien („Der Bulle von Tölz“, „Polizeiinspektion Eins“). Der Plot der ersten Folge ist vorhersehbar und langweilig. Der Täter ist dann doch nicht der unbekannte Einbrecher, sondern – Achtung, Überraschung! – das Opfer wurde von der Ehefrau und ihrem Liebhaber ermordet. „Hubsi“ und Staller sind den ganzen Film lang auf Witzejagd, haben aber nach 50 Minuten immer noch nichts erlegt. Man begegnet Schmähphrasen wieder, die man schon längst ausgestorben glaubte. Einmal reicht Staller beim feierabendlichen Bier dem Barmann das leere Glas mit den Worten: „Mach mal die Luft raus.“

Die Serie gibt wieder einmal Anlass zur Frage, wieso man sich dem, was in Amerika seit Jahren funktioniert, im deutschsprachigen Raum noch immer konsequent verwehrt. Während viele US-Fernsehserien, was Spannungsaufbau, Charakterentwicklung und Produktion betrifft, qualitativ zugelegt haben, liefert „Hubert & Staller“, was die Welt am allerwenigsten braucht: eine weitere schlechte deutsche Krimiserie.

 

E-Mails an: siobhan.geets@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2011)

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